Bremer Hochschulen bieten mit „One Week Student“ Einblicke in Abläufe

Studienluft schnuppern

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Max Schönemann (v.l.), Schüler am Nebelthau-Gymnasium, Sarah Winkelmann, Studentin an der Jacobs-Universität, und Valentin Dehs, Student an der Uni Bremen, können das Projekt „One Week Student“ jedem Oberstufenschüler als Orientierungshilfe empfehlen.

Bremen - Von Doris Friedrichs. Etwa 28 Prozent aller Studenten brechen ihr Studium ab, 70 000 junge Menschen sind das pro Jahr. Das besagen zumindest Zahlen des Bundesbildungsministeriums. Rund 30 Prozent der Studenten wechseln das Studienfach. Das deutschlandweite Projekt „One Week Student“ könnte da für Abhilfe sorgen.

Im März 2012 gegründet, wird es seit rund einem Jahr auch in Bremen angeboten. Oberstufenschülern bietet es die Möglichkeit, drei bis fünf Tage gemeinsam mit einem Studenten in dessen Studiengang hineinzuschnuppern. Max Schönemann ist einer von bisher etwa 30 Schülern in Bremen, die am Projekt teilgenommen haben. Er habe keine Ahnung gehabt, was er studieren und beruflich machen wolle, gibt der angehende Abiturient am Nebelthau-Gymnasium in Lesum zu. „Ich wollte mir deshalb das Leben als Student angucken, bevor ich die Entscheidung treffe, was ich mache.“ Vier Tage lang begleitete er im vergangenen Sommer Valentin Dehs, Regionalleiter für „One Week Student“, bei seinem Studium für Wirtschaftsingenieurwesen an der Bremer Uni. Das habe ihn begeistert, sagt der 18-Jährige. Die Atmosphäre, die Freiheit, sich den Tag einzuteilen, das Informationslabor und mehr. „Studium ist nicht nur Theorie, sondern auch Praxis. Ich kann es nur jedem empfehlen, das Angebot ,One Week Student‘ wahrzunehmen“, sagt Max, der sich inzwischen für ein Studium der Betriebswirtschaft entschieden hat.

„In Deutschland gibt es Tausende von Studiengängen, Hunderte von Hochschulen und meistens keinen Plan“, heißt es auf der Internetseite von „One Week Student“. Das Projekt gebe eine Antwort auf die Frage, welcher Studiengang der richtige ist und bringe Studieninteressierte und Studenten zusammen – inklusive der Möglichkeit, den Schüler bei sich zu Hause aufzunehmen.

In Bremen bietet die Uni 16 Studiengänge, die Hochschule zwei und die Jacobs-Universität elf – von Angewandter Mathematik bis Physik, von Biochemie bis Sozialwissenschaften, von Psychologie bis Logistik. Nach den Worten von Sarah Winkelmann, Studentin für Politikwissenschaft und Geschichte an der Jacobs-Uni, haben sich dort 30 Studenten für eine „Patenschaft“ bereiterklärt.

„Jeder Student, der an dem Projekt teilnimmt, ist superbegeistert“, sagt Valentin Dehs. „Mir ist die Wahl schwer gefallen“, gibt der 21-Jährige zu. „Es war ein Glückstreffer, dass es das Richtige war, was ich gewählt habe.“ „Man ist nicht nur überfordert, was man studieren will, sondern auch, wie das Ganze überhaupt abläuft“, ergänzt Sarah Winkelmann. „Es ist viel zu theoretisch, wenn ein Professor etwas über den Studiengang erzählt.“

„One Week Student“ sei wie ein Guide durch die Uni und das Angebot unbegrenzt. Soll heißen: Die Teilnahme muss nicht auf eine einmalige Erfahrung begrenzt sein. „Man kann sich vielseitig orientieren“, betont Valentin Dehs. „Wenn man sich das organisiert, kann man theoretisch mehrere Wochen durch Deutschland touren.“

Das Projekt wachse derzeit kontinuierlich. Bundesweit sind 1 655 Gastgeber in 99 Städten und 5 352 Nutzer registriert. 455 Studiengänge an 157 Hochschulen stehen zur Verfügung. Das Projekt lebt von Stiftungsgeldern und Spenden. Für Schüler sei es kostenlos. Ein bundesweites Kernteam, zwölf Studenten und Doktoranden, trifft sich mehrmals im Jahr. Alles Ehrenamtliche, die sich beispielsweise um den Internetauftritt, das Werbematerial, Messestände und mehr kümmern. „Wir schauen zuversichtlich in die Zukunft, dass wir Abbrecher- und Wechsler-Quote reduzieren können“, zeigt sich Valentin Dehs optimistisch.

Infos unter „s.winkelman@oneweekstudent.de“.

www.oneweekstudent.de

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