Verhüllung

Bremer Wissen für Pariser Triumphbogen

Arbeiten am Triumphbogen in Paris: 3 500 Meter rotes Seil für das posthume Werk von Christo und Jeanne-Claude kommen von der Firma „Gleistein Ropes“ aus Bremen.
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Arbeiten am Triumphbogen in Paris: 3 500 Meter rotes Seil für das posthume Werk von Christo und Jeanne-Claude kommen von der Firma „Gleistein Ropes“ aus Bremen.

Was haben die verstorbenen Künstler Christo und Jeanne-Claude, der Pariser Triumphbogen und Bremen miteinander zu tun? Nun, so einiges.

Bremen – Christos und Jeanne-Claudes posthum umgesetztes Verhüllungswerk in Paris wird gerade abgebaut. Er wird wieder enthüllt, der Triumphbogen. Bis zum 10. November wird das dauern. Auch Klaus Walther, Geschäftsführer von „Gleistein Ropes“ mit Hauptsitz in Blumenthal, war in Paris. Denn: Das Tauwerk hat die Seile für die spektakuläre Verhüllung geliefert.

Planung und Konzeption wurden in Bremen gemacht, die Seile im Tochterwerk im slowakischen Trencín produziert. „Rechtlich ist eine Umhüllung ein Gebäude um ein Gebäude“, sagt Walther (58). Feuerschutzrichtlinien müssen eingehalten werden. Auch nicht einfach: die Form. „Es gibt viele Statuen am Triumphbogen“, so der Chef. Diese wurden mit Käfigen geschützt. Der Stoff vereinfachte die Oberfläche und vergrößerte die Konturen. Am Stoff träten hohe Windlasten auf, es gebe nur wenige Befestigungspunkte. Man müsse die ganze Zeit wissen, wie sich das Seil verhalte. Dazu gehöre auch die Reaktion auf unterschiedliche Witterungen, also Temperaturschwankungen, Regen, Sonne.

„Christo und Jeanne-Claude haben alles geplant. Wie läuft welches Seil? Wie soll der Faltenwurf aussehen?“, sagt der 58-Jährige. Die Künstler Christo und Jeanne-Claude hätten bereits 1961 die Idee zur Verhüllung des Triumphbogens gehabt, 1962 mit dem Projekt angefangen. Christo starb im vergangenen Jahr, seine Frau Jeanne-Claude 2009.

Ein dickes Hauptschleppseil für den Hafenbereich kommt aus der Flechtmaschine auf eine Rolle. Davor die beiden Gleistein-Geschäftsführer Klaus Walther (links) und Thomas Schlätzer.

Schon 1995 unterstützte Gleistein die Verhüllung des Reichstages in Berlin durch Christo und Jeanne-Claude. Während 3 500 Meter rotes Seil aus Polypropylen zum Triumphbogen geliefert wurden, kamen am Reichstag 16 800 Meter aus dem gleichen Material, aber in blauer Farbe zum Einsatz.

So kam es damals zum Kontakt mit dem Künstler. „Es gab eine Anfrage über verschiedene Händler“, sagt Walther. „Alles widersprach sich. Nichts machte Sinn.“ Dennoch versuchte das Unternehmen sein Glück, kam über die Reichstags-Verhüllungs-Gesellschaft an Wolfgang Volz, Fotograf von Christo. „Wir waren die ersten, die sich mit denen technisch auseinandergesetzt haben“, sagt der Gleistein-Geschäftsführer. „Wir haben 480 Seilstücke hergestellt, keines wie das andere“, sagt Walther. Diese seien auf einen Lkw geladen und rund um den Reichstag an den benötigten Stellen abgeladen worden.

Seile von Bremer Unternehmen auch für den „Vendée Globe“

Das Unternehmen stellt auch Seile für weitere nicht alltägliche Anwendungen her, so etwa für den professionellen Segelsport. Mit Gleistein-Seilen holte Anne-Marie Rindom für Dänemark in der Jollen-Klasse „Laser Radial“ Gold bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio. Das Unternehmen stattet das dänische Olympia-Nationalteam aus.

Bei der außergewöhnlichen „Vendée Globe“, der Non-Stop-Regatta für Einhandsegler rund um den Globus, fuhr der britische Skipper Alex Thomson mit Seilen des Bremer Unternehmens. 2017 wurde er Zweiter. Seit 2014 stattet „Gleistein Ropes“ Thomsons Yacht mit Regatta- Seilen aus.

Worauf kommt es bei Seilen im Segelsport an? „Man muss sie gut anfassen können“, sagt Klaus Walther. Es zählen hohe Festigkeit und eine geringe Dehnbarkeit. Als Material werde hochmodulares Polyethylen verwendet. Die Fasern hochmodularer Seile bestehen aus längeren Molekülketten, erklärt Walther. Zudem seien diese zu 90 Prozent in Verlaufsrichtung der Faser ausgerichtet, mehr als bei anderen Seilen.

Hochmodulare Seile werden zudem zum Festmachen auch von sehr großen Schiffen verwendet, so bei Kreuzlinern. Die Bremer beliefern beispielsweise „Aida“. „Alles hochmodular, weil die Schiffe immer größer werden.“ Diese Seile sind dünner und leichter als konventionelle Seile in diesem Bereich. Sie hielten bis zu zehn Jahre statt zwölf bis 18 Monate.

Seile im Bereich Stunt und Theater müssen sehr dünn sein. So dünn, dass sie für Zuschauer unsichtbar sind. Diese Seile dienen dem Heben von Schauspielern und Requisiten und lassen Stuntmänner (und -frauen) kontrolliert durch Luft fliegen. Im Theaterbereich kann ein acht Millimeter starkes Seil eine Person heben.

Seile von „Gleistein Ropes“ werden eingesetzt, wo einiges los ist, sie müssen also absolut sicher sein. Hendrik Borchardt arbeitet in einem großen Testlabor am Firmensitz in Blumenthal. Hier stehen zwei Reißanlagen. Ihre Zugkräfte: 30 Tonnen und 300 Tonnen. Letzteres entspricht dem Gewicht von 150 SUVs, sagt Klaus Walther. Beim Prüfbetrieb zieht sich Borchardt hinter Sicherheitsglas in ein Büro zurück. 1 000 Seile werden hier im Jahr getestet.

Gleistein: 250 Mitarbeiter

„Gleistein Ropes“ wurde 1824 gegründet. Aktuell ist Klaus Walther zusammen mit Thomas Schlätzer Geschäftsführer in achter Generation. In Bremen-Nord sind 115 Mitarbeiter beschäftigt, im 1997 eröffneten Standort im slowakischen Trencín 130. Dazu kommen fünf Mitarbeiter für den Vertrieb in verschiedenen Ländern. Das Unternehmen zog Ende der 70er aus der Georg-Gleistein-Straße in Vegesack auf Initiative der Stadt an den heutigen Standort in Blumenthal (Heidlerchenstraße 7). 5 500 verschiedene Produkte bietet das Unternehmen an. Das dünnste Seil hat einen Durchmesser von 0,4 Millimetern, das dickste einen von 250 Millimetern. Gleistein agiert in den Geschäftsfeldern Geo-Yacht (Wassersport), Geo-Marine (Berufsschifffahrt), Geo-Professional (Industrie und Gewerbe) sowie Geo-Lift (Seile zum Heben).

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