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Bremer Traditionspflege: Schaffer ohne Schaffermahlzeit

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Von: Thomas Kuzaj

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In diesem Jahr abgesagt: Schaffermahlzeit in der Oberen Rathaushalle.
In diesem Jahr abgesagt: Schaffermahlzeit in der Oberen Rathaushalle. © dpa/Schuldt

Bremen – Am 11. Februar wäre es wieder so weit gewesen – zweiter Freitag im Februar: Schaffermahlzeit. Doch erneut fällt die Bremer Traditionszusammenkunft im Rathaus pandemiebedingt aus. Keine Tafel in Form von Neptuns Dreizack, keine 100 Kapitäne, 100 Kaufleute und 100 auswärtigen Gäste.

Schon am 17. Dezember vergangenen Jahres war sie abgesagt worden, die 478. Schaffermahlzeit. Die ebenso traditionelle Generalversammlung der Stiftung Haus Seefahrt (die das Fest ausrichtet) – zeitlich stets vor der Schaffermahlzeit – hat es in dieser Woche dennoch gegeben. Allerdings pandemiekonform, sprich: hybrid als Präsenz- und Videoveranstaltung. Wie schon im vergangenen Jahr. . .

Im Haus Schütting, dem Sitz der Handelskammer, kamen die Vorsteher, der Verwaltende Kapitän, der Sprecher der 22 Ältesten (Kapitäne) sowie die Schafferinnen und Schaffer der Jahre 2022, 2023 und 2024 zusammen. Ebenfalls dabei: Handelskammer-Präses Eduard Dubbers-Albrecht. 77 Mitglieder hatten sich online zugeschaltet, zwei mehr als bei der Hybrid-Premiere im vorigen Jahr.

Ein klassisches Thema: Personalien. Als kaufmännische Schaffer sollten der Investor Dr. Christian Jacobs („Balge-Quartier“), Johann Smidt (Joh. Gottfr. Schütte GmbH & Co. KG) und Cornelius Strangemann (Kaufhaus Lestra in Horn) ursprünglich die Schaffermahlzeit 2021 organisieren und bezahlen. Nach der 21er-Absage sollten sie es in diesem Jahr machen. Mit der, so die Formulierung, „vergeblichen Vorbereitung“ zweier Schaffermahlzeiten haben Jacobs, Smidt und Strangemann nun „das Recht erworben, bei den zukünftigen Schaffermahlzeiten als kaufmännische Mitglieder teilzunehmen und jeweils selber einen Gast vorzuschlagen“.

2023 und 2024: Frauen unter den Ausrichtern

Die ursprünglich für 2022 gewählten Schaffer kommen – das stand bereits fest – 2023 an der Reihe: Unternehmerin Janina Marahrens-Hashagen (Schilderwerk Marahrens), Immobilienexperte Jens Lütjen (Robert C. Spies KG) und Dr. Christoph Klosterkemper (Atermann, König & Pavenstedt Versicherungsmakler). 2023 also gibt es die Premiere mit einer Frau als kaufmännischer Schafferin.

Neu gewählt wurden jetzt die kaufmännischen Schaffer für 2024 – und wieder ist eine Frau mit von der Partie. Das 24er-Schaffertrio bilden: Philip Herwig (Röhlig Logistics – See- und Luftfracht, Projekt- und Kontraktlogistik), Dr. Heidi Armbruster-Domeyer (Domeyer – Brandschutz- und Sicherheitstechnik für Feuerwehren, Rettungsdienste und Schifffahrt) sowie Bremens „Unternehmer des Jahres“ Jan-Oliver Buhlmann (Buhlmann-Gruppe – international aktives Handelshaus für Stahlrohre, Rohrzubehör und Rohrverbindungsteile).

Tischdekoration mit Silber und Floristik.
Tischdekoration mit Silber und Floristik. © Kuzaj

37 Bewohner leben auf dem Seefahrtshof in Bremen-Grohn

In der Generalversammlung berichtete der Verwaltende Kapitän, der frühere Hafenkapitän Andreas Mai, dass Haus Seefahrt gegenwärtig 96 Witwen betreut, von denen die Bedürftigen eine monatliche finanzielle Unterstützung erhalten. In den Wohnungen auf dem Seefahrtshof in Bremen-Grohn leben aktuell acht Ehepaare, 16 Alleinstehende und fünf Nautikstudenten, zusammen also 37 Personen. Zudem bekommen neun Studentinnen und Studenten der Nautik ein monatliches Fördergeld, hieß es bei der Stiftung weiter. Vorsteher Henry Lamotte berichtete unterdessen über die Rechnungslegung der Stiftung – und dankte den kaufmännischen und seemännischen Mitgliedern für die im vergangenen Jahr geleisteten Spenden, die die Erfüllung der Aufgaben der Stiftung ermöglichen.

Ingo Kramer, der Verwaltende Vorsteher, hielt die traditionelle Rede zur wirtschaftlichen Lage – in der (natürlich) Corona ein Thema war. Die Bewältigung der wirtschaftlichen Folgewirkungen der Pandemie ziehe sich mehr als anfangs angenommen in die Länge. Und: Er habe sich in seinen „schlimmsten Träumen nicht vorstellen können“, dass „bis heute tatsächlich circa 25 Prozent der Deutschen die Impfung kategorisch ablehnen würden“, so Kramer, der bis 2020 Arbeitgeberpräsident war. Und weiter: „Der unerwartete Widerstand gegen das Impfangebot der Medizinforschung scheint mir im Gleichklang zu schwingen mit anderen wissenschafts- und technikfeindlichen Bewegungen in unserer Gesellschaft in Deutschland.“

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