20. Bremer Programm zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

„Wissen ist die Grundlage“

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Rundgänge, Vorträge, Diskussionen. Zeitzeugen und Wissenschaftler. Lesungen, Filme, Workshops. Was 1997 mit drei, vier Veranstaltungen begann, ist zu einem Kalender mit fast 50 Punkten angewachsen – das Bremer Programm zum 27. Januar, zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

Zum letzten Mal haben Hermann Kuhn (Deutsch-Israelische Gesellschaft) und Michael Scherer (Geschichtsreferent der Landeszentrale für politische Bildung; Verein „Erinnern für die Zukunft“) das Programm koordiniert. Scherer geht im Sommer in den Ruhestand. Kuhn möchte nicht allein weitermachen, eine neue Generation soll ran.

„Erinnern ist subjektiv. Wissen ist die Grundlage“, sagt Kuhn. „Wir haben stets versucht, Wissen zu vermitteln – etwa durch Zeitzeugen und Wissenschaftler.“ Das Erinnern und Gedenken solle nicht ins Leere greifen, sondern nahekommen: „Die Stadt ist der Ort, wo das Verbrechen begonnen hat. Wir haben immer versucht, Quellen und Ursachen offenzulegen.“

Der Gedenktag bezieht sich auf den 27. Januar 1945, an dem Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau befreiten. „Das Bremer Programm zum Gedenktag beginnt am 13. Januar und reicht bis in den März“, sagt Scherer.

Zum Auftakt geht‘s um die Eiswette. Unter dem Titel „Sieg Heil auf Führer, Volk und Vaterland“ spricht der Historiker Arndt Frommann am Mittwoch, 13. Januar, über die Eiswette in der Zeit des Nationalsozialismus (Landeszentrale für politische Bildung, Osterdeich 6, 20 Uhr).

Als Schwerpunkt des Programms wurde der Umgang mit kranken und behinderten Menschen im Nationalsozialismus gewählt, um so bereits auf die Ausstellung „Erfasst, verfolgt, vernichtet“ aufmerksam zu machen, die im Sommer in der Unteren Rathaushalle zu sehen sein wird. Es geht um das Thema der Euthanasie – auch in der zentralen offiziellen Gedenkstunde des Senats. Neben Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) spricht am Mittwoch, 27. Januar, Dr. Michael Wunder von der Evangelischen Stiftung Alsterdorf in Hamburg über die Geschichte der Euthanasie und die Auswirkungen bis heute. Die Gedenkstunde beginnt um 19.30 Uhr im Rathaus.

Am Sonnabend, 30. Januar, übergibt Sieling einen Gedenkstein zur Erinnerung an das frühere Außenlager des KZ Neuengamme in Huckelriede (Ecke Franz-Grashof-Straße/Am Dammacker, 11 Uhr).

Im Achimer Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasium gibt es am Donnerstag, 4. Februar, eine Führung durch Ausstellung und Archiv (Beginn: 15 Uhr).

Die Bremer Zentralbibliothek (im früheren Polizeihaus, Am Wall) zeigt von Mittwoch, 17. Februar, bis Sonnabend, 12. März, eine Ausstellung, die an Elise und Otto Hampel erinnert – die in Berlin ab 1940 mit Flugzetteln das NS-Regime kritisierten und dafür zum Tode verurteilt wurden.

Bleibt die Frage, wer sich in Zukunft um das Bremer Programm zum Gedenktag kümmern wird. Dr. Thomas Köcher, Leiter der Landeszentrale für politische Bildung, würde es gerne fortführen: „Es soll weitergehen.“

Erst einmal aber muss er Veränderungen seines Amts stemmen. Zum 1. Januar wurde die Landeszentrale, bislang der Senatskanzlei zugeordnet, dem neuen Ressort für Kinder und Bildung zugeschlagen – ein Ergebnis der Koalitionsverhandlungen. „Vom Ressortwechsel sind wir sehr überrascht worden“, so Köcher. Wann er die Stelle des Geschichtsreferenten neu ausschreiben kann, weiß er noch nicht.

Zunächst einmal steht ein Umzug an. Die Landeszentrale verlässt die nur zu etwa zwei Dritteln genutzte Villa am Osterdeich und kommt in die Birkenstraße, wo dann auch alle Mitarbeiter auf einer Ebene sitzen. In der Nachbarschaft: Büros des Landesrechnungshofs.

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