1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bremen

Bremer Kulturkirche feiert Öffnung zur Weser

Erstellt:

Von: Thomas Kuzaj

Kommentare

Terrassen und Treppen öffnen die Kulturkirche St. Stephani jetzt zur Weser hin. Neu ist zudem die Holzskulptur des Bildhauers Gunther Gerlach.
Terrassen und Treppen öffnen die Kulturkirche St. Stephani jetzt zur Weser hin. Neu ist zudem die Holzskulptur des Bildhauers Gunther Gerlach. © Kuzaj

Bremen – Sanft ansteigende Terrassen, parkähnliche Anlage und vor allem: Öffnung zu Schlachte und Weser – der neugestaltete Außenbereich an der Kulturkirche St. Stephani im Faulenquartier ist fertig. Nun kann die „Kirche sich dem Fluss von ihrer besten Seite zeigen“, wie es eine Sprecherin der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) formuliert.

Die Stephani-Terrassen waren – wie berichtet – bereits 2018 angelegt worden. Allerdings war der Zugang bislang durch eine Mauer versperrt. Nun aber hat der Bremer Landschaftsarchitekt Georg Heinemann das Areal neu gestaltet und eben zur Weser hin geöffnet. Das ruft geradezu nach einer Einweihung – und die steht nun an: Am Sonnabend, 18. Juni, praktisch parallel zur „Langen Nacht der Museen“.

Mit Kurzführungen zu den Lichtkunstwerken von Sara Förster, die in der Kulturkirche zu sehen sind (22 und 23 Uhr). Mit Kurator Dr. Frank Laukötter, der in zwei Kurzführungen um 18 und 20 Uhr über „Das Licht in den Kirchenfenstern von Erhart Mitzlaff“ spricht. Mit musikalischen Lesungen unter dem Titel „Lyrik zu Stille und Schweigen“ um 19 und 21 Uhr (unter anderem dabei: der Bremer Verleger Madjid Mohit und der Musiker Aladdin Haddad). Und mit einer Präsentation der Skulptur „Der stille Prophet“ um 19 Uhr.

Neu: Holz-Prophet im Zentrum des Areals

Denn die Holzskulptur des Bremer Bildhauers Gunther Gerlach ist ebenfalls neu. Sie steht im Zentrum des umgestalteten Areals vor dem Westportal der Kulturkirche. Ihr Name „Der stille Prophet“ ist mehr als nur ein kleiner Gruß an den nur wenige Schritte entfernten „Rufer“ von Gerhard Marcks auf der Weserseite des Funkhauses von Radio Bremen.

Gerlach hat die 4,50 Meter hohe Arbeit speziell für diesen Ort und extra für St. Stephani geschaffen. Im Kontrast zum „Rufer“ in der Nachbarschaft versinnbildlicht „Der stille Prophet“ Ruhe und Versenkung. „Wenn wir schweigen, hören wir in der Stille eine Stimme“, so der Künstler. „Die Figur ruft nicht, sie verkündet nicht, sie schweigt, ist einfach da.“

Die lange Geschichte von St. Stephani in Bremen

Die Stephanikirche, errichtet auf einer Erhebung der Bremer Düne und somit von der Weser aus sehr gut zu sehen, geht auf das Jahr 1139 zurück. St. Stephani war 1526 (und damit vergleichsweise frühzeitig) evangelisch geworden. Bereits von Beginn an dürfte hier auch ein Friedhof gewesen sein – fast 700 Jahre lang, bis Anfang des 19. Jahrhunderts: Aufgegeben wurde der Friedhof in der „Franzosenzeit“ (Dezember 1810 bis Oktober 1813), als Napoleon über Bremen herrschte. Und Napoleon hatte Bestattungen in der Altstadt aus Gründen der Hygiene verboten.

Vor der Öffnung des Aufgangs zur Kirche zu Schlachte und Weser hatten Archäologen das Areal untersucht und zahlreiche menschliche Gebeine gefunden: Spuren der Friedhofs-Jahrhunderte, durcheinandergewirbelt von den Bomben des Zweiten Weltkriegs, die das Stephaniviertel nahezu vollständig zerstörten (und eigentlich auf die Weserbrücke abzielten).

Knochenfunde überraschen Bremer Experten

Wegen der Friedhofs-Vergangenheit waren Knochenfunde an dieser Stelle durchaus erwartet worden. Aber nicht dermaßen viele – Gebeine und Skelette von mehr als 500 Toten. Die Menge habe die Experten überrascht, sagte Dr. Dieter Bischop, der bei der Landesarchäologie für die Stadt zuständig ist, im Zusammenhang mit den Ausgrabungen. Die von den Archäologen freigelegten Gebeine sind im Sommer vergangenen Jahres erneut bestattet worden – nicht weit vom Fundort entfernt, sprich: auf der Grünfläche vor dem Nordschiff von St. Stephani.

Auch interessant

Kommentare