Bremen ist eine Salafisten-Hochburg:

Bremer Verfassungsschutz will Salafisten deradikalisieren

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Hans-Joachim von Wachter, Leiter des Bremer Verfassungsschutzes. In Bremen will sich der Verfassungsschutz verstärkt um Rückkehrer aus Syrien kümmern.

Bremen - Janet Binder. Bremen hat eine Vorreiterrolle in der Beratung von Angehörigen junger Menschen, die sich dem islamischen Extremismus zuwenden. Nun geht der Stadtstaat noch einen Schritt weiter: Er will Rückkehrer aus den syrischen Kampfgebieten deradikalisieren.

Bremen ist eine Salafisten-Hochburg: 360 Menschen hat der Verfassungsschutz auf seiner Liste. Doch die Zahl ist in den letzten drei Jahren kaum gestiegen, während sie sich bundesweit auf 6000 verdoppelt hat. Das führt der Bremer Verfassungsschutzchef Hans-Joachim von Wachter im dpa-Interview auch auf die erfolgreiche Präventionsarbeit im Stadtstaat zurück. In einem neuen Projekt sollen künftig zudem Syrien-Rückkehrer deradikalisiert werden.

Frage: Im Gegensatz zu anderen Bundesländern ist die Salafistenszene in Bremen nur minimal gewachsen. Worauf führen Sie das zurück? 

Antwort: Neben der Verfassungsschutzarbeit hat man in Bremen relativ früh mit der Prävention angefangen. Dafür waren auch wir der Motor. Seit Ende 2012 gibt es in Bremen die Beratungsstelle „Kitab“, finanziert vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Bremen war damit das zweite Bundesland nach Nordrhein-Westfalen. Immer noch gibt es kaum mehr Beratungsstellen bundesweit. Deshalb war Kitab zuletzt für den ganzen norddeutschen Raum tätig. Und auch die muslimischen Verbände machen in Bremen Präventionsarbeit.

Frage: Wie sieht die Arbeit von Kitab aus? 

Antwort: Es melden sich dort Angehörige und Lehrer. Eben alle, die Beratungsbedarf darüber haben, wie man mit Kindern umgeht, die sich radikalisieren. Auch zu den jungen Männern und Jugendlichen selbst gibt es Kontakt. Inzwischen haben wir erkannt, dass es zwei Gruppen gibt, um die man sich kümmern muss. Bremen ist deshalb dabei, ein zweites Konzept aufzulegen, um sich auch um den Bereich der Deradikalisierung zu kümmern. Dafür wurden kurzfristig EU-Mittel bereitgestellt. Wir sind dazu intensiv und ressortübergreifend in Verhandlungen, auch die muslimischen Verbände sind eingebunden. Wir brauchen aber noch einen Träger vor Ort.

Frage: Welches Ziel hat das neue Projekt? 

Antwort: Ziel ist es, nicht nur über Kitab Präventionsarbeit anzubieten für diejenigen, die auf die schiefe Bahn geraten, sondern auch ein Betreuungsprogramm für Rückkehrer. Insgesamt sind von Bremen aus 16 Menschen Richtung Syrien ausgereist. Vier von ihnen sind bereits zurückgekehrt. Bundesweit gibt es 180 Rückkehrer. Der Bedarf ist da.

Frage: Wann rechnen Sie mit dem Start? 

Antwort: Ich hoffe bald. Aber es ist noch nichts entschieden. Das muss letztlich der Senat machen.

ZUR PERSON: Hans-Joachim von Wachter (49) leitet seit sieben Jahren das Bremer Landesamt für Verfassungsschutz. Zuvor war der Jurist Leiter der Steuerfahndungsstelle Bremen.

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