Elektro-Auto ab 2019

Bremer Mercedes-Werk: Alles auf einer Linie

+
Eine Mensch-Roboter-Kooperation beim Einbau der Hybrid-Batterie im Mercedes-Benz-Werk Bremen.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Im Herbst wird er auf der Internationalen Automobilausstellung gezeigt: der EQC, der Einstieg von Mercedes-Benz in die Produktion von Elektro-Autos. Die neue Technik kommt im neuen Design daher.

Das Konzeptfahrzeug namens „EQ“ weist schnittige Formen auf. Das Werk Bremen baut den EQC und wird Kompetenzzentrum für die Produktion künftiger Elektrofahrzeuge. Der EQC wird eine spannende Herausforderung: Die erste Serienfertigung soll 2019 beginnen – während des normalen Betriebes im vollausgelasteten Werk. 

Die neuen Fahrzeuge sollen auf einer Produktionslinie zusammen mit bisherigen Verbrennungs- und Hybrid-Modellen entstehen. Dieses Prinzip ist wichtig. „Wir wissen nicht, wie sich der Markt entwickelt. Wir müssen flexibel reagieren können. Das verlangt das operative Geschäft“, sagt Werksleiter Peter Theurer. Bereits heute ist praktisch jedes der 400.000 Mercedes-Autos, die in Bremen jährlich vom Band laufen, ein Unikat. 

Fahrzeuge werden Kundenwünschen angepasst

Die Fahrzeuge sind nicht nur unterschiedlich an die Kundenwünsche angepasst, sie werden auch international exportiert und müssen der Rechtslage in verschiedenen Ländern genügen. Künftig kommt eine ganz neue Antriebstechnik dazu. Um mit der dann noch größeren Komplexität fertigzuwerden, seien die Vernetzung und die Digitalisierung von Produktionsprozessen, eine flexible Fertigungstechnik und die Qualifikation der 12 500 Mitarbeiter entscheidend.

Und mit allem zusammen hat Bremen im Konzern gepunktet. In Sebaldsbrück wird aufwendig gearbeitet. Das merkt man auch in Halle 9. Theurer zeigt den runden Tisch: „Hier kommen wir jeden morgen zusammen und checken, was auf dem Programm steht.“ Alle wichtigen Fertigungsparameter sind auf einem großen Bildschirm zu sehen. Hier laufen vier Modelle in acht Varianten über die Bänder. 

Fünf Modelle in neun Varianten werden hergestellt

So oder ähnlich soll das E-Auto aussehen, das Mercedes ab 2019 in Bremen bauen wird.

Mit dem EQC werden es fünf Modelle in neun Varianten sein. „Ohne die Techniken der Industrie 4.0 und die digitale Transformation würden wir uns nicht trauen, ein fünftes Modell zu integrieren“, betont Theurer. Er erinnert an die enormen Anforderungen an die Mitarbeiter. „Die müssen in Sekundenbruchteilen entscheiden, was für ein Fahrzeug auf dem Band vorbeikommt.“

Die „Station der Zukunft“ zeigt den Mitarbeitern die Arbeitsweise von morgen und erlaubt, neue Technologien außerhalb der Großserie zu testen. Hier wird viel Komplexität bewältigt. Dabei hilft der Rechner. Auf einem Schirm steht die Anweisung: „Bitte drei Muttern vom Typ KLT3 entnehmen.“

Infos liefert auch ein sogenanntes „Q-Tor“. Die Ergebnisse der bisherigen Qualitätsprüfungen des jeweiligen Fahrzeugs werden darauf angezeigt. Die Mitarbeiter bekommen aber noch mehr digitale Infos. Anhand von Erfahrungsdaten wird bei bestimmten Poblemen auf die wahrscheinlichste Ursache geschlossen. Die Halle zeigt zwei Welten der Kooperation von Mensch und Maschine: Einige Roboter agieren abgezäunt, damit keine Menschen gefährdet werden. Andernorts arbeiten Mensch und Maschine Hand in Hand. 

So etwa beim Einsetzen der großen Batterien in Hybrid-Fahrzeuge. Erst beugt sich ein Mitarbeiter ins Heck, prüft, bewegt einige Teile. „Der Mann prüft die Steuergeräte und ob die Kabel alle richtig verlegt sind. Da darf gleich nichts eingeklemmt werden“, so Theurer. „Die Menschen sind einfach flexibler.“ 

Batterie wiegt rund 120 Kilo

Dann kommt die Batterie – groß und stolze 120 Kilo schwer. Da hilft netterweise ein Roboterarm, gesteuert von einem Pult. Der Roboter legt sie ins Heck, ein Mitarbeiter beugt sich hinein und schaut nach. Ein Stück weiter ist ein Bereich eingezäunt. „Hier entsteht Zukunft“, sagt Theurer. Bei Elektrofahrzeugen wird hier die „Batteriehochzeit“ stattfinden. Die Batterien seien drei- bis viermal so groß wie bei den Hybrid-Fahrzeugen.

Insgesamt soll die EQ-Serie zehn Modelle umfassen. Der EQC basiert auf dem GLC, hat aber die Ausstattung der C-Klasse. Trotz der geringeren Fertigungstiefe bei Elektromotoren sieht Theurer keinen Verlust von Arbeit für das Bremer Werk. Er schätzt, dass Elektrofahrzeuge 2025 einen Anteil von 15 bis 25 Prozent haben werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Botanischer Garten auf dem Brocken: So blühen die Berge

Botanischer Garten auf dem Brocken: So blühen die Berge

Warum Urlauber das Abenteuer suchen

Warum Urlauber das Abenteuer suchen

Die strahlende Blüte der Montbretie verlängert den Sommer

Die strahlende Blüte der Montbretie verlängert den Sommer

Rundballenpresse in Brand geraten

Rundballenpresse in Brand geraten

Meistgelesene Artikel

Kanzlerin Merkel spricht vor 2500 Menschen auf dem Bremer Marktplatz

Kanzlerin Merkel spricht vor 2500 Menschen auf dem Bremer Marktplatz

„Summer Sounds“: Technobässe, Jazz und Lichterketten

„Summer Sounds“: Technobässe, Jazz und Lichterketten

Hemelingen: Käufer für früheres Könecke-Areal

Hemelingen: Käufer für früheres Könecke-Areal

„Sommer in Lesmona“: „Blauer Himmel – fast wie hier“

„Sommer in Lesmona“: „Blauer Himmel – fast wie hier“

Kommentare