Bremer Jugendliche nehmen Spitzenpolitiker ins Kreuzverhör

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Schüler haben vor der Bremer Bürgerschaftswahl mit den Spitzenkandidaten von SPD, Grünen, CDU und Linken über aktuelle politische Themen diskutiert. Hier: Kristina Vogt, Linke-Spitzenkandidatin.

Bremen - Schüler haben vor der Bremer Bürgerschaftswahl mit den Spitzenkandidaten von SPD, Grünen, CDU und Linken über aktuelle politische Themen diskutiert.

Die Kontrahenten liefern sich einen Schlagabtausch im Minutentakt. Wortgewandt begründen sie ihre Haltung. Kurz darauf legt die Gegenseite mit Argumenten nach. Es ist Wahlkampf in Bremen. Doch an diesem Tag diskutieren nicht Politiker gegnerischer Parteien, sondern Jugendliche mit den Spitzenkandidaten von SPD, Grünen, CDU und Linken - und sie machen es ihnen nicht leicht. Denn auch sie sind Debattierprofis und haben eine ganz andere Meinung als die Politiker.

Die 18-jährige Julia Hartzsch blickt CDU-Spitzenkandidatin Elisabeth Motschmann direkt in die Augen, als sie gegen die Frauenquote wettert. „Wovon Sie sprechen, das ist eine Gleichberechtigung auf dem Papier.“ Die Quote bringe den Frauen gar nichts. Sie erwecke nur den Eindruck, dass Frauen sich führende Positionen aus eigener Kraft nicht erkämpfen könnten. Auch Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD), die grüne Finanzsenatorin Karoline Linnert und Linken-Fraktionschefin Kristina Vogt müssen viel Kontra hinnehmen.

In den vier Rededuellen am Mittwoch im Landtag tritt jeweils ein Politiker gegen einen Schüler an. Ihr rhetorisches Geschick haben die jungen Leute schon beim Wettbewerb „Jugend debattiert“ bewiesen. Selbstbewusst stellen sie sich den Politikern entgegen, kontern gekonnt deren Argumente und lassen sich nicht aus dem Konzept bringen. Nach einer zweiminütigen Eröffnungsrede hat jede Seite abwechselnd eine Minute Zeit, ihre Meinung zu begründen. Eine Glocke ertönt, wenn die Zeit abgelaufen ist.

Bürgermeister Jens Böhrnsen bleibt immer drunter. Knapp und prägnant erläutert er, was für ein Einwanderungsgesetz spricht. Doch Philipp Heider überzeugt das nicht. So ein Gesetz unterteile Zuwanderer nur in nützliche Fachkräfte und unnütze Asylbewerber, die in letzter Zeit verstärkt angefeindet werden. „Wie wollen Sie mit so einem Gesetz die Anfeindung beenden?“, fragt der 18-Jährige. Immer wieder hakt er kritisch nach, von Nervosität angesichts des prominenten Gesprächspartners keine Spur.

Nach jeder Diskussionsrunde können die rund 250 Schüler im Publikum abstimmen, welche Argumente sie überzeugender finden. Mal halten mehr von ihnen grüne „Pro“-, mal rote „Kontra“-Karten hoch. Danach können sie den Kandidaten selbst noch Fragen stellen. Gerade das findet der 17-jährige Lukas Baumheier gut. „Unsere Interessen haben in der Politik nicht so große Priorität. Wir sind wegen des demografischen Wandels einfach nicht so viele wie die älteren Wähler.“

Seit der vergangenen Bürgerschaftswahl dürfen in Bremen auch Jugendliche ab 16 Jahren ihre Stimme abgeben. Eine Mehrheit für die rot-grüne Koalition scheint auch diesmal so gut wie sicher. Dass Lukas Baumheier am 10. Mai trotzdem zur Wahl gehen wird, ist für ihn selbstverständlich. Der Auftritt der Spitzenkandidaten hat aber keinen Einfluss darauf, wo er seine Kreuze machen wird. „Ich war in meiner Entscheidung vorher schon sicher.“ Die 17-jährige Lina Janzen fühlt sich nach der Veranstaltung sogar noch mehr bestätigt. „Mir hat das noch mal gezeigt, welche Parteien ich nicht wählen will.“

dpa

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