Briefträger und Bargeld

Bremer „Herbsthelfer“ sollen Senioren das Alltagsleben erleichtern

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Sie wollen Bremer Senioren mit dem Verbund „Herbsthelfer“ unterstützen – von links gesehen: Professor Herbert Kubicek, Finanz-Staatsrat Henning Lühr und Bürgermeisterin Karoline Linnert. „Wir wollen das Leben von Senioren erleichtern“, sagt Linnert.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Immer mehr ältere Menschen leben allein“, sagt Finanzsenatorin und Bürgermeisterin Karoline Linnert (Grüne). Das Zeitalter der Digitalisierung schafft neue Hürden. Um den Alten zu helfen, haben Verwaltung, Wohlfahrtsverbände und die Post den Verbund „Herbsthelfer“ gegründet, der Senioren den Alltag erleichtern und obendrein für Kontakt von Mensch zu Mensch sorgen soll. Eine wichtige Rolle spielen dabei – wie berichtet – Postboten.

Die Seniorendienste der „Herbsthelfer“ gehen jetzt in eine Testphase, die Professor Herbert Kubicek vom Institut für Informationsmanagement an der Uni wissenschaftlich begleitet. Linnert nennt die Fragen, die Kubicek klären soll: „Was klappt? Was können wir verbessern? Welche zusätzlichen Angebote wären eine sinnvolle Ergänzung?“ Für die „Herbsthelfer“-Angebote kooperieren Bremens Verwaltung, die Stadtbibliothek, das Rote Kreuz, die Arbeiterwohlfahrt, die Caritas und der Paritätische. Außerdem dabei: AOK, Sparkasse und Johanniter. Und eben: die Post. Mit sechs Projekten – die erstmal bis Mitte 2019 laufen sollen – legen die Bremer „Herbsthelfer“ jetzt los:

  • „Post persönlich“, eine Erweiterung des Hausnotrufs der Johanniter, beginnt im Mai zunächst in Schwachhausen. Ziel sei es, zunächst einmal 50 Hausnotruf-Kunden für „Post persönlich“ zu gewinnen. Die Idee: Briefträger klingeln – je nach Vereinbarung alle zwei Tage oder an sechs Tagen die Woche – bei den Senioren, übergeben ihnen die Post, fragen und schauen, ob Hilfe gebraucht wird. Wenn ja, informieren sie den Hausnotruf, der im Projektzeitraum 39,95 Euro monatlich kostet (sonst 43 Euro, wie es weiter hieß). „Post persönlich“ kostet für drei Tage monatlich nun Euro, für sechs Tage pro Woche 15 Euro monatlich.

Dienstleistungen wie diese könnten dazu beitragen, dass Ältere länger in der gewohnten Umgebung leben können, sagt Dr. Ole Nordhoff, der bei der Deutschen Post für das Briefgeschäft verantwortlich ist. In Schwachhausen seien insgesamt 25 Zusteller im Einsatz. Es gelte nun, die Resonanz abzuwarten und Dienstpläne anzupassen. Freuen die Zusteller sich über die neuen Aufgaben? „Es ist nicht so, dass wir jemanden zwingen müssen.“

  • „Lotsenprojekt“: AWO, Caritas, Rotes Kreuz und der Paritätische kooperieren mit der Post, um ab Freitag, 20. April, zunächst in Horn, Walle und Huckelriede gezielt auf ihre Angebote der Nachbarschaftshilfe („Dienstleistungszentren“) aufmerksam zu machen. Zudem werden Ehrenamtliche gesucht, die Senioren im Haushalt helfen, Einkäufe machen oder einfach auf einen Schnack vorbeikommen wollen.
  • Bargeldservice: Sparkassenkunden können jetzt per Telefon Bargeld – maximal 500 Euro – anfordern. Die Post bringt den Senioren das als neutrale Briefsendung verpackte Geld dann ins Haus.
  • Ummeldeservice: Ab Juli kommen Mitarbeiter des Bürgeramts mit einem „mobilen Verwaltungsapparat“ (Finanz-Staatsrat Henning Lühr) in Häuser der Bremer Heimstiftung. Bewohner können dann Ummeldeformalitäten erledigen, Ausweise und Pässe beantragen – die ihnen dann auch gebracht werden.
  • Formularservice: Unter der Nummer 115 können Senioren ab Juli Formulare bestellen – etwa Wohnberechtigungsscheine und Formulare für die Hundesteuer. Der Gang zum Amt entfällt so – ebenso der Weg ins Internet, der für etliche Ältere auch eine große Hürde ist.
  • Stadtbibliothek und Sparkasse stellen 15 Einrichtungen der Heimstiftung E-Reader und Tablets zur Verfügung. Ab Mai wird zudem ein Bring- und Abholdienst für Bücher, Hörbücher und CDs eingerichtet.

All die Projekte und Dienstleistungen seien als „Unterstützung für aktive Nachbarschaften“ gedacht. Bremen unterstützt die „Herbsthelfer“ in diesem Jahr und 2019 mit insgesamt 460.000 Euro. „Für die wissenschaftliche Begleitung und den Formularservice“, so Linnert. Es fließe kein öffentliches Geld an die Post. Und: „Ich werde dafür kämpfen, dass wir die ,Herbsthelfer‘ auf der Basis der gesammelten Erfahrungen fortsetzen können. So etwas funktioniert nicht als Eintagsfliege.“

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