Ein Jahr auf See

Bremerhaven: Arktis-Forschungsschiff Polarstern kehrt aus dem Eis in die Heimat zurück

Das Forschungsschiff „Polarstern“ ist nach rund einem Jahr von seiner Expedition in die Arktis in seinen Heimathafen nach Bremerhaven zurückgekehrt und bringt eine große Menge Daten zur Auswertung mit.

  • Der Polarstern kehrt nach Bremerhaven zurück.
  • Fast 400 Tage war das Forschungsschiff unterwegs – Rekordwert.
  • Die Expedition hat das Eis der Arktis erforscht.

Bremerhaven - Vor etwas mehr als einem Jahr sind sie vom norwegischen Tromsø aufgebrochen, um sich an einer Eisscholle in der Arktis festfrieren zu lassen. Dort blieb das Forschungsschiff Polarstern“ für zehn Monate und ließ sich angedockt durch das Wasser driften. Dadurch war die Mannschaft der „Polarstern“ in der Lage, den kompletten Eiszyklus vom Gefrieren bis zur Schmelze zu begleiten, zu messen und zu dokumentieren. Nun ist sie mit den gewonnenen Daten nach Bremerhaven zurückgekehrt. Die Vorbereitung der 389 Tage dauernden Reise nahm ein Jahrzehnt in Anspruch.

Forschungsschiff Polarstern nach einem Jahr Expedition in der Arktis zurück

Schon vor dem Start hatte Markus Rex vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI) und Leiter der Forschungsreise erklärt, dass es eine solche Expedition in vergleichbarer Form noch nicht gegeben habe. Am 20. September war das Schiff vom norwegischen Tromsø unter dem Expeditions-Titel Mosaic“ gestartet.

Name:Polarstern
Baubeginn:22. September 1981
Stapellauf:6. Januar 1982
Länge:118 m
Heimathafen:Bremerhaven

Eine der Besonderheiten ist es, dass die zentrale Arktis, zwischen Februar und Juni, nicht zugänglich ist. Das Eis ist in dieser Zeit zu dick. Die Eisscholle, an der die „Polarstern“ andockte war zu Beginn der Drift etwa 2,5 mal 3,5 Kilometer groß, im Kern mehrere Meter dick. Bevor sie mit einem Knall zerbrach, war sie in der sommerlichen Arktis auf eine Größe von etwa einem Kilometer geschrumpft. Insgesamt 3400 Kilometer driftete die „Polarstern“ im Zickzackkurs gemeinsam mit der Eisscholle.

Das Forschungsschiff „Polarstern“ kehrt durch die Wesermündung nach Bremerhaven zurück. Ein Jahr lang driftete das Schiff in der Arktis, um das Klimasystem zu erforschen.

Um mehr über den Klimawandel zu erfahren, ist es aber wichtig, auch Daten aus dieser Zeitspanne, in der die Region nicht zu erreichen ist, zu erhalten. Die „Polarstern“ hatte sich also frühzeitig auf den Weg gemacht, um sich schließlich vom Eis einschließen zu lassen. Das Vorhaben erklärt Rex mit der Arbeit an einer Uhr: Wer jeden Bestandteil dieser genau untersucht, könne am Ende eine Uhr nachbauen. „Wir wollen das Klimasystem nachbauen“, sagt er. Dafür sei es nötig gewesen, den Eiszyklus einer Scholle zu begleiten. Dass die Reise an sich möglich sei, erklärte Rex vorab, habe der Forscher Fridtjof Nansen mit seinem SegelschiffFram“ gezeigt. Vor 125 Jahren ließ sich der Norweger mit seinem Schiff ebenfalls im Eis einschließen und driften..

Markus Rex leitete die Forschungsreise in die Arktis, die wichtige Daten zum Klimawandel liefern sollte.

Einige Unterschiede zur Reise der „Fram“ gab es dann aber doch. Die „Polarstern“ wurde während ihres Aufenthalts von sechs anderen Eisbrechern und zwei Flugzeugen versorgt beziehungsweise für Messungen begleitet. Ein Wechsel der Forscher und Crew war auch in regelmäßigen Abständen vorgesehen. Beteiligt an der Expedition waren 70 Forschungsinstitute aus 20 Ländern mit mehr als 300 Forschern. Zum ersten Mal überhaupt konnten Wissenschaftler Informationen über den gesamten Eiszyklus sammeln. Die Absicht dahinter ist es, mit den Daten wichtige Erkenntnisse über das Nordpolarmeer, aber auch über den Klimawandel zu gewinnen. Kaum eine Region spürt letzteren so deutlich, wie die Arktis.

Forscherinnen und Forscher heben Datenschatz aus der Arktis

Die Forscherinnen und Forscher hätten einen einmaligen Datenschatz gehoben, „von dem noch Generationen nach uns profitieren werden“, sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) bei der Rückkehr des Schiffs in Bremerhaven. „So können wir Klimamodelle präzisieren und neu bewerten.“ Die Forschungsministerin bezeichnete die Arktis als Epizentrum des Klimawandels. Karliczek und die Direktorin des AWI, Antje Boetius, nahmen die Crew bei ihrer Rückkehr in der Bremerhavener Lloydwerft in Empfang.

Die letzten Seemeilen in der Außenweser bestritt das Forschungsschiff nicht alleine: Begleitet von einem Schiffskorso fuhr es in seinen Heimathafen ein, wo bereits zahlreiche Menschen warteten, um Schiff und Crew zu begrüßen. Die „Mosaic“-Expedition war die bisher teuerste und logistisch aufwendigste im Nordpolarmeer.  Rund 140 Millionen Euro Budget waren für die Expedition verfügbar. Sogar einen Rekord stellte die „Polarstern“ auf: Im Februar erreichte sie eine Position von 88°36‘ Nord. Damit war sie 156 Kilometer entfernt vom Nordpol. Kein Schiff zuvor war jemals im Winter so weit nördlich.

Das Forschungsschiff wird auch von vier Personen an einer Kaimauer mit blauen und roten Winkhänden zurück in Bremerhaven begrüßt.

Aber auch die einzigartige Reise blieb nicht von Problemen aufgrund der Corona-Pandemie verschont und stand kurzzeitig vor dem Abbruch. Aufgrund von Reisebeschränkungen hatte der Wechsel der Crew per Flugzeug nicht stattfinden können. Stattdessen waren zwei Forschungsschiffe mit der neuen Mannschaft von Bremerhaven nach Spitzbergen gefahren. Für den Austausch unterbrach die „Polarstern“ schließlich kurzzeitig ihre Drift. Auch wenn vor der Reise verschiedene Szenarien durchgespielt worden waren, wie mit Notfällen und Problemen umzugehen sei, hatte niemand das Coronavirus auf dem Schirm: „Das gesamte Logistikkonzept ist uns um die Ohren geflogen“, sagte Expeditionsleiter Rex im August.

Während der Expedition nahm das Team Messungen in Meerestiefen von bis zu 4,3 Kilometern vor, während es ein Wetterballon in eine Höhe von rund 36 Kilometern schaffte. Um Daten zu erhalten wurden rund 70 Tonnen Ausrüstung auf die Scholle gebracht. Darunter allein 5000 Meter Stromkabel. So konnten unter anderem mehr als 1000 Eisbohrkerne gewonnen werden.

Rubriklistenbild: © Mohssen Assanimoghaddam / picture alliance / dpa

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