„Wechselbad der Gefühle“

Bremer Organisation Borda: Sorge um Ortskräfte in Afghanistan

Blick auf den Bau einer Abwasseraufbereitungsanlage – seit 2012 engagiert sich die Bremer Hilfsorganisation Borda in Afghanistan. Jetzt machen die Bremer sich große Sorgen um ihre afghanischen Ortskräfte.
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Blick auf den Bau einer Abwasseraufbereitungsanlage – seit 2012 engagiert sich die Bremer Hilfsorganisation Borda in Afghanistan. Jetzt machen die Bremer sich große Sorgen um ihre afghanischen Ortskräfte.

Die Entwicklung in Afghanistan beschäftigt auch in Bremen viele Menschen – unter anderem bei der Hilfsorganisation Borda. Sie hat in Afghanistan 35 Mitarbeiter. Werden sie ausreisen können? Bei der Bremer Organisation wird befürchtet, dass ein Großteil das nicht schaffen wird.

Bremen – Borda (Sitz: in der Straße Am Deich, in Innenstadtnähe an der Weser) ist in verschiedenen Regionen der Welt aktiv. Die Mitarbeiter des Vereins entwickeln und etablieren – etwa in Asien und Afrika, aber auch in Lateinamerika – Systeme zur Wasserver- und -entsorgung.

Ein Borda-Grundsatz ist es, dass die Menschen an den jeweiligen Orten ihre Anlagen eigenständig betreiben können. Die dezentralen Anlagen zur Abwasserbehandlung zum Beispiel sind kostengünstig zu bauen und einfach zu warten, heißt es bei Borda. Der Zugang zu sauberem Wasser verbessert die Lebensbedingungen grundlegend, das ist die Idee. Das Ziel sind dabei Strukturen, die Bestand haben.

Auch in Afghanistan hat Borda – eben: mit Ortskräften – Kommunen bei der Abwasseraufbereitung und der Versorgung mit Sanitäranlagen beraten. Kabul, Herat, Nangarhar, Masar-e Scharif, Bamyan in Zentralafghanistan: Borda engagiert sich seit 2012 in dem asiatischen Land. Die Mittel für seine Arbeit bekommt Borda überwiegend vom Bund, sprich: vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Borda-Büro in Kabul zerstört

Die Fäden der Afghanistan-Aktivitäten liefen im Borda-Büro in der Hauptstadt Kabul zusammen. „Die Lage ist schwierig, das Büro ist seit längerer Zeit geschlossen“, sagt Borda-Geschäftsführerin Judith Ringlstetter. Wie es weiter heißt, ist das afghanische Borda-Büro inzwischen auch zerstört worden. Strukturen schaffen, die Bestand haben – dafür gibt es hier nun keine Garantie mehr. Von den 35 Mitarbeitern „vor Ort“ – „afghanische Staatsbürger, die seit sieben, acht Jahren für uns arbeiten“ – habe Borda 22 Ortskräfte auf eine Ausreise-Liste setzen können, so Ringlstetter. Dafür gelten verschiedene Kriterien; so ist etwa von Bedeutung, aus welcher Quelle die jeweiligen Kräfte bislang bezahlt worden sind. Das Auswärtige Amt habe der 22er-Liste zugestimmt.

In Afghanistan hat Borda mit Menschen gearbeitet, die aus dem Land stammen.

Ein Platz auf der Liste ist allerdings noch nicht mit einer tatsächlichen Ausreisemöglichkeit gleichzusetzen. Zunächst durfte nur eine Borda-Ortskraft ausreisen – „mit Kernfamilie“, also mit Frau und Kindern. „Jetzt heißt es: warten“, so Geschäftsführerin Ringlstetter. Es sei ein „Wechselbad der Gefühle“ im Bemühen, den Ortskräften – viele von ihnen halten sich versteckt – Wege zur Ausreise zu ermöglichen.

Wer überwindet die Sperren?

Wer aber überwindet die Sperren der Taliban, wer erreicht den Flughafen, wer gelangt wirklich in einen der Militärtransporter? Zu hören ist, dass internationale Kräfte von Nichtregierungsorganisationen wie Borda vergleichsweise problemlos zum Flughafen gelangen können. Doch wollen afghanische Staatsbürger flüchten, dann gehen die Sperren der Taliban schnell zu.

Bremische Bürger haben Borda in den 70er Jahren gegründet. Hilfe zur Selbsthilfe, das war damals schon der Ansatz. Die Armut verringern und die Lebensbedingungen verbessern – das waren Ziele, die die Gründer im Jahr 1977 formulierten. Der Name Borda steht für „Bremen Overseas Research und Development Association“.

In den Jahrzehnten seit der Gründung ist Borda so etwas wie ein bremischer Exporterfolg geworden. An vielen Stellen auf der Welt ist die Bremer Organisation ein Begriff. Sauberes Wasser und sichere Sanitärversorgung für alle Menschen sind zudem mittlerweile eines der erklärten Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (UN). Menschen, die dafür in Afghanistan gearbeitet haben, sind jetzt in Gefahr.

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