Bremenports und DLR bereiten Abwracken vor

Ölleck auf der „Seute Deern“: Neuer Ärger um marodes Segelschiff

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Die „Seekatze“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt vermisst den Museumshafen rund um die marode „Seute Deern“.

Bremerhaven – Die marode „Seute Deern“, derzeit noch größtes Schiff im Bremerhavener Museumshafen, liegt ruhig im Wasser und sieht ihrem baldigen Abwracken entgegen. Die Hafengesellschaft Bremenports koordiniert den Rückbau des Dreimasters. Währenddessen ist es zu einem Ölleck gekommen.

Update vom 15. November: Die „Seute Deern“ erhält überraschend eine neue Zukunft. Das Schiff soll neu aufgebaut werden - mit vielen Teilen des aktuellen Seglers und vollständig finanziert durch den Bund. 

Update vom 13. November: Aus einem Dieselaggregat auf dem Oberdeck des maroden Bremerhavener Museumsschiffs „Seute Deern“ ist Kraftstoff ausgelaufen. Wie die Feuerwehr am Mittwoch mitteilte, bildete sich im Alten Hafen ein rund 200 Meter langer und etwa drei Meter breiter Ölteppich. Die Einsatzkräfte verhinderten eine weitere Ausbreitung. 

Das defekte Dieselaggregat war eines von mehreren Geräten, mit denen Pumpen betrieben werden. Sie pumpen Wasser aus dem Rumpf heraus, damit das Schiff schwimmt. Das defekte Gerät wurde außer Betrieb genommen und soll ersetzt werden. „Der Pumpeneinsatz war jederzeit gewährleistet“, sagte ein Feuerwehrsprecher.

Originalartikel vom 5. November: Die „Seute Deern“ soll direkt im Hafen demontiert werden, weil das Schiff nicht mehr sicher in ein Dock transportiert werden kann. Ein vom Deutschen Schifffahrtsmuseum Bremerhaven (DSM) in Auftrag gegebenes Gutachten hat dem „Wahrzeichen der Seestadt“ einen „konstruktiven Totalschaden“ bescheinigt, nachdem es Ende August auf den Grund des Museumshafens gesunken war. Eine Sanierung wäre einem Neubau gleichgekommen.

Fürs Abwracken hat Bremenports das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ins Boot geholt. Das DLR ist mit seiner „Seekatze“ – einem 3,50 Meter langen, autonomen U-Boot – vor Ort, um ein Tiefenprofil, ein sonarbasiertes 3D-Lagebild des Hafenbeckens zu erstellen. Dr. David Heuskin, Leiter der Gruppe Technologieerprobungssysteme am DLR-Institut für den Schutz maritimer Infrastrukturen, sagt, dass für die Erstellung des Lageprofils zwei Messsysteme verwendet werden. „Wir messen über Wasser, unter Wasser und aus der Luft.“

Die Wissenschaftler holen per Kran das U-Boot zurück an Land.

Das ferngesteuerte U-Boot sei mit einem Fächer-Echolot ausgestattet, mit dessen Hilfe eine dreidimensionale Punktewolke vom Hafenbecken erstellt werde. Zusätzlich mache eine Drohne Fotoaufnahmen aus der Luft. „Die aufgezeichneten Daten der beiden Systeme werden im Anschluss zusammengeführt“, ergänzt Heuskin. Der Ingenieur betont: „Wir helfen Bremenports und generieren zugleich wichtige Messdaten für die Wissenschaft.“ So sollen zukünftig mit der DLR-Technik komplexe Szenarien des Über- und Unterwasserbereiches überwacht werden. Der Schutz von Häfen, die Beobachtung von komplexen Offshore-Anlagen und Unterwasserinstallationen sollen so verbessert werden.

DSM-Direktorin Sunhild Kleingärtner hat unterdessen angekündigt, vor dem Abwracken wichtige Objekte wie die Galionsfigur oder das Steuerrad von Bord zu sichern. „So bleibt wenigstens ein Teil der 100 Jahre alten Bark erhalten.“ Der 1919 in den USA gebaute Dreimaster, der auch als Restaurant genutzt wurde, liegt seit 1966 im Hafenbecken von Bremerhaven. Das als Wahrzeichen geltende Schiff wurde nach der Havarie im Spätsommer zwar gehoben. Der unter Denkmalschutz stehende Segler schwimmt seitdem nur mit Hilfe leistungsstarker Pumpen, jeden Tag werden 4 800 Kubikmeter Wasser aus dem Schiff geholt.

Das Schiff war auch schon vor der Havarie ein Sorgenkind: Der Bund, das Bundesland Bremen und die Stadt Bremerhaven hatten für eine Sanierung mehr als 30 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Der Holzrumpf war von Anbeginn anfällig für Fäulnis, Wurmfraß und Muschelbefall, durch Spalten drang ständig Wasser ein. Im Februar hatte auch noch ein Feuer den Holzsegler schwer beschädigt.  je/dpa

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