Archäologen stoßen in Arsten auf 2 000 Jahre alte Tierknochen

Bremer Goldgrube

Der Herr der Knochen: Grabungsleiter Jan Geidner zeigt die Überreste eines Rindes aus dem 17. Jahrhundert.
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Der Herr der Knochen: Grabungsleiter Jan Geidner zeigt die Überreste eines Rindes aus dem 17. Jahrhundert.

Bremen – Eine Baugrube mitten in Arsten. An der Handwerkstraße. Hier stand bis vor wenigen Jahren ein Bauernhaus auf einer Wurt. 2015 wurde der Hof abgerissen. Es war wohl der letzte in Arsten. „Es gibt hier keinen einzigen aktiven Hof mehr“, sagt Friedrich Greve vom Arbeitskreis Arster Geschichte(n). Jetzt soll das Areal bebaut werden. Mit einem Mietshaus. Doch noch untersuchen die Archäologen die Relikte des Bauernhauses und die umliegenden Flächen. F��r Landesarchäologin Prof. Dr. Uta Halle, Grabungstechniker Jan Geidner und ihr Team ist das Areal eine Goldgrube.

„Die archäologischen Funde zeigen an, dass auf der Fläche und in der näheren Umgebung schon in den ersten Jahrhunderten nach Christi und danach immer wieder gesiedelt wurde“, sagt Halle. Viele Spuren stammen aus dem Mittelalter, die jüngsten aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, aus der Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg – Fliesen von einer Heizungsabtrennung oder von einem Badezimmerumbau.

„Tortenstücke“ im „Terrassensand“

Jan Geidner hockt an einem Erdloch, einem etwa ein Quadratmeter großen Streifen im „Planum“, der Oberfläche der Bodenschicht. Quadratmeter für Quadratmeter schneiden die Archäologen ihre „Tortenstücke“ aus der Wurt, fotografieren und vermessen sie. „Photogrammetrie“ heißt diese berührungslose Messmethode.

Zurück ins Erdloch: Knochen sind zu sehen, Skelettteile. Es sind die Überreste eines Rinds. Der Ausgrabungsingenieur ordnet sie dem 17. Jahrhundert zu. Darauf deuten die jüngsten Funde in diesem Erdstreifen hin. Auch das sind Keramikteile. Das genaue Alter und Geschlecht des Tieres wird ein Archäozoologe bestimmen.

„Das Rind war offensichtlich krank“, sagt Geidner. „Es wurde im Ganzen in die Grube gelegt“, fährt er fort. „Es liegt im Verbund. Alle Skelettteile sind da, wo sie hingehören.“ Die Kuh oder der Bulle wurde begraben und nicht geschlachtet. Wahrscheinlich verbotswidrig. Schließlich habe es schon im 16. Jahrhundert Erlasse gegeben, die es den Bauern untersagten, verendete Tiere auf dem eigenen Grundstück zu bestatten.

Vom Lesen in Bodenschichten

Die Knochen, die Skeletteile sind für Laien und Presseleute gut zu erkennen. Geidner erläutert dann nachvollziehbar, wie das Rind wohl in seinem Grab gelegen haben muss. Weiter geht es. An den Rand der Baugrube, wo die Archäologen verschiedene Bodenschichten abgetragen und mit kleinen Nummerntäfelchen markiert haben. „Die Schichten werden aufgeschnitten wie eine Zwiebel“, sagt Geidner. Er spricht von „Terrassensand“. Und weiter: „Man kann in den Bodenschichten lesen.“ Und die geben Hinweise auf eine „strenge Siedlungskontinuität“ an einer der höchsten Stellen Arstens.

Die ersten Gräben und Schichten ordnet das Team dem ersten und zweiten Jahrhundert zu. Unter anderem seien Keramikteile aufgefunden worden, die in der Zeitenwende datiert sind. Und bereits vor jetzt gut 2 000 Jahren wurden hier Tiere verklappt. Reste von einem Pferd und zwei Schweinen haben die Archäologen freigelegt. „Die Knochen sind phänomenal gut erhalten“, sagt Geidner. Besser als die des Rindes aus dem 17. Jahrhundert.

Dieser Freitag ist der letzte Grabungstag für die Archäologen auf der Wurt in Arsten. Uta Halle atmet kurz auf. „Wir haben derzeit mehrere Grabungsstellen in Bremen“, sagt sie. Unter anderem in Mahndorf. Und auf dem Hochschulgelände. „Wir rotieren nur noch.“

Von Jörg Esser

Ein Blick in die Grube: Was aussieht wie ein Fahrradsattel, ist ein Knochenstück von einer fast 2000 Jahre alten Schweineschulter.
Rückblick: So sah das Bauernhaus, auf dessen Areal die Archäologen jetzt unter anderem Tierknochen gefunden haben, im Jahr 1932 aus.

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