Bremer Projekt will Dialog der Religionen fördern / Zeichen gegen Terror

Ein Tunnel für den Frieden

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Die Künstlerin Regina Heygster legt in ihrem Atelier Mosaike für den „Friedenstunnel“ in der Nähe des Bremer Hauptbahnhofs.

Bremen - Von Dieter Sell. Die Terroranschläge vom 11. September 2001 gaben den Anstoß: In Bremen soll ein Tunnel in ein Symbol des Friedens verwandelt werden. Initiatorin ist die Künstlerin Regina Heygster, für die das bundesweit einzigartige Projekt mittlerweile zum Lebenswerk geworden ist.

Es ist duster, es zieht, an manchen Ecken stinkt es sogar: Der zur Zeit für den Autoverkehr gesperrte Tunnel zwischen Parkallee und Rembertistraße unter dem Gleisvorfeld des Bremer Hauptbahnhofs ist kein Ort, an dem man gerne stehenbleibt. Noch nicht. Denn das soll sich in den kommenden Wochen ändern. Nachdem die Portale in den zurückliegenden Jahren bereits mit Mosaiken und dem Spruch „Verstehen ist das Tor zur Verständigung“ umgestaltet wurden, ist nun das Gewölbe an der Reihe.

Mosaike, Texttafeln und buntes Licht sollen aus dem etwa 20 Meter breiten und gut 60 Meter langen Bauwerk auch innerlich einen „Friedenstunnel“ machen. Heygster (60) kam die Idee dazu nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 auf die Türme des World Trade Centers in New York. „Wenn weltweit immer wieder Kriege mit religiösen Argumenten legitimiert werden, wäre es ein wegweisendes Zeichen der Religionsgemeinschaften, wenn sie ein gemeinschaftliches Friedensbekenntnis in der Gestaltung eines öffentlichen Bauwerks setzen würden“, meint Heygster.

Seit mittlerweile fast 15 Jahren engagiert sie sich deshalb für den Tunnel. Sie hat Hunderttausende von Euro an Spendengeldern gesammelt, einen Förderverein auf den Weg gebracht, und selbst so viele Arbeitsstunden investiert, dass sie ihre Zahl schon nicht mehr nennen kann. Ein Lebenswerk. Aber warum so viel Kraft, Zeit und Geld gerade in diesen dunklen Ort stecken? „Tunnel sind vernachlässigte Bauwerke, alle wollen schnell durch“, sagt sie und ergänzt: „Das möchte ich an dieser Stelle ändern.“

Mittlerweile unterstützen unter anderen Christen, Muslime, Hindus, Aleviten und Bahai das Projekt, das in kleinen Schritten vorangeht. Auch die Bahn als Eigentümerin des Bauwerks habe sofort „Ja“ gesagt, freut sich Heygster. So verändert der Tunnel seit 2008 peu à peu sein Gesicht. Die Außenwände stehen mittlerweile nicht mehr grau da, sondern leuchten in freundlichem Gelb. Friedenssymbole wie eine weiße Taube, ein Lotus-Lebensbaum, eine Eiche und eine Palme jeweils aus Mosaiksteinen gefügt schmücken die Portale. In den kommenden Wochen soll nun an den Innenwänden ein Fries eingebaut werden, der in rund 150 Sprachen der Welt das Wort „Frieden“ übersetzt. Schon seit Monaten legt Heygster dafür die Wörter mit farbigem italienischem Glasmosaik in jeweils zwei Meter lange und 25 Zentimeter hohe Stahlschilder – rund 180 000 Steine insgesamt, die im Windrad-Muster verklebt und schließlich verfugt werden. Ergänzt werden die Schriftzüge im Tunnel durch Tafeln mit Friedens- und Weisheitstexten aus unterschiedlichen Kulturen. Begleitet werden die Arbeiten schon seit längerem durch Schulprojekte unter dem Motto „Frieden fängt klein an“ und durch Vorträge.

Heygster setzt darauf, dass sich der Tunnel neben den anderen Sehenswürdigkeiten der Hansestadt als neues Symbol für die Weltoffenheit Bremens etabliert. Nächster Schritt auf diesem Weg ist der 6. September. Dann wird der Innenbereich neu eröffnet: Hell, mit anregenden Texten, hofft Heygster. Ein Ort, an dem man dann gerne stehenbleibt.

epd

www.friedenstunnel.de

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