Jacobs-Professor ist ein Formel-Jongleur

Guiseppe Thadeu Freitas de Abreu: „Daten sind das neue Gold“

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Für den gebürtigen Brasilianer Guiseppe Thadeu Freitas de Abreu beginnt ein guter Tag mit einem Problem. Abreu ist Professor für Elektroingenieurwesen und Computerwissenschaft an der privaten Jacobs-Universität in Grohn.

Bremen - Für ihn beginnt ein guter Tag mit einem Problem: Guiseppe Thadeu Freitas de Abreu erwacht am liebsten mit einer Frage im Kopf. Gleich nach dem Aufstehen, noch vor Brötchen und Kaffee, wird alles notiert. In seinem Büro gewinnt die Frage an der Tafel dann an Form(eln).

Der gebürtige Brasilianer ist Professor für Elektroingenieurwesen und Computerwissenschaft an der privaten Jacobs-Universität in Grohn im Bremer Norden. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt auf der Informationstheorie – auf mathematischen Formeln, die ein technisches Problem möglichst genau beschreiben, und auf deren Einsatz in der Technik. Wie der Zirkuskünstler seine Bälle wirft und fängt, notiert Abreu Gleichungen an die Tafel, verschiebt sie hin und her, bis hinter dem Gleichheitszeichen ein Code steht – eine Formel, die einen bestimmten technischen Zusammenhang beschreibt. „Ich finde ein Problem im täglichen technischen Leben und frage mich: Wie lässt sich dies technisch schlau lösen? Dann habe ich eine Idee. Und jede Idee kann in einen Code übersetzt werden.“

Seine Codes bilden die Grundlage, um digitale Dinge weiterzuentwickeln. Einer seiner Schwerpunkte ist die drahtlose Signalübermittlung und -wandlung. Ob in der Autoindustrie, dem Transportwesen, der Besucherlenkung oder bei einem demenzkranken Patienten, der orientierungslos losspaziert – überall geht es um die Frage: Wo ist was zu welcher Zeit und wie lässt sich dies ohne feste Kabelverbindung orten? Ein Beispiel für hochmoderne drahtlose Ortung ist das neue Tracking-System, entwickelt von der Firma Zigpos in Dresden, deren Mitbegründer Abreu ist und die er bis heute fachlich berät. 

Dabei kann ein drahtloses Sensornetzwerk die Position von Trägern spezieller Chipkarten bestimmen und deren Weg auf fünf Zentimeter genau verfolgen. Auf der Hannover-Messe 2017 wurde das System erstmals einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt. Im Rahmen des EU-weiten Projektes Hights („High Precision Positioning for Cooperative“) arbeiten Abreu und sein Team daran Autos, Motorroller, Fahrräder und eventuell sogar Fußgänger in eine automatische „Unterhaltung“ über ihre jeweilige Position zu bringen – und das ebenfalls auf wenige Zentimeter genau.

Auch Regensensoren können wertvoll sein

Daten sind für Abreu „das neue Gold“. Sie werden aus seiner Sicht nur noch wenig genutzt. Ginge es nach ihm, würden zum Beispiel die Regensensoren, mit denen mittlerweile viele Autos ausgestattet sind, ihre Daten automatisch in ein zentrales System speisen. „Das ist wertvolles Wissen über das örtliche Wetter, etwa für gezielte Unwetterwarnungen.“

Abreu hat in Brasilien Naturwissenschaften studiert, ein Auslandspraktikum führte ihn an die Uni Oldenburg. Dort kam er zum ersten Mal damit in Berührung, dass Forschung nicht nur an der Tafel stattfindet. „Ich habe lauter Formelzusammenhänge im Kopf. Und da waren Entwickler, die das umsetzen konnten. Plötzlich kam mehr heraus, als bloß Zahlen.“

Weil Deutschland kein passendes Stipendienprogramm für den Masterabschluss hatte, zog es Abreu nach Yokohama in Japan, wo er auch promovierte und eine Weile für Sony arbeitete. Er spricht fließend Japanisch und ist auch mit einer Japanerin verheiratet. Gemeinsam ging es weiter nach Oulu in Finnland. An der der dortigen Universität gab es eine große Abteilung, deren Mitarbeiter sich alle mehr oder minder mit drahtloser Signalübertragung beschäftigen, gefördert von Nokia. Doch als 2001 der Ruf aus Bremen kam, zögerte er nicht lange: „Es war wie nach Hause zu kommen.“

Für Abreu und seine Familie bietet die Jacobs-Universität genau das richtige Flair. „Ich liebe diese Universität. Sie ist einzigartig, ein großartiger Ort“, sagt er.

Gerade den Geist der Internationalität leben Abreu und seine Familie auch privat. Abreu selbst spricht auch Portugiesisch und Englisch, Deutsch versteht er gut. Seine Frau hat recht gut Finnisch gelernt. Die Kinder sprechen untereinander Deutsch, mit ihm Portugiesisch und der Mutter Japanisch.

jop

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