Podiumsdiskussion im Karton

Die Suche nach Lösungen für die Bremer Kultur- und Clubszene

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Über die Facebook-Seite der Viertel-Kneipe "Eisen" verbreitete sich ein langer Beitrag zu Problemen von Kneipen und Clubs in Bremen. 

Bremen - Von Pascal Faltermann. Das Thema brodelt: Kneipen- und Clubbetreiber erhalten Beschwerden und Auflagen - nun sehen sie die vielfältige Kultur in Gefahr. Vor allem in den sozialen Netzwerken gibt es eine Welle der Empörung und zahlreiche Kommentare zu der Problematik.

Neben dem Bremer Ostertor und Steintor kommt es auch in der Neustadt zu solchen Konflikten. Das Stadtamt Bremen steht dazwischen und versucht die Konflikte zu schlichten (wir berichteten). Am Dienstag gibt es eine Podiumsdiskussion zu dem Thema.

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Vereine wie die Musikszene Bremen oder der Clubverstärker haben bereits ihre Statements abgegeben und vor allem der lange Beitrag der Kneipe "Eisen" im Viertel verbreitet sich im Netz rasend schnell und wurde mehr als 1000 Mal bei Facebook geteilt. Geschrieben hat ihn Fernando Guerrero, Wirt und Chef im "Eisen". In seinem Text, der einem Brandbrief gleicht, skizziert er anfangs seine Sicht auf die Situation, in der Kneipen, Clubs, Cafés und Kulturzentren stecken. Einige davon gibt es seit mehr als 20 Jahren. Dann heißt es: "Doch das Viertel wie wir es kennen, ist kein in Stein gemeißeltes, subkulturelles Grundrecht. Und kaum einer erkennt die Gefahr, wie Mosaiksteinchen für Mosaiksteinchen all das wegbricht, was das Viertel ausmacht." Das Viertel ersticke an seiner Attraktivität. Die Wohngemeinschaften würden notgedrungen wegziehen und "die schönen altbremer Häuser werden zu einem schicken, grundsanierten Spekulationsobjekt mit Wertsteigerungsgarantie." Anschließend geht es in dem Text um den Kern der Sache, eine "neue Generation von Nachbarn", die nicht mehr am Dialog interessiert seien und sich über verschiedene Aspekte der Läden beschweren und nach Verordnungen und Gesetzen suchen, um Auflagen und Verbote für die Einrichtungen zu schaffen.

Die Kommentare zu diesem Beitrag des Eisens gehen fast ausnahmslos in eine Richtung: Trauer über die Situation, Unverständnis für die Nachbarn und der Wunsch danach, dass die Politik etwas tut. Am häufigsten wird virtuell der Kopf geschüttelt über Personen, die in einen Stadtteil wie das Viertel ziehen und sich vorher anscheinend keine Gedanken darüber gemacht haben, dass dort eine lebendige Kneipen- und Clubkultur eben auch Lärm verursacht.

Was in der ganzen Diskussion unterzugehen droht, sind Ideen und Ansätze für Lösungen. Doch dafür gibt es an diesem Dienstag die genannte Podiumsdiskussion. "Wie wichtig ist eine lebendige Kultur- und Clubszene für den Wirtschaftsstandort Bremen?" lautet der Titel für die Veranstaltung, die von 17 bis 19 Uhr im Karton in der Alten Schnapsfabrik (Bremen, Am Deich 86) stattfindet. Malte Prieser, Politischer Sprecher Clubverstärker Bremen, wird die Diskussion moderieren. Auf dem Podium sitzen: Sönke Busch (freier Schriftsteller und Redner), Carsten Werner (Sprecher für Kulturpolitik und Stadtentwicklung Die Grünen), Andreas Kottisch (Sprecher für Wirtschaftspolitik SPD), Marita Wessel-Niepel (Amtsleiterin Stadtamt Bremen), Carsten Meyer-Heder (Team Neusta / Unternehmer des Jahres 2014), Annemarie Czichon (Orstamtsleiterin Neustadt/Woltmershausen) sowie Norbert Schütz (Litfass) und Julia von Wild (freie Kulturmanagerin).

In der Einladung zu der Veranstaltung heißt es: "Bremen verliert einen großen Teil der Studenten nach deren Ausbildung in andere Städte. Die Attraktivität und Lebensqualität eines Standortes ist ein wichtiger Entscheidungsfaktor bei der Akquirierung von Fachkräften. Eine lebendige Kulturszene setzt Diversität voraus, ein breites Angebot fördert die gesamte Entwicklung. Doch wo sind die Standorte? Zur Zeit ist eine Entwicklung zu betrachten, die einer kulturellen Entfaltung entgegensteht - wegen der Interessen einiger weniger. Als Beispiel können hier die Dete, der Karton in der Alten Schnapsfabrik, das Litfass, die Lila Eule und das Lagerhaus genannt werden. Im Viertel wird das Angebot aufgrund von Nachbarschaftsbeschwerden immer weiter eingegrenzt. In der Neustadt, wo sich gerade viel entwickelt, werden Akteuren teilweise Steine in den Weg gelegt, weil Einzelpersonen mit Veränderungen nicht leben wollen. Einzelne Beschwerden gehen direkt an Stadtamt und Polizei, anstatt mit den Beteiligten zu sprechen und gemeinsam Lösungen zu suchen. Einige wenige sind dadurch in der Lage, die Interessen sehr vieler Anderer zu verhindern. Die Alte Schnapsfabrik, als ein neuer kreativer Hotspot in der Bremer Neustadt lädt ein, mit Beteiligten zu diskutieren. Wir suchen nach einer Lösung, die das Miteinander stärkt."

Bernd Trusheim, Anwohner der Alten Schnapsfabrik, hat in einer Pressemitteilung zu der Veranstaltung erklärt, dass er als Hauptbeteiligter von den Veranstaltern nicht eingeladen worden sei. Er bittet um das Verlesen einer von ihm verfassten Stellungnahme. Er könne nicht teilnehmen, da er in Süddeutschland weilt. Trusheim ärgert sich in seinem Schreiben über seiner Meinung nach falsche Anschuldigungen und Lügen, die von dem Betreiber des neuen Cafe/Bistro Karton in die Öffentlichkeit und Medien hineingetragen werden. 

Personen, die in der Alten Schnapsfabrik arbeiten, und auch die Gründer des Kartons widersprechen diesen Beschuldigungen. Sie verweisen mehrfach darauf, das Gespräch gesucht zu haben. Sie werden an der Podiumsdiskussion teilnehmen. 

Mittlerweile hat sich auch eine Facebook-Gruppe unter dem Titel "Das Viertel in Bremen - Geschichte und Kultur erhalten!" gegründet, die Fotos aus dem Bremer Viertel sammelt und eine Ausstellung plant. 

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