„Ein hartes Stück Arbeit“

Geschäftsbericht: Jacobs-Universität steigert Umsätze und macht weniger Verlust

+
Blick auf den Campus der Jacobs-Universität in Grohn: Die Privatuni hat zum vierten Mal in Folge ihre Verluste verringert.

Bremen - Von Viviane Reineking. Von Spenden und Zinsen wollte sie ursprünglich bestehen, doch das Finanzierungsmodell ist an der Jacobs-Universität in Bremen-Nord längst gescheitert. Es folgten vier Jahre der Neuausrichtung. Aus ihrem aktuellen Geschäftsbericht geht nun hervor: Erneut hat die englischsprachige Privatuni ihre Verluste verringert.

Mehr Studenten, steigende Umsätze: Die Jacobs Universität befinde sich „auf Erfolgskurs“, so Jacobs-Präsident Prof. Michael Hülsmann im aktuellen Geschäftsbericht 2017. Demnach konnte sie ihr Geschäftsergebnis zum vierten Mal in Folge verbessern. Insgesamt hat die Jacobs-Universität ihre Erlöse (Umsätze) im Vergleich zu 2016 um 5,9 Prozent auf 50,2 Millionen Euro gesteigert. Das Minus schrumpfte im Vergleich zum Vorjahr um rund eine Million Euro auf 790 000 Euro. „Die Erfolgsgeschichte geht weiter“, so Hülsmann.

Eingeflossen in das Jahresergebnis sind Zuwendungen der Jacobs Foundation in Höhe von 11,2 Millionen Euro und der Stadt Bremen (drei Millionen Euro). Ohne sie beläuft sich der Verlust auf knapp 15 Millionen Euro. Vor fünf Jahren waren es noch 32 Millionen Euro.

Nach wie vor ist die Jacobs-Uni auf Zuwendungen angewiesen: Die Jacobs-Stiftung unterstützt die Uni bis zum Jahr 2027 mit maximal 100 Millionen Schweizer Franken, im Juni beschloss der rot-grüne Senat die Übernahme eines 50-Millionen-Euro-Kredites (es stehen noch 46 Millionen Euro aus).

Jacobs-Präsident Michael Hülsmann

Zurück zum Jahr 2017: Das Mehr an Umsatz wurde vor allem durch eine größere Anzahl an Studenten erreicht, wie es heißt. Die stieg von 1 244 im Jahr auf 1 399. Sie kommen aus 110 Ländern. 80 Prozent kommen aus dem Ausland an die Weser, rund ein Drittel aus dem asiatischen Raum. Die Studenten bringen jetzt mehr Geld in die Kasse, erhalten weniger Stipendien.

Wachstum auch beim Umsatz: Vor allem die Bachelorprogramme erweisen sich für die Uni als lohnenswert. Mit ihnen erzielte die Universität einen Umsatz von 17,8 Millionen Euro, 14,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Steigende Umsätze auch bei Studienvorbereitungskursen sowie Master-Programmen.

Und bei Weiterbildungsangeboten: Hier zeigt sich, dass die Uni neben Studenten und Forschungsaufträgen mittlerweile auf die Wirtschaft als Kunden und Einnahmequelle setzt. Vor allem im Fokus: der chinesische Markt. So habe ein chinesisches Maschinenbauunternehmen in diesem Sommer wiederholt angehende Führungskräfte für vier Monate zur Schulung nach Bremen geschickt.

Steigende Erlöse auch bei Forschung und Lehre

Auch bei der Forschung und Lehre konnte die Jacobs-Uni nach eigenen Angaben die Erlöse steigern. Die Uni arbeitet immer mehr mit Unternehmen zusammen, forscht an Produkten, die dann vermarktet werden können. Gemeinsam mit dem Schweizer Schokoladenproduzenten Barry Callebaut etwa sei die Jacobs-Uni an der Entwicklung eines neuen Schokoladentypus beteiligt gewesen: der rosa Schokolade „Ruby“. Trotz des Wachstumskurses seien die Ausgaben für den laufenden Betrieb nur geringfügig gestiegen, teilt die Universität mit.

Gegenüber 2012 habe sich das Betriebsergebnis um 20,3 Millionen Euro verbessert, wie die Uni mitteilt. Der Blick zurück und nach vorn zeige, dass der Vier-Jahres-Plan aus dem Jahr 2014 zur Neuausrichtung mehr als erfüllt wurde, bilanziert Hülsmann am Ende der Restrukturierungsphase. Für 2018 steuert die Einrichtung Jacobs-Sprecher Heiko Lammers zufolge auf einen ausgeglichenen Haushalt zu. „Wir werden alles daran setzen, um ihren Wachstumskurs voranzutreiben“, sagt Hülsmann. Der Präsident weiß aber auch: „Es liegt weiterhin ein hartes Stück Arbeit vor uns.“

Hintergrund: Reaktionen auf Sanierungskurs

Der Geschäftsbericht verdeutliche, dass die Uni wirtschaftlich auf einem guten Weg sei und dem Ziel der wirtschaftlichen Eigenständigkeit immer näher komme, so Tim Cordßen, Sprecher von Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD).

Mit einer solchen wirtschaftlichen Entwicklung der Jacobs-Universität hat die Linksfraktion in der Bremischen Bürgerschaft nicht gerechnet, so der wirtschaftspolitische Sprecher Klaus-Rainer Rupp. Sie hatte die Förderung mit Landesmitteln in der Vergangenheit kritisiert, die Jacobs-Uni als „Fass ohne Boden“ bezeichnet. Nach Rupps Berechnungen könne die Jacobs-Uni zukünftig durchaus ohne öffentliche Zuwendungen auskommen. „Die Drohkulisse der Schließung der Jacobs-Uni, mit der vergangene Zuwendungen begründet wurden, existiert nicht länger.“ Das Geld aus der Kreditübernahme, etwa 2,5 Millionen Euro jährlich, werde künftigen Haushalten fehlen“, so der Linkspolitiker.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Jugend-Challenge in Verden

Jugend-Challenge in Verden

Fast 80 Tote nach Buschfeuern in Kalifornien

Fast 80 Tote nach Buschfeuern in Kalifornien

May warnt vor Putsch im Brexit-Streit

May warnt vor Putsch im Brexit-Streit

SCT-Ball in Twistringen

SCT-Ball in Twistringen

Meistgelesene Artikel

Besuch beim Friseur endet für Falschparker im Krankenhaus

Besuch beim Friseur endet für Falschparker im Krankenhaus

Polizei geht gegen Drogen- und Straßenkriminalität vor

Polizei geht gegen Drogen- und Straßenkriminalität vor

Staatsanwalt fordert im „Mordfall ohne Leiche“ Freispruch für den Angeklagten

Staatsanwalt fordert im „Mordfall ohne Leiche“ Freispruch für den Angeklagten

„Bremen zeigt Gesicht“: 5.000 Menschen demonstrieren für offene Gesellschaft

„Bremen zeigt Gesicht“: 5.000 Menschen demonstrieren für offene Gesellschaft

Kommentare