Bremer Therapieschulen bangen um Nachwuchs / Hohe Ausbildungskosten

Konkurrenz um Azubis

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Diskutierten gestern auf einem Fachtag über die Zukunft von Physio-, Ergotherapie und Logopädie in Bremen: Jutta Dernedde (v.l.), Alexander Künzel und Klemens Kissel, der eine Ausbildung zum Logopäden absolviert.

Bremen - Von Viviane Reineking. Die therapeutischen Berufe bangen um ihren Nachwuchs: Weil es bis zum Jahr 2025 deutlich weniger Schulabgänger gibt, verschärft sich die Konkurrenz um Auszubildende. Das treffe die Fachschulen für Physio-, Ergo- und Logopädie besonders, sagt Dr. Angela Sallermann, Leiterin des Bildunszentrums der Bremer Heimstiftung.

Der einfache Grund: Hier zahlen Schüler oder deren Angehörige für die Ausbildung – bis zu 610 Euro Schulgeld im Monat. Nicht unbedingt ein Argument, um potenzielle Bewerber für eine Ausbildung in einem der drei Therapieberufe zu begeistern. Vor allem vor dem Hintergrund einer immer älter werdenden Bevölkerung, die entsprechend versorgt werden will, ein Problem: „Da wir zukünftig weit mehr als weniger Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten benötigen, braucht es umgehend neue, tragfähige Finanzierungsmodelle“, so Sallermann.

Gerade bei komplizierten Erkrankungen wie bei Schlaganfällen gebe es einen steigenden Bedarf in der Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Pflegepersonal und Therapeuten, sagt Geno-Geschäftsführerin Jutta Dernedde mit Blick auf die demografische Herausforderung. Insgesamt gibt es an den drei Fachschulen 100 Ausbildungsplätze. Seit zwei Jahren allerdings seien die Berwerberzahlen um 20 Prozent zurückgegangen.

Gestern diskutierten der Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno), die AOK und die Bremer Heimstiftung auf einer Fachtagung im Bamberger-Haus der Volkshochschule über mögliche Zukunftsstrategien.

Man könne die Vollzeitausbildung erst schulgeldfrei machen, wenn die Grundfinanzierung von anderer Seite sichergestellt werde, betont Alexander Künzel, Vorsitzender der Heimstiftung. Die Bremer Akteure, darunter auch Gesundheitsstaatsrat Peter Härtl, unterstützen eine bundeseinheitliche Regelung zur Finanzierung. „Das Thema ist parteiübergreifend in der Bundespolitik angekommen“, so Härtl. „Die Demografie macht den Druck, an dem keiner vorbeikommt“, ist Künzel optimistisch. Gefordert seien unter anderem die Länder, um ihrem Bildungsauftrag gerecht zu werden. Alle Schulen müssten gleichgestellt werden, so Künzel.

Statt einer Ausbildungsvergütung müssen die Fachschüler zahlen: rund 20000 Euro im Laufe einer Ausbildung. Einer, der monatlich Schulgeld in Höhe von 589 Euro aufbringt, ist Klemens Kissel: Er absolviert eine Ausbildung zum Logopäden an der Fachschule der Wirtschafts- und Sozialakademie der Arbeitnehmerkammer Bremen (Wisoak). Die Arbeit mit Menschen verbindet der 26-Jährige mit seinem Interesse an Sprache und Neurologie. Leisten kann er sich die Vollzeit-Ausbildung nur mit Hilfe seines Vater und eines Nebenjobs im Hafen. Zeit, die er eigentlich zum Lernen benötigt.

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