Recherche-Coup

Bremer Liebfrauenkirche löst Rätsel um Neander-Grab

Der Kirchenmusiker Ulrich Kaiser, Leiter des Knabenchors an Unser Lieben Frauen, hat das Rätsel um die Grabstelle des berühmten Bremer Kirchenliederdichters Joachim Neander gelöst.
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Der Kirchenmusiker Ulrich Kaiser, Leiter des Knabenchors an Unser Lieben Frauen, hat das Rätsel um die Grabstelle des berühmten Bremer Kirchenliederdichters Joachim Neander gelöst.

Bremen – Ein Tal bei Düsseldorf wurde nach ihm benannt, weil er da gern komponierte. Und nachdem dort Überreste eines Urzeitmenschen gefunden worden waren, ging sein Name im Wort „Neandertaler“ sogar um die Welt. Kurzum: Joachim Neander (1650 bis 1680), der 1680 den Text des bekannten und nach wie vor beliebten Kirchenlieds „Lobe den Herren“ schrieb, dürfte einer der berühmtesten Bremer überhaupt sein – nur ist seine Bremen-Verbindung kaum bekannt.

Dabei ist der Kirchenliederdichter in Bremen geboren worden und auch hier gestorben. Nach Jahrhunderten wurde jetzt das Rätsel um Joachim Neanders Grabstätte gelöst. Ulrich Kaiser, Kirchenmusiker und Leiter des Knabenchors an der Liebfrauenkirche, hat herausgefunden, wo Neander am 3. Juni 1680 bestattet wurde.

Denn bis jetzt galt die Grabstätte des Kirchenliederdichters als unbekannt, sie wurde unter der St.-Martini-Kirche vermutet. Neander war 1679 Hilfsprediger an St. Martini geworden.

Doch es zeigen sich auch enge Verbindungen Neanders zur Liebfrauenkirche. „Als ich zufällig von Neanders Taufe in unserer Kirche hörte, konnte ich es zuerst kaum glauben“, so Kaiser. Zuerst suchte er nach dem genauen Geburtsdatum Neanders, das auch unbekannt ist. Das entsprechende Taufbuch war allerdings schon im 19. Jahrhundert als vermisst gemeldet worden – nichts zu machen.

Historische Karteikarte liefert Hinweis

Kaiser aber ließ sich nicht entmutigen. Er recherchierte monatelang weiter. Und schließlich fand sich eine Spur, eine Spur des Geldes, wenn man so will: Die Begräbnisgebühr von zwei Talern habe den entscheidenden Hinweis geliefert, so Stefanie von Bargen vom Kirchenmusikbüro an Unser Lieben Frauen (ULF).

Der Hinweis fand sich im Bremer Staatsarchiv auf einer von hunderten handgeschriebenen Karteikarten, auf denen Namen und Begräbnisorte aus einem alten Unser-Lieben-Frauen-Rechnungsbuch zusammengestellt waren: „Neander Joachimus ULF“.

Der Liebfrauenkirchhof war einst der Begräbnisplatz der Liebfrauenkirche. Bis etwa 1813 wurden hier, mitten in der Altstadt, Tote bestattet. Vom 9. bis zum 13. Jahrhundert war der Kirchhof der ältesten Stadtkirche sogar der einzige Bestattungsplatz für die Bremer, die außerhalb der Domburg lebten. Archäologen sind bei Grabungen auf dem Liebfrauenkirchhof – etwa im Jahr 2010 – auf große Mengen von Skeletten gestoßen.

Kaisers Coup: „Atemberaubende Entdeckung“

Zurück zu Neander und Kaiser. Der Kirchenmusiker freut sich sehr über seinen Coup: „Der Fundort selbst ist frei zugänglich und gar nicht so wahnsinnig spektakulär. Aber dass von den zahlreichen engagierten Neander-Forschern an dieser Stelle noch keiner gegraben hat, ist schon kurios“, so Kaiser. „Und wer hätte gedacht, dass sich den Archiven auch nach fast dreieinhalb Jahrhunderten noch solche atemberaubenden Entdeckungen entlocken lassen?“

Liebfrauen-Pastor Stephan Kreutz freut sich unterdessen, dass nun „die Verbindung Joachim Neanders zu unserer Kirche in noch viel hellerem Licht erscheint“.

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