Bremerhavener Berufsfeuerwehr hat eine Spezialtruppe mit Bergsteigermontur

Höhenretter an der Küste

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Ein Höhenretter der Feuerwehr Bremerhaven seilt sich zu einem Verletzten ab. Der Gerettete befindet sich in guten Händen, schließlich ist die Einheit ebenfalls als Rettungssanitäter oder Assistent ausgebildet.

Bremerhaven - Von Wolfgang Heumer. Mit knapp neun Metern ist der Deich die höchste Erhebung in Bremerhaven. Dennoch verfügt die Berufsfeuerwehr über 42 ausgebildete Höhenretter. Mit ihrer Bergsteiger-Montur seilen sie sich im Notfall auch auf hoher See in Schiffsladeräume und von Offshore-Windkraftanlagen ab.

„Angst?“ Tim Bergmann denkt nur kurz über die Antwort nach: „Angst darf man als Feuerwehrmann nicht haben.“ Allerdings: „Man muss schon Respekt vor dem haben, was einem im Einsatz begegnen kann. Und man muss wissen, was man tut“, schiebt der 42-Jährige hinterher. Für den Bremerhavener Brandamtmann und 41 seiner Kollegen trifft dies ganz besonders zu – denn im Alarmfall hängt ihr Leben allein an einem dünnen Seil: Die Männer bilden die Höhenretter-Gruppe der Berufsfeuerwehr in der Seestadt. Im Schnitt werden die Spezialisten alle zwei Wochen einmal gerufen. „Dann muss jeder Handgriff sitzen“, sagt Bergmann, der das Team leitet.

Feuerwehrleute in Bergsteigermontur – in einer Küstenstadt wirkt das befremdlich. Bremerhaven hat die Spezialtruppe aber nicht nur wegen der wenigen Hochhäuser hinter dem Weserdeich aufgestellt: „Für uns kommen noch die besonderen Anforderungen aus dem Hafenbetrieb, dem Schiffbau und aus der Offshore-Industrie hinzu“, sagt Feuerwehr-Dezernent Jörn Hoffmann.

„Gerade im Hafen und sogar auf hoher See gibt es immer mehr Einsätze, die ohne unsere Spezialgruppe gar nicht mehr zu bewältigen wären“, sagt Bergmann. Vom Deck großer Containerschiffe geht es bis zu 20 Meter tief in die Laderäume; die Containerbrücken auf der Kaje ragen 60 Meter in den Himmel; die Türme der großen Windkraftanlagen am nördlichen Bremerhavener Stadtrand und auf hoher See sind rund 100Meter hoch. Hoffmann: „Wenn sich jemand tief unten im Laderaum ein Bein bricht oder oben auf einem Turm einen Herzinfarkt bekommt, kann der Verletzte nicht mehr auf dem normalen Weg gerettet werden.“

Für ihre Aufgaben werden die Höhenretter ähnlich geschult wie Bergsteiger. 80Stunden umfasst die Ausbildung. Zusätzlich müssen sich die Spezialisten pro Jahr 50 Stunden lang fortbilden und für ihre Einsätze trainieren. Spektakulär sind die Übungen an dem 86 Meter hohen Hotel „Sail City“ direkt am Weserdeich: Aus einem der oberen Büros muss eine Person auf dem Seilweg zum Boden gebracht werden. Begleitet wird der Patient von einem Retter, der die Trage sichert. „Unsere Feuerwehrleute sind auch als Rettungssanitäter ausgebildet“, sagt Hoffmann. Ganze drei Minuten dauert die Rettung. Obwohl die Feuerwehrleute an dem Hotelgebäude ideale Arbeitsbedingungen vorfinden, erfordert die Übung die volle Konzentration. „Jetzt stellen Sie sich das Ganze mal bei starkem Wind auf einer Containerbrücke oder an Bord eines schwankenden Schiffes vor“, sagt Bergmann.

Trotz der hohen Anforderungen muss keiner der Höhenretter Bergsteigererfahrung haben. „Ein paar von uns sind im Urlaub häufiger mal in die Berge gefahren“, sagt Bergmann. Dass der Balanceakt an dünnen Leinen besonders gefährlich ist, weist er weit von sich: „Die Arbeit bei der Feuerwehr birgt jede Menge Gefahren. Das wird auch nicht schlimmer dadurch, dass wir an einem Seil hängen.“

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