Bauvorhaben

Bremer Russenfriedhof: Archäologen finden Schädel von Weltkriegsopfern

Auf einer Fläche von rund 3500 Quadratmetern suchen Archäologen nach Überresten von Weltkriegsopfern
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Auf einer Fläche von rund 3500 Quadratmetern suchen Archäologen nach Überresten von Weltkriegsopfern. Laut Bremer Friedensforum ist die Fläche aber eigentlich 20.000 Quadratmeter groß. (kreiszeitung.de-Montage)

Auf dem Gelände für eine neue Bahnwerkstatt an der Reitbrake in Bremen suchen Archäologen nach Überresten sowjetischer Kriegsgefangener. Jetzt wurden sie fündig.

Bremen – Seit August dieses Jahres suchen Archäologen auf dem Gelände der geplanten Bahnwerkstatt an der Reitbrake in Bremen-Oslebshausen nach Überresten sowjetischer Weltkriegsopfer – dem im Volksmund genannten „Russenfriedhof“. Auf geschätzten 3500 Quadratmetern graben die Wissenschaftler an der Reitbrake gemeinsam mit Landesarchäologin Uta Halle das Gebiet um.

Stadt in Deutschland:Bremen
Fläche:325,56 Quadratkilometer
Einwohner:566.573 (31. Dez. 2020)
Vorwahl:0421
Bürgermeister:Andreas Bovenschulte (SPD)

Erste Funde von militärischem Stacheldraht deuteten auf den Friedhof für sowjetische Soldaten und Zwangsarbeiter hin. Sie waren zwischen 1941 bis 1945 an einem Bahndamm im Stadtteil Oslebshausen bestattet worden. Auch ein möglicher Eckpfosten des Zauns um den Friedhof sei aufgetaucht. Zunächst hatte ein Bagger eine etwa zwei Meter dicke Schicht aus Schutt und aufgespültem Sand entfernt. Seitdem graben die Archäologen von Hand weiter.

Archäologen finden Schädel von Weltkriegsopfern: Bis nächstes Jahr wird an der Bremer Reitbrake gesucht

Und sind inzwischen auch fündig geworden, wie die Bürgerinitiative Oslebshausen und umzu (BI) und das Bremer Friedensforum jetzt mitteilten. 21 Erkennungsmarken, ein Schädel und hunderte von Knochenfragmenten sowjetischer Soldaten wurden bisher entdeckt. Acht Opfer wurden nun anhand der Marken identifiziert, wie die Bremer Landesarchäologin Uta Halle gegenüber „buten un binnen“ sagte. Nach den sterblichen Überresten wird voraussichtlich noch bis nächstes Jahr gesucht.

„Nun ist es bestätigt. Nicht alle Leichname der sowjetischen NS-Opfer wurden 1948 umgebettet. Die Zustände müssen chaotisch gewesen sein. Das Areal an der Reitbrake ist klar eine völkerrechtlich geschützte Kriegsgräberstätte“, sagt Ekkehard Lentz vom Bremer Friedensforum.

Dieter Winge von der Bürgerinitiative Oslebshausen und umzu ergänzt: „Es wäre nicht zu vermitteln, sollte der Bremer Senat die Ansiedlung der Bahnwerkstatt nun unbeirrt weiterverfolgen. Gegenüber den Angehörigen der Opfer kann man dieses Vorgehen moralisch eigentlich nicht vertreten.“

Archäologen finden Schädel von Weltkriegsopfern: Friedensforum Bremen und BI fordern Planungsstopp

Übereinstimmend sah es Landesarchäologin Halle auch im vergangenen Jahr, als Garagen auf dem Schützenhof-Gelände abgestellt werden sollten. Dies aus dem Grund, weil der Schützenhof früher ein Außenlager des KZ Neuengamme war. Halle damals: „Ich finde es moralisch verwerflich, fast auf den Tag genau 75 Jahre nach der Befreiung dieser KZ-Außenstelle hier von einem Bauvorhaben zu sprechen.“

Das Bremer Friedensforum und die Bürgerinitiative fordern einen sofortigen Stopp der Planungen an der Reitbrake. Es wäre davon auszugehen, dass bis heute sterbliche Überreste auf der Gesamtfläche von 20.000 Quadratmeter zu finden sind. Bislang habe das Grabungsteam sich auf eine 3500 Quadratmeter große Teilfläche konzentriert. Die Archäologen vermuten, die sterblichen Überreste von mehr als 300 Zwangsarbeitern aus dem Zweiten Weltkrieg zu finden.

Archäologen finden Schädel von Weltkriegsopfern: Statt Bahnwerkstatt wird eine Gedenkstätte forciert

Der Bremer Senat wird durch das Friedensforum und die BI aufgefordert, das Grundstücksangebot gegenüber der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen und Alstom zurückzuziehen und sich um einen alternativen Standort zu bemühen.
Für das Gelände in Oslebshausen solle eine Gedenkstätte konzipiert werden, fordert man stattdessen. In unmittelbarer Nähe zum wiederentdeckten Zwangsarbeiterfriedhof lag die größte Ansammlung von Lagern für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in der Rüstungsstadt Bremen.

Der französische Schienenfahrzeughersteller Alstom beabsichtigt – mit Unterstützung des Bremer Senats – eine Bahnwerkstatt mit Abstellanlage in Oslebshausen bis zum Jahr 2024 zu errichten. Die Investition ist Teil eines 760 Millionen Euro schweren Auftrags. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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