Lehmkuhle und neue Ausstellung

Overbeck-Museum blickt nach Worpswede

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Das neue „Bild des Monats“ im Overbeck-Museum: „Lehmkuhle und Kiefer“ von Fritz Overbeck.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Jetzt geht‘s in die Lehmkuhle. Nun, in Vegesack jedenfalls. Und auch dort nur im Museum. Im Vegesacker Overbeck-Museum ist die Wahl in der beliebten Reihe „Bild des Monats“ für den Februar auf ein Gemälde von Fritz Overbeck mit dem spartanisch anmutenden Titel „Lehmkuhle und Kiefer“ gefallen.

„Doch die Landschaftskomposition hat es in sich – ungewöhnlich im Format, modern in der Malweise, raffiniert in der Bildaufteilung“, so Museumsleiterin Dr. Katja Pourshirazi. Ein Gemälde, das eine intensive Betrachtung lohne und den Vergleich mit manchen Werken von Paula Modersohn-Becker nicht zu scheuen brauche.

Wie berichtet, wird das jeweilige „Bild des Monats“ in diesem Jahr von Mitarbeitern des Hauses ausgewählt. „Lehmkuhle und Kiefer“ hat sich Karl Ernst-Erben gewünscht, der im Overbeck-Museum seit Jahren für die Digitalisierung der Sammlung zuständig ist.

„Bild des Monats“ ist ab dem 11. Februar zu sehen

Der gelernte Grafiker pflegt den gesamten Bestand an Ölgemälden, Aquarellen, Radierungen und Zeichnungen akribisch genau in eine Datenbank ein. Das Gemälde „Lehmkuhle und Kiefer“ habe ihm von Anfang an durch seine gelungene Komposition und die stimmige, intensive Farbigkeit imponiert, heißt es. Und: „Vergleichsabbildungen machen dabei deutlich, dass eben jene Lehmkuhle in Worpswede in mehr als einem Kunstwerk verewigt wurde“, sagt Pourshirazi.

Bis Overbecks Lehmkuhle es als „Bild des Monats“ präsentiert wird, vergehen allerdings noch ein paar Tage. Wegen des Wechsels der Sonderausstellung ist das Haus noch bis zum 10. Februar geschlossen. Das „Bild des Monats“ ist dann ab dem 11. Februar zu sehen. Am Mittwoch, 14. Februar, und am Donnerstag, 22. Februar, bietet Pourshirazi Kurzführungen an, die jeweils um 17 Uhr beginnen – „intensive Bildbetrachtungen mit Fakten und Geschichten rund um das Gemälde“. Die Führung kostet zwei Euro plus Museumseintritt.

Himmel und Erde im Künstlerdorf

Apropos Ausstellungswechsel – unter dem Titel „Himmel – Erde – Himmel“ zeigt das Overbeck-Museum demnächst Arbeiten der Worpsweder Künstlerin Birte Hölscher, die mit Bildern aus der Sammlung des Hauses konfrontiert werden. Die Eröffnung: Sonntag, 11. Februar, 11.30 Uhr. Die Ausstellung dauert bis zum 22. April.

Hölscher, 1967 in Osterholz-Scharmbeck geboren, lebt und arbeitet in Worpswede. Sie malt mit Öl- und Acrylfarben. „In ihren Gemälden greift sie das Erbe der berühmten Künstlerkolonie auf, ohne es je nachzuahmen. Stattdessen findet sie für das Teufelsmoor, für seine Birken und Moorkanäle eine ganz eigene Bildsprache“, sagt Pourshirazi.

Und weiter: „Die kargen und doch unendlich nuancenreichen Farben und minimalistischen Strukturen der sie umgebenden Landschaft inspirieren Birte Hölscher zu expressiven Gemälden, die ihren Bezug zur Natur auch dann nicht verleugnen, wenn sie die Grenze zur Abstraktion längst überschritten haben.“

Fotos und Gemälde gegenübergestellt

Auch als Fotografin nähert sich Hölscher der berühmten Teufelsmoor-Landschaft und „behält dabei stets ihren Blick für das Malerische“. Die Museumsleiterin: „Sie steht damit in direkter Verbindung zu Hermine Overbeck-Rohte, die mehr als 100 Jahre zuvor ebenfalls als Malerin und Fotografin die Natur erkundete.“ Indem die Arbeiten dieser beiden Künstlerinnen einander erstmals gegenübergestellt werden, entstehe „ein Dialog zwischen Motiven und Sichtweisen, zwischen Gemälden und Fotografien, zwischen damals und heute“.

Im Begleitprogramm zur Ausstellung ist unter anderem ein Künstlergespräch mit Birte Hölscher geplant. Der Termin: Sonntag, 25. Februar, 11.30 Uhr. Eintritt: acht Euro.

Seit 1990 im Alten Packhaus

Fritz Overbeck (1869 bis 1909) gehörte zu den fünf Gründungsvätern der Künstlerkolonie Worpswede. 1905 verließ er Worpswede dann, um sich in Bröcken bei Vegesack niederzulassen – ländliche Idylle zog ihn an. „In einer Straße zu wohnen oder sonst in irgendeiner scheußlichen Umgebung, brächte ich nicht fertig“, schrieb er einmal. Im Alten Packhaus an der Alten Hafenstraße 30 in Vegesack ist ihm und seiner Frau Hermine Overbeck-Rohte (1869 bis 1937) seit dem Jahr 1990 das Overbeck-Museum gewidmet.

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