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Bremer Wahrzeichen: „Umgedrehte Kommode“ wird Event-Location

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Von: Thomas Kuzaj

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Die „Umgedrehte Kommode“ auf dem Stadtwerder, ein Wahrzeichen an der Weser, wird jetzt zur Event-Location auf Zeit.
Die „Umgedrehte Kommode“ auf dem Stadtwerder, ein Wahrzeichen an der Weser, wird jetzt zur Event-Location auf Zeit. © Kuzaj

Bremen – Ein Wahrzeichen an der Weser wird wiederbelebt. Neues Leben soll einziehen in die „Umgedrehte Kommode“ auf dem Stadtwerder. Wenigstens temporär soll das weithin sichtbare historische Bauwerk nun als „Location für Events und genussvolle kulinarische Momente“ dienen, wie die Organisatoren es formulieren. Los geht‘s, so die Auskunft, im Mai.

Erst im September vorigen Jahres hatte die Bremer Eventagentur „Joke“ die Veranstaltungshalle „Alte Werft“ in der Überseestadt eröffnet – die frühere Halle der Atlas-Werke, zuletzt von der „Kellogg“-Logistik genutzt, wurde auf einer Fläche von 3 500 Quadratmetern in Bremens größte vollmöblierte Eventlocation verwandelt. Nun nimmt das „Joke“-Team um die Vorstände Christian Seidenstücker und Peter Melms sich der „Umgedrehten Kommode“ an. Das neoklassizistische Wasserwerk – ein mächtiger Bau mit vier Ecktürmen, die wie Füße eines umgedrehten Möbelstücks wirken – wurde ab 1871 nach Entwürfen des Bremer Architekten Johann Georg Poppe (1837 bis 1915) errichtet.

Poppe war im ausklingenden 19. Jahrhundert so etwas wie der Star-Architekt des bremischen Bürgertums. Wer als Bremer im frisch geschaffenen Kaiserreich durch Architektur repräsentieren wollte, ging zu ihm. Und bekam Historismus, Prunk, üppige Dekoration. Von Poppe stammen etliche Villen und Landhäuser in Oberneuland und Horn, die Baumwollbörse in der Innenstadt und das opulente Ratsgestühl in der Oberen Rathaushalle. Die Villa Ichon am Goetheplatz 4, 1871/72 errichtet, gilt als der erste Bau, mit dem Poppe das wohlhabende Bürgertum auf sich aufmerksam machte. Und aus eben diesen Jahren stammt auch sein Wasserturm auf dem Stadtwerder, die „Umgedrehte Kommode“.

Party mit Patina: Feiern im historischen Bremer Wasserturm

Das 47 Meter hohe Bauwerk steht seit 1978 unter Denkmalschutz. Der Betrieb als Wasserwerk mit den Dampfmaschinen und Pumpsystemen wurde 1983 aufgegeben. Bis 2008 wurde die „Umgedrehte Kommode“ als Wasserspeicher für die Brauerei Beck & Co. genutzt. Zum Schluss wurden die restlichen 800.000 Liter aus dem Tank ins Trinkwassernetz abgelassen. Rund um den Wasserturm entstand auf dem Stadtwerder ein neues Wohngebiet. In der „Umgedrehten Kommode“ gab es kulturelle Zwischennutzungen – Ausstellungen, Theaterprojekte.

So soll‘s werden: Die „Kathedrale“ im Erdgeschoss der „Umgedrehten Kommode“ gilt als Herzstück des Event-Location-Projekts.
So soll‘s werden: Die „Kathedrale“ im Erdgeschoss der „Umgedrehten Kommode“ gilt als Herzstück des Event-Location-Projekts. © Joke Event AG

Nun beginnt eine Phase als „Pop-up Location“ für private und geschäftliche Veranstaltungen, wie eine Joke-Sprecherin formuliert. Allerdings in einem gewissen Rahmen. „Wegen der kulturellen und historischen Bedeutung des Gebäudes ist eine sensible und würdige Nutzung Voraussetzung. Partys, laute Geburtstage, Kohlfahrten und sonstige ähnliche Veranstaltungsformate sind in der ,Umgedrehten Kommode‘ ausgeschlossen“, heißt es auf einer Website zum Projekt.

„Wichtiger positiver Impuls für Bremens Event-Szene“

Als Herzstück der Location gilt die „Kathedrale“ im Erdgeschoss – mit zehn Meter hoher Gewölbedecke und großen Glasfenstern. „Auf 250 Quadratmetern entsteht hier eine Mischung aus Bar, Bistro und Lounge inklusive offener Küche. Die Fläche ist für Veranstaltungen bis zu 100 Personen buchbar und kann unkompliziert mit wenigen Umbauten auch für Tagungen, Workshops oder Vorträge genutzt werden“, so die Sprecherin. Und verweist auf die „historische Aura“, sprich: den authentischen Charme des Gebäudeinneren. „Die 150 Jahre alte Patina auf Wänden, Türen und Armaturen erzählt Geschichten von vergangenen Zeiten.“

Die „Joke Event AG“ mit Hauptsitz in Findorff wurde 1992 gegründet, vor 30 Jahren also. Die „Alte Werft“ auf der Überseeinsel gilt dem Unternehmen als „wichtiger positiver Impuls für Bremens Event-Szene nach dem Auf und Ab der Corona-Zeit“ – mit dem Projekt „Umgedrehte Kommode“ soll dies nun fortgeschrieben werden. Auf dem Stadtwerder allerdings eben nur auf Zeit. Bis wann denn eigentlich? Antwort der Sprecherin: „Die Nutzung der ,Umgedrehten Kommode‘ als temporäre Event-Location ist aktuell bis Ende des Jahres geplant.“

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