„Die Bremer lachen auch gern“

„Verschwunden“: Akrobaten, Stars, Elefanten und vieles mehr im „Astoria“

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Das „Astoria“ auf einer Postkarte aus der Zeit vor dem Krieg.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Vor 110 Jahren begann die Geschichte des legendenumwobenen Bremer Varietés „Astoria“, vor 50 Jahren endete sie. Vergessen wurde sie nicht, wenngleich das Varieté nun schon lange verschwunden ist – und damit heute Thema unserer Serie.

„An dieser Stelle eröffnete Emil Fritz 1908 das Varieté ,Astoria‘“, steht auf einer Tafel an einem Eckgebäude in der Katharinenpassage. Im Herzen der Bremer Innenstadt also. „Bis zur Kriegszerstörung 1944“ und nach dem Wiederaufbau sei das „Astoria“ als „eine der schönsten Vergnügungsstätten Europas bezeichnet“ worden.

Akrobaten, Jongleure und leicht bekleidete Damen. Sänger und Musiker, Stars und angehende Stars. Dressierte Elefanten, dressierte Seelöwen. Ganz normale Leute und die feine Gesellschaft im Publikum. Kaum etwas, das es im „Astoria“ nicht gab. Kaum etwas, das hier nicht für Gesprächsstoff sorgte.

Stars wie Claire Waldoff, Heinz Erhardt und Trude Herr traten hier auf. Künstler wie Siegfried und Roy und Udo Jürgens standen auf der „Astoria“-Bühne, bevor sie berühmt wurden. Glanz, Glitter, Gloria waren im „Astoria“ zu Haus.

Erinnerungstafel in der Katharinenpassage. 

Genau so etwas muss der Gastwirt Emil Fritz (1877 bis 1954) im Sinn gehabt haben, als er anno 1908 ein Restaurant an der Katharinenstraße pachtete, für das es eine Varietékonzession gab. „Die Bremer lachen auch gern“, sagte Fritz, an den heute der Name des „Fritz“-Theaters am Herdentorsteinweg erinnert. Bis er kam, sei den Bremern aber nichts geboten worden. Nun, das änderte er gründlich.

Am 5. September 1908 eröffnete der das zum Varieté umgebaute Restaurant unter dem Namen „Astoria“, der an das feine New York erinnern sollte. Er kaufte Nebengebäude hinzu, baute das Lokal immer wieder aus und hatte ein untrügliches Gespür für Künstler und Dinge, die dem Publikum gefallen würden. Nach dem Krieg ergänzten Lokale wie die verruchte „Arizona-Bar“ und der „Klosterkeller“ das „Astoria“. „Noch schöner als früher“ – das versprachen die Plakate zur Wiedereröffnung nach dem Neuaufbau 1950. Und Fritz hielt, was er versprach.

1954 starb der Gründer, dessen Person und Wirken so eng und untrennbar mit der „Astoria“-Geschichte verbunden waren. Und die Zeiten änderten sich. Das Fernsehen kam auf im Westdeutschland des sogenannten Wirtschaftswunders. Es brachte den Leuten Varieté, Show und Musik ins Wohnzimmer.

Es waren vorwiegend ältere Stammgäste, die 1967 die Gala am Silvesterabend besuchten. Einmal noch wurde so richtig gefeiert im „Astoria“ – wie früher. Dann schloss eines der letzten Varietés des Landes. Am 1. Januar 1968 war offiziell Schluss.

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