100 Jahre Neues Rathaus: Senat lädt zum Neujahrsempfang mit Feierstunde

„Bremischer Bürgerstolz“

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Der Dirigent steht falsch herum? Nein, es handelt sich um den Bürgermeister am Rednerpult: Jens Böhrnsen (SPD) und die Bremer Philharmoniker in der Oberen Rathaushalle.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Der Neujahrsempfang des Senats war dieses Mal eine Feierstunde. Gestern vor 100 Jahren wurde das Neue Rathaus eingeweiht – Anlass, den Anbau mal so richtig zu würdigen.

Einen Anbau, der dreimal so groß ist wie das Alte Rathaus, diesem aber nicht die Wirkung nimmt.

Im Gegenteil. Beide Teile werden als Einheit begriffen, obwohl Jahrhunderte zwischen ihren Entstehungszeiten liegen. Von einer „Symbiose“ zwischen Neuem Rathaus von 1913 und dem ab 1405 errichteten Hallenbau sprach Dr. Rosemarie Wilcken. Die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, viele Jahre Bürgermeisterin von Wismar, hielt die Festrede. Im Verständnis der Bremer, sie habe das bei hiesigen Freunden überprüft, sei das Neue Rathaus längst Teil des Alten Rathauses.

So irritiere es geradezu, noch immer vom „Neuen Rathaus“ zu sprechen. Bei dessen Bau sei „der Grundsatz, das Gute zu bewahren“ beachtet worden. Gebaut wurde das Neue Rathaus, weil Bremen wuchs – und sich größer darstellen wollte. Hinzu kam die wachsende Menge an Verwaltungsaufgaben, für die Platz gebraucht wurde. Für Festrednerin Wilcken ging es beim Bremer Rathaus immer um mehr als die reine Funktion. Der Repräsentationsbau, er sei auch Ausdruck eines Programms „von Unabhängigkeit und Selbstbestimmung“.

In diesem Zusammenhang sei das Roland-Standbild, so Rosemarie Wilcken weiter, „einfach genial“: „Ein Roland, der sich schützend vor das Rathaus stellt, die Freiheit verspricht und dem Dom die Stirn bietet.“

„Das Neue Rathaus ist der selbstbewusste Ausdruck bremischen Bürgerstolzes.“ So formulierte es ein Mann, dessen Büro in eben diesem Neuen Rathaus liegt – Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD). „Erste Anstöße zum Neubau erfolgten 1891 durch den Bremer Dombaumeister. Seinem Entwurf lag aber kein Finanzierungsvorschlag bei – und so ging er zu den Akten. Wir erkennen darin modernste Haushaltspolitik.“ Eine „erneute Initiative“ – mit Finanzierungsmodell – war dann erfolgreich. Sie ging von dem Kaufmann und „Petroleum-König“ Franz Schütte (1836 bis 1911) aus.

Der Senat lobte einen Wettbewerb aus, der erst in der zweiten Runde entschieden wurde. Die 105 Entwürfe aus der ersten Runde „wanderten in den Papierkorb“, wie Rednerin Wilcken es gestern formulierte. Die zweite Ausschreibung gewann der renommierte Münchener Architekt Gabriel von Seidl (1848 bis 1913). Böhrnsen: „Sein Entwurf erzielte – laut Preisgericht – erstmals eine ‚innerliche Harmonie mit dem Alten Rathaus‘.“

Böhrnsen erinnerte an markante historische Ereignisse, die in Gabriel von Seidls Bauwerk „spielten“: „Hier, im Neuen Rathaus, proklamierte am 5. Oktober 1946 die US-Militärregierung, dass Bremen als reichsunmittelbare Hansestadt erhalten bleibe.“ Die Basis für die spätere Existenz als Land der Bundesrepublik war geschaffen. Den Grundstein für den Euro legten die europäischen Regierungschefs 1978 im Kaminsaal des Neuen Rathauses, als sie beschlossen, eine gemeinsame europäische Währung einzuführen. Zu Kaisers Zeiten, als das Bauwerk entstand, wäre das undenkbar gewesen. . .

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