Bremer Verein „Mariposa“ engagiert sich in Guatemala / Feier im „Noon“

Hilfreiche Flügelschläge

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Eine Maya-Zeremonie zur Einweihung des Senders.

Bremen - Von Jörg Esser. Die Flügelschläge eines Bremer Schmetterlings haben im Hochland von Guatemala längst Großes bewirkt. Seit 15 Jahren gibt es den Verein „Mariposa“ (spanisch für Schmetterling). Und das wird morgen, Sonntag, gefeiert – mit einem guatemaltekischen Nachmittag im „Noon“, im Foyer des Kleinen Hauses am Goetheplatz. Beginn ist um 13.30 Uhr, Festrednerin ist Professorin Annelie Keil.

Im Jahr 2000 hat die Bremerin Christine Dittmer den Verein „Mariposa“ gegründet. Der Schmetterling hat es sich zur Aufgabe gemacht, gezielt Einrichtungen in Guatemala finanziell, materiell und humanitär zu unterstützen. Ziel sei es, Bildung und Meinungsfreiheit in dem mittelamerikanischen Staat zu fördern, sagt Dittmer. „Mariposa“ leistet Hilfe zur Selbsthilfe, vermittelt Freiwillige für den Einsatz in den Einrichtungen, vernetzt Unterstützer und sammelt Spenden. Mehr als eine halbe Million Euro sind bislang zusammengekommen. 85 Prozent flossen in Bildungsprojekte, 15 Prozent in die politische Meinungsbildung.

So hat der kleine Bremer Verein in Jocotenango im Hochland Guatemalas eine Tagesstätte für 100 bis 150Kinder aus extremer Armut finanziert. Kindergarten, Vorschule, Hort runden das Angebot mittlerweile ab. Der Verein sorgt für Ernährungsprogramme und einen Mittagstisch, hilft bei den Hausaufgaben und der medizinischen Versorgung, finanziert Lehrergehälter, zahlt Schulmaterialien. Ein Rundum-Paket sozusagen.

Und „Mariposa“ hat den politischen Radiosender „Mujb Ab‘l Yol“ („Treffpunkt der Meinungen“) unterstützt und geholfen, ihn zu einem Organ der Freiheit aufzubauen. „Mujb Ab‘l Yol“ ist aus der mobilen Radiostation im Bürgerkrieg („Voz Popular“) entstanden. Damals haben Guerilleros mit ihrer kleinen Radiostation illegal und immer auf der Flucht vor dem Militär am Hang des Vulkans Tajumulco und am Vulkan Chicabal gesendet. Das Gesicht, der Kopf des Senders, ist Alberto Recinos, kurz: Tino.

Jener Tino musste als Zehnjähriger dabei zusehen, wie sein Vater umgebracht wurde. Er und seine Familie flohen nach Mexiko. Tino entschied sich kurze Zeit darauf, nach Guatemala zurückzukehren, um im Untergrund gegen die Zustände im Land aktiv mitzumachen – um den Tod seines Vaters zu verarbeiten, zu rächen, zu verstehen.

Er blieb 16 Jahre lang im Untergrund, wurde im Laufe der Jahre oft bedroht und zusammengeschlagen. Doch er machte weiter und organisierte die landesweite Vernetzung von illegalen Hochlandsendern. Tino sei „unwahrscheinlich tapfer und mutig“, sagt Dittmer, „er hat wahnsinnig viel auf die Beine gestellt“. Und dabei hat „Mariposa“ geholfen. Der Verein hat Tino ein Gehalt bezahlt. Seit 2013 funkt „Mujb Ab‘l Yol“ aus einem festen Gebäude mit großen Sendesaal, Mensa und Büros. Der Bremer Verein hat das Land zur Hälfte bezahlt und sich am Bau beteiligt. „Mujb Ab‘l Yol“ organisiert heute Workshops für Radiosprecher der anderen 28Sender. Tino habe bei der Einweihung Tränen in den Augen gehabt, sagt Dittmer.

2014 wurde Alberto Recinos nach New York eingeladen – von der UN. Tino sprach dort über Meinungsfreiheit in Guatemala. „Ein wahnsinniger Erfolg“, sagt Christine Dittmer. „Man wird gehört, heute.“

www.mariposa-ev.de

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