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Bremer Liebfrauenkirche feiert Liederdichter Neander

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Von: Thomas Kuzaj

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Die Bremer Liebfrauenkirche feiert den Kirchenliederdichter Joachim Neander.
Die Bremer Liebfrauenkirche feiert den Kirchenliederdichter Joachim Neander. © Kuzaj

Bremen – „Lobe den Herren!“ Die Liebfrauenkirche in der Bremer Innenstadt feiert den Kirchenliederdichter Joachim Neander – und zwar mit einem für die ganze Familie gedachten „Neander-Fest“, das am Sonntag, 19. Juni, von 10.30 Uhr bis 17 Uhr dauert. Warum der Neander-Kult in der City? Nun, zwischen der Liebfrauenkirche und Neander gibt es etliche Verbindungen – manche von ihnen sind noch gar nicht so lange bekannt.

Neander. . . ein Tal bei Düsseldorf wurde nach ihm benannt, weil er dort so gern komponierte. Und nachdem in jenem Tal Überreste eines Urzeitmenschen gefunden worden waren, ging sein Name im Wort „Neandertaler“ sogar um die Welt. Kurzum: Joachim Neander (um 1650 bis 1680), der 1680 den Text des weithin bekannten und nach wie vor beliebten Kirchenlieds „Lobe den Herren“ schrieb, dürfte einer der berühmtesten Bremer überhaupt sein.

Dabei ist der Kirchenliederdichter in Bremen geboren worden und auch hier gestorben. Wie berichtet, hatte Ulrich Kaiser, Kirchenmusiker und Leiter des Knabenchors an der Liebfrauenkirche, im vergangenen Jahr nach Recherchen im Bremer Staatsarchiv herausgefunden, wo Neander bestattet worden ist – und damit ein jahrhundertealtes Rätsel gelöst.

Bremer Kantor löst jahrhundertealtes Rätsel

Lange galt die Grabstätte des Kirchenliederdichters als unbekannt. Sie wurde an der St.-Martini-Kirche vermutet, denn Neander war 1679 Hilfsprediger an St. Martini geworden. Begraben aber wurde er am 3. Juni 1680 auf dem Liebfrauenkirchhof. Der Liebfrauenkirchhof war einst der Begräbnisplatz der Liebfrauenkirche. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts wurden hier, mitten in der Altstadt, Tote bestattet.

Nun, Kantor Kaiser beschäftigte sich weiter mit Neander – und fand noch mehr heraus. Zum Beispiel, dass sich der überlieferte Todestag – Pfingstmontag, 31. Mai 1680 – „als authentisch ansehen“ lasse. Und: „Erst vor wenigen Tagen haben wir im Staatsarchiv Bremen das bislang unveröffentlichte Eintrittsdatum Neanders in die Lateinschule gefunden.“ Sie lag im Katharinenkloster, sprich: sie war nur wenige Schritte von Unser Lieben Frauen entfernt. Neander muss als sehr junges Kind auf die Schule gekommen sein – am 2. Februar 1655, wie es heißt.

Liebfrauen-Knabenchor: Ursprünge 1528

Und Kaiser weiß noch mehr: „Besonders aufregend war auch die Entdeckung, dass die Kantoren der städtischen Lateinschule für die Kirchenmusik der Ratskirche Unser Lieben Frauen zuständig waren und somit der im Jahr 1528 gegründete Schulchor in unserem heutigen Knabenchor weiter besteht.“ Also: „Dadurch ist der Knabenchor Unser Lieben Frauen nicht nur die älteste Kultureinrichtung seiner Heimatstadt, sondern kann mit Joachim Neander auf sein berühmtestes Chormitglied blicken.“

All das inspirierte Kaiser und Kollegen nun, weltweit nach veröffentlichten Gesangbuch-Fassungen des Neander-Lieds „Lobe den Herren” (in den jeweiligen Landessprachen) zu suchen. Am Anfang waren es 35 Versionen, so Kaiser. „Wir stehen inzwischen bei 66 verschiedenen Sprachen und zahlreichen weiteren Versionen von Afrikaans bis Zulu.“

„Neander-Fest“ mit Musik und Führungen

Natürlich soll „Lobe den Herren“ auch beim „Neander-Fest“ am 19. Juni angestimmt werden, das ist ja Ehrensache. Zum Beispiel beim Gottesdienst mit dem Konzertchor des Knabenchors (10.30 Uhr). Ein „Kaffee-Mobil“ kommt, es steht „Kirchenwein“ zum Verkauf. Um 12.30 Uhr beginnt eine Bastelaktion für Kinder. Kaiser hält um 13.30 Uhr einen Kurzvortrag über die Neander-Entdeckungen der Gemeinde, mit dem Archäologen Dr. Dieter Bischop beginnt um 13.45 Uhr ein Wandelvortrag zum Thema Ausgrabungen. Um 14.30 Uhr soll es eine „Neander-Torte“ geben; um 15 Uhr folgt ein offenes Knabenchorsingen (für Drei- bis Zehnjährige). Um 15.30 Uhr beginnt eine Kirchenführung für Erwachsene.

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