Festival bietet für alle die passende Musik

Breminale: Authentisch und etwas schräg

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Energie und guter Laune versprühte die Band „Jupiter Jones“ auf der Breminale - Crowdsurfing inklusive.

Bremen - Von Ulla Heyne. Breminale – das ist neben Bummeln am Deich, Leute treffen und kulinarischen Exkursionen vor allem Musik für jeden Geschmack. So war es mehr als stimmig, dass als erster offizieller Programmpunkt am Mittwochabend am Osterdeich ein Musiker stand, nämlich „Flowin Immo“.

Der nach eigenem Bekunden „gutgelaunte radikale Rechtshänder“ rappte auf Bestellung: Wie beim Improvisationstheater ließ der gebürtige Bremer sich Themen und Stichwörter zurufen und sogar die Stilrichtung, vom Jazz über Reggae bis zum Punk, durften die Zuschauer sich wünschen. Und ganz nebenbei bekam die kleine und große Politik ebenso ihr Fett weg wie das Publikum, das nach dem Geschmack des Rappers zumindest beim Auftakt noch nicht so ganz mit der Schlagfertigkeit des Musikers und Wortjongleurs mithalten konnte. Der in Bremen geborene Rapper Immo Wischhusen verkörperte mit seiner Performance „Immo's runde Stunde“, die täglich um 18 Uhr über die „Dreimeterbretter“-Bühne geht, den Geist des fünftägigen Kulturspektakels am Osterdeich wie kein anderer: unprätenziös, authentisch, nett und ein bisschen schräg, wie die Breminale selbst. „Der macht sein eigenes Ding“, meinte ein Zuschauer vor der aus Planken und Palletten und Idealismus zusammengeklopften „schiefsten Bühne der Stadt“.

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Selbiges galt für die meisten der Künstler, die an diesem Abend auf den sieben Bühnen zu erleben waren: Auch „Someday Jacob“, mit dem Bremer Sänger Jörn Schlüter und dem Hamburger Gitarristen Uli Kringler quasi ein Nordderby, scherte sich wenig um Trends und Publikumsgeschmack. Nicht umsonst hat die Band ihre jüngste Scheibe „It might take a while“ genannt – gut Ding will eben Weile haben. Und so bescherten Schlüter, für den das Festival „wie nach Hause kommen“ ist, und seine drei Mitstreiter dem gutgefüllten „Himmelwärts“-Zelt gleich zum Auftakt eineinhalb Stunden auf hohem musikalischen Niveau; mit wundervollen solistisch dominierten Instrumentalpassagen, in denen Kringler seine Genialität an der Gitarre durchblicken lassen durfte, und gefälligen Refrains, von nicht wenigen Leuten andächtig mitgesungen.

Auftakt der 29. Breminale

In den Genuss von Publikums-Chören kamen wenige Momente später und einige hundert Meter weiter auch „Jupiter Jones“ im „Deichgraf“. Auch hier zeigte sich der rote Faden, der bei der Auswahl der Bands eine Rolle gespielt haben mag: Sänger Sven Lauer steckte mit Energie und guter Laune an, und man nahm es ihm ab, wenn er in „Jede Viertelminute“ ein Statement zur aktuellen Flüchtlingskrise abgab oder, zum Verzücken vor allem der weiblichen Fans, „Ich glaube an die Liebe“ bekannte. Und selbstverständlich durfte, neben den vielen aktuellen Songs, auch „Still“ nicht fehlen. Auch wenn die Originalstimme von Nicholas Müller sich eingebrannt hat, machte Lauer seine Sache mehr als nur gut. Mit knackigen Trompeteneinsätzen und dem obligatorischen Crowdsurfing mit Brett in der Menge eine runde Sache.

Fotos

In punkto Schrägheit machte an diesem Abend Gayle Tufts das Rennen. Wenn die US-Entertainerin mit persönlicher Beziehung nach Bremen über deutsch-amerikanische Unterschiede philosophierte, zur Pianobegleitung über eine Romanze zwischen Schweinsteiger und Merkel („Schwangelina“) spekulierte und mit „50 Shades of Merkel“ das Kopfkino der Zuhörer befeuerte, so hatte sie die Lacher auf ihrer Seite.

Und sonst? Allesamt sehenswerte Auftritte. Das war „We had to leave“, ein Trio mit souveräner Bühnenpräsenz, das musikalisch schwer einzuordnende Duo „Sea + Air“, das mit Form und Timing spielte, Balladen zum Punksong eskalieren ließ und nach einem abgebrochenen Song auch verbal lustvoll das Publikum provozierte. Und die Erkenntnis: Man hätte an diesem Abend noch so viel mehr lohnenswerte Bands sehen können.

Die Breminale dauert bis zum Sonntag. Der Osterdeich ist bis einschließlich Samstag jeweils von 21 bis 1 Uhr für den Fahrzeugverkehr gesperrt, am Sonntag von 7 bis 1 Uhr.

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