„Wir kommen zum Publikum“

Bremer Theaterschiff dreht Film

Impresario Knut Schakinnis steht im Licht. Und vor allem im „Hitparaden“-Bühnenbild auf dem Theaterschiff an der Tiefer. Er spricht ein Grußwort ans Publikum für die pandemietaugliche Filmversion des Publikumserfolgs „Hitparade“.
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Impresario Knut Schakinnis steht im Licht. Und vor allem im „Hitparaden“-Bühnenbild auf dem Theaterschiff an der Tiefer. Er spricht ein Grußwort ans Publikum für die pandemietaugliche Filmversion des Publikumserfolgs „Hitparade“.

Keine Vorstellungen, kein Bühnenbetrieb – Corona macht den Theatern schwer zu schaffen. Eine bühnenreif gute Idee kommt nun aus Bremen: Das Theaterschiff macht aus seinem Publikumserfolg „Hitparade“ eine Filmversion. Aber dennoch wird damit nicht gleich alles gut.

  • Das Bremer Theaterschiff macht einen Film aus seinem Bühnen-Schlager „Hitparade“.
  • Das Theatererlebnis für zu Hause kommt mit Snacks und Getränken.
  • Intendant Knut Schakinnis will in Pandemiezeiten Präsenz zeigen.

Bremen – Ein Hauch von Hollywood auf der Weser: Kameraleute konzentrieren sich, Schauspieler treten ins Licht. Dreharbeiten mitten in der Pandemie, alle Beteiligten haben zuvor einen Corona-Schnelltest gemacht. Sicher ist sicher. Drehort ist das Theaterschiff an der Tiefer. Und was wird gedreht? Ein Theaterstück, was auch sonst an diesem Ort.

Ideen muss man haben – gerade in Krisenzeiten. Wenn das Publikum nicht ins Theater gehen kann, dann kommt das Theater eben zum Publikum nach Haus – und das in pandemietauglicher Form, sprich: als DVD oder einfach per Stream. Das ist die Idee, die Intendant Knut Schakinnis gehabt hat. Und dazu wird jetzt der Bühnenerfolg „Hitparade“ in einen Film verwandelt.

„Wir mussten etwas tun“, sagt Schakinnis. „Und wir wollen Präsenz zeigen.“ Niemand wisse, wann Theater wieder öffnen dürfen. Zuschauer, die das „Hitparaden“-Paket buchen, bekommen tatsächlich ein Paket zugeschickt – mit DVD und Streaming-Link, mit Getränk, Knabbereien und Dankesgruß. So lässt sich der Theaterbesuch zu Hause nachspielen. „Ab 1. März wird ausgeliefert“, so Schakinnis; bestellt werden könne schon jetzt. Und was kostet der Spaß? „34 Euro, so viel wie sonst eine Eintrittskarte.“ Die Aufführung – sprich: der Film – dauert anderthalb Stunden. „Ohne Pause“, scherzt Schakinnis.

Vier Kameras, fünf Schauspieler

Für die Filmproduktion hat das Theaterschiff Fachleute engagiert, sie kommen von der Bremer Agentur „Die Videographen“. Sie filmen die Aufführung nicht einfach ab, sondern machen – eben – einen richtigen Film daraus. Vier Kameras sind im Einsatz, alles ist genau durchgeplant, sagt „Videograph“ Ismael Meisinger: „Es steht fest, welche Kamera wann auf welche Person gerichtet ist.“ Die besondere Herausforderung für die „Videographen“ sei die Länge von 90 Minuten. „Wenn wir Imagefilme machen, sind die deutlich kürzer“, so Meisinger.

Getränke und Knabbereien liefert das Theaterschiff seinem Publikum gleich mit.

Das Theatererlebnis für zu Hause, das Theatererlebnis als Film – für die Schauspielerin Felicitas Reinhardt, die in dem Nostalgie- und Schlager-Stück „Hitparade“ die Rolle der Melanie Lembke spielt, bedeutet dieses Projekt, endlich einmal wieder in ihrem Beruf zu arbeiten. Als sie Ende Januar das Angebot in ihren E-Mails fand, sei das „wie ein Sechser im Lotto“ gewesen, so Reinhardt. Schließlich sei das eine Möglichkeit, „in dieser Zeit als Künstlerin arbeiten zu dürfen“. Neben Reinhardt spielen Ramona Alessandra Schlenker, Marcus Rudolph, Michael Svensson und Markus Weise.

„Die Menschen vermissen lustige Theaterabende“

Coronagerechte Bühnenabstände waren schon im Sommer vorigen Jahres beim Ausflug des Theaterschiffs auf die Bühne des Metropol-Theaters am Richtweg mit Regisseur Oliver Geilhardt einstudiert worden. „Viele Menschen vermissen den lustigen Theaterabend, das Live-Erlebnis“, sagt Schakinnis in einem Gruß ans Publikum zu Beginn der „Hitparaden“-Filmversion. Die Resonanz auf das Filmprojekt sei „enorm“, sagt er anschließend im Gespräch.

Zu seinem Theater-Portfolio gehören neben dem Theaterschiff und der Komödie Bremen im Packhaustheater (Schnoor) auch das Theaterschiff Lübeck, das Theater Worpswede sowie Bühnen in Bielefeld und Kassel. Sechs Privattheater, nicht einfach in diesen Tagen.

Staatliche Hilfen fließen „zäh“

„Wir kommen klar – aber sehr angespannt“, fasst Schakinnis zusammen. Ein KfW-Kredit habe für Liquiditätsmittel gesorgt, das helfe über die Zeit – denn die staatlichen Hilfen seien zwar gut, aber: „Sie fließen unglaublich zäh.“ Und Zeit ist Geld, das gilt auch in der Illusionswelt des Theaters.

Für all seine Theater zusammen seien noch 1,4 Millionen Euro an Unterstützung offen, sagt Schakinnis. Er will ausdrücklich nicht meckern. Aber rechnen muss er auch. Dann ist die Pause um, die Dreharbeiten gehen weiter: Hollywood-Feeling auf der Weser.

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