Bremerhaven: Fassade des Erweiterungsbaus zeigt Porträts von Einwanderern

Mehr Platz fürs Auswandererhaus

Vor dem Erweiterungsbau des Bremerhavener Auswandererhauses: Alojzija Wilmes (l., 76) und Inge Behrmann (89). Beide sind vor langer Zeit eingewandert.
+
Vor dem Erweiterungsbau des Bremerhavener Auswandererhauses: Alojzija Wilmes (l., 76) und Inge Behrmann (89). Beide sind vor langer Zeit eingewandert.

Wer sind die Menschen, die nach Deutschland einwandern? Was bewegt sie? In Bremerhaven sind am Auswandererhaus nun Porträts von Zuwanderern zu sehen. Darunter ist etwa eine Frau, die eigentlich nur kurz hier arbeiten wollte – sie blieb nach einer privaten Enttäuschung.

Bremerhaven – Alojzija Wilmes war 24, als sie ihre Heimat im heutigen Slowenien verließ, um in Bremerhaven in der Fischindustrie zu arbeiten. Eigentlich wollte sie nur acht Monate bleiben. „Das erschien mir machbar“, erzählt die heute 76-Jährige.

Doch als sie unangemeldet von ihrem mehrmonatigen Arbeitseinsatz zurückkam, erwischte sie ihren Mann mit einer anderen Frau. Wütend kehrte sie nach Bremerhaven zurück – und blieb. Inzwischen ist sie mit einem Sauerländer verheiratet. Und nicht nur das: Ihr Porträt ist auf der Fassade des neuen Anbaus am Deutschen Auswandererhaus Bremerhaven in ihrer Wahl-Heimat verewigt.

Erweiterung des Auswandererhauses kostet 15 Millionen Euro

Das Museum vergrößert seine Dauerausstellung, und Alojzija Wilmes ist ein Teil davon. Am Sonnabend, 26. Juni, wird der 15 Millionen Euro teure Erweiterungsbau offiziell eröffnet. 31 Porträts von Einwanderern oder ihrer Nachfahren zieren als Reliefs die Außenhaut. Die Frauen und Männer stehen für die Stadt Bremerhaven, die historischer Auswanderungshafen war und Einwanderungsort ist. „Die Bundesrepublik ist eines der größten Einwanderungsländer in Europa“, sagt Museumsdirektorin Simone Blaschka. „Diese Geschichte und Gegenwart zu vermitteln, ist ein wichtiger Auftrag nicht nur der Schulen und Universitäten, sondern eben auch der Museen.“

Über Umwege in Bremerhaven gelandet

Auch das Porträt von Inge Behrmann ist an der Fassade verewigt. Sie wurde 1931 in Ostpreußen geboren. Als sie 13 war, wurde sie mit ihrer Familie vertrieben. „Ich fühle mich als Ausgewiesene, nicht als Flüchtling“, sagt sie. Über viele Umwege gelangte sie schließlich nach Bremerhaven. In der Seestadt lebt sie seit 73 Jahren, doch wenn man sie fragt, wo ihre Heimat ist, sagt sie: Ostpreußen. „Ich denke viel an meine Heimat, ich hatte eine schöne Kindheit.“ Über das was danach geschah, das Leid, die Krankheiten, der Hunger – darüber habe sie lange Jahre nicht sprechen können.

Die Biographien von Inge Behrmann und Alojzija Wilmes zeigen, wie unterschiedlich Einwanderungsgeschichten sind. Wilmes fährt heute noch so oft wie möglich in ihren alten Heimatort. „Ich fahre dann nach Hause. Wenn ich von dort wegfahre, fahre ich auch nach Hause“, sagt sie. Ganz normalen Menschen optisch und inhaltlich einen Ort zu geben, sei das Ziel des Museums, sagt Architekt Andreas Heller: „Ein Gebäude zum Nachdenken, das war uns wichtig.“

Ursprünglich befasste sich das 2005 eröffnete Museum lediglich mit den Ursachen der Auswanderung von über sieben Millionen Menschen, die über Bremerhaven in die Neue Welt zogen. Das Gebäude steht an dem Kai, von dem einst Schiffe in Richtung Übersee ablegten. Als vor neun Jahren der erste Erweiterungsbau dazu kam, wurde damit begonnen, auch die 300 Jahre alte deutsche Einwanderungsgeschichte zu erzählen. Aus dem Auswandererhaus wurde ein Migrationsmuseum.

Auswandererhaus Bremerhaven: Eines der meistbesuchten Museen Deutschlands

Nach Angaben des Berliner Instituts für Museumsforschung zählt es zu den meistbesuchten Museen Deutschlands. Mehr als 2,75 Millionen Menschen kamen seit Eröffnung, nicht wenige aus dem Ausland, um Ahnenforschung zu betreiben. In der neuen Dauerausstellung sollen vor allem Einwanderer und Einwanderinnen wie Alojzija Wilmes und Inge Behrmann zu Wort kommen. „Einige der Porträtierten haben uns einzigartige Objekte für die Museumssammlung zur Verfügung gestellt“, erzählt Direktorin Blaschka.

Auch Alojzija Wilmes hat sich von Gegenständen getrennt: Neben einem Schrieb des slowenischen Arbeitsamtes und einer alten Kaffeekanne schenkte sie dem Museum den Koffer, mit dem sie damals von Slowenien nach Bremerhaven gekommen ist. „Von meiner Oma habe ich den gekriegt.“ (Janet Binder/dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Alle Corona-Regeln missachtet – Polizei schließt Lokal in Bremen

Alle Corona-Regeln missachtet – Polizei schließt Lokal in Bremen

Alle Corona-Regeln missachtet – Polizei schließt Lokal in Bremen
Bremen lockert Corona-Regeln: Das gilt ab dem 2. August

Bremen lockert Corona-Regeln: Das gilt ab dem 2. August

Bremen lockert Corona-Regeln: Das gilt ab dem 2. August
Bremer Genossenschaft „Karl“ wird Bauherr

Bremer Genossenschaft „Karl“ wird Bauherr

Bremer Genossenschaft „Karl“ wird Bauherr
Bremer Schwimmer Wellbrock gewinnt Olympia-Bronze

Bremer Schwimmer Wellbrock gewinnt Olympia-Bronze

Bremer Schwimmer Wellbrock gewinnt Olympia-Bronze

Kommentare