Der Bremer Tobias Meyer fertigt im Ein-Mann-Betrieb Fahrräder aus Bambus

Leicht, elastisch, zäh

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Ein weicheres Fahrgefühl: Tobias Meyer stellt Bambus-Bikes her. Das Material hat eine flexible Widerstandsfähigkeit und dämpft Vibrationen und Stöße ab.

Bremen - Von Melanie Öhlenbach. Stahl, Aluminium oder Karbon sind in der Regel das Material, aus dem Radlerträume gemacht sind. Tobias Meyer jedoch lebt einen anderen Traum: Der Bremer fertigt Räder aus Bambus. Sie sollen dadurch nicht nur äußerst stabil sein, sondern auch ein sicheres Fahrgefühl bieten.

Die Entstehung des Ein-Mann-Betriebs „Faserwerk“ geht auf eine junge Dame zurück. „All das“, sagt Tobias Meyer, „habe ich meiner Tochter zu verdanken.“ Emma war ein halbes Jahr alt, als ihr Vater 2009 auf die Idee kam, ein Kinderlaufrad zu bauen. Allerdings nicht aus Holz, sondern aus Bambus. Ein Material, das hierzulande meist nur in Form von Sprossen mit asiatischer Küche in Verbindung gebracht wird.

Dabei ist Bambus nicht gleich Bambus: Etwa 1 000 bis 1 500 Arten gibt es. Aus Bambus werden Matten, Jalousien, Körbe oder Tische gefertigt. Aus den hohlen Rohren entstehen Musikinstrumente wie Flöten oder Rasseln. Auch beim Bau greift man auf das „Holz der armen Leute“ zurück: Der schnell nachwachsende Rohstoff ist leicht, elastisch und gilt als äußerst zäh, so dass Zäune und sogar Brücken und Häuser daraus gebaut werden. „Bambus ist ein extrem widerstandsfähiges, natürliches Material“, schwärmt Meyer. „Er besitzt eine höhere Zugfestigkeit als Stahl.“

Auch wenn der gelernte 3D-Grafiker heute die Eigenschaften von Bambus lobt, wollte er damals den Werkstoff für das Laufrad seiner Tochter erst einmal testen. Und zwar am eigenen Leib. Beim Fundamt kaufte er ein Herrenrad, aus dem Baumarkt besorgte er sich Material wie Kunstharz und Flachs. In einer Garage machte er sich ans Werk – ohne wirklich Ahnung zu haben, wie man ein Fahrrad baut. Dafür aber mit handwerklichem Geschick und Pioniergeist: Er zersägte den Drahtesel, baute sich eine Rahmenlehre und tüftelte so lange, bis das Rad fertig war. Die Probefahrt führte ihn zum Osterdeich an die Weser, an dem seine Werkstatt auch heute noch liegt. Ohne groß nachzudenken, sei er den Deich hinunter zum Wasser geschossen, erinnert sich der 43-Jährige. „Wenn das Rad bricht, dann wenigstens unter Belastung.“ Doch die Konstruktion hielt – und schon nach wenigen Metern war sein Erbauer dem Fahrgefühl erlegen, das er noch Jahre später nur schwer in Worte fassen kann.

Das Besondere am Bambus-Bike sei die flexible Widerstandsfähigkeit des Rahmens, sagt Tobias Meyer. Die Fasern dämpfen die Vibrationen und Stöße, es fahre sich viel „weicher“ als ein Rad aus Stahl. Gleichzeitig soll es besonders unfallsicher sein: Im Gegensatz zu Metall splittere Bambus höchstens. Sollte das passieren, könnte man das gebrochene Rohr einfach austauschen. Erfunden hat Meyer das Bambus-Rad allerdings nicht. Schon Ende des 19. Jahrhunderts setzten einige Fahrradbauer auf den Werkstoff. 1894 wurde wohl das erste Bambus-Bike der Welt in London öffentlich vorgestellt. Durchsetzen konnten sich die Räder aber nicht. Erst ein Jahrhundert später griff der US-Amerikaner Craig Calfee die Bambus-Idee wieder auf – zunächst als Werbegag. Zehn Jahre später, 2005, begann Calfees Betrieb Bambus-Räder für den Markt zu produzieren. In Deutschland gibt es neben „Faserwerk“ zwei weitere Anbieter, die selber konstruieren, sowie diverse Importeure.

Tobias Meyer wollte ursprünglich keine Bambus-Fahrräder, sondern nur Kinderlaufräder bauen. Inzwischen hat er beides im Angebot. Die Herstellung ist Handarbeit, nur für die Pläne nutzt er ein Computerprogramm. Zwischen vier und acht Wochen benötigt der Bremer, um ein Bambus-Fahrrad zu bauen. Das Material bezieht der Bremer über den Fachhandel aus China und Indonesien. Das Lackieren und Schleifen nimmt die meiste Arbeitszeit in Anspruch. Ein komplettes Bike kostet ab 3 000 Euro aufwärts.

www.faserwerk.net

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