Bremer Gesundheitswissenschaftler kritisiert Sonderstellung der Homöopathie

„Der Glaube reicht nicht“

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Die einen schwören auf ihre positive Wirkung, die anderen halten sie für Humbug: Jetzt kritisiert der Bremer Gesundheitswissenschaftler Norbert Schmacke die rechtliche Bevorzugung der Homöopathie in Deutschland.

Bremen - Von Viviane Reineking. Als alternative Behandlungsmethode erfreut sich die Homöopathie großer Beliebtheit. Sie sei jedoch mit den ethischen Grundsätzen der Medizin unvereinbar. Das sagt der Bremer Wissenschaftler Prof. Dr. Norbert Schmacke, Gesundheitsforscher am Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) der Universität Bremen.

Schmacke hat eine Literaturstudie verfasst: „Der Glaube an die Globuli – Die Verheißungen der Homöopathie“ heißt sein Buch, das Anfang November erscheint. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht der Umstand, dass die Homöopathie in Deutschland als besonderes Therapieverfahren vom Gesetzgeber geschützt sei, obwohl es keine anerkannten Belege für deren Wirksamkeit und Nutzen gebe.

In der Bewertung von Homöopathie und Schulmedizin messe der Gesetzgeber „mit zweierlei Maß“: „Homöopathische Präparate werden marktfähig, wenn eine beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodulte angesiedelte Gruppe von Homöopathen sich einigt, dass sie ein Präparat für gut befinden“, so der Gesundheitswissenschaftler.

Und das ohne die für schulmedizinische Präparate im Arzneimittelgesetz fixierte Auflage der Prüfung aufwendiger klinischer Studien, so Schmacke. Das sei möglich geworden, weil der Gesetzgeber die Homöopathie zum besonderen Therapieverfahren ernannt hat, für das laut Schmacke die normalen Gesetze der Qualitätssicherung nicht gelten. Weitere Voraussetzung sei, dass eine entsprechende Nachfrage unter den Kranken bestehe. „Derart unterschiedliche Maßstäbe im Vergleich zur Schulmedizin sind unter dem Gesichtspunkt des gesundheitlichen Verbraucherschutzes ethisch nicht verantwortbar“, so der Wissenschaftler. Er sagt: „Der Glaube an die Wirkung von Globuli reicht nicht.“

Die ethischen Grundprinzipien sieht der Bremer Forscher auch in einem weiteren Aspekt verletzt. Erkrankte würden demnach in der Homöopathie nicht darüber aufgeklärt, dass nach vorliegender wissenschaftlicher Erkenntnis der erlebte Nutzen ausschließlich auf sogenannte Placebo-Effekte zurückgeführt werden könne. Diese können durch eine positive Erwartungshaltung gegenüber einer Behandlung oder durch einen konditionierten Reiz – eine unbewusst erlernte Reaktion auf einen Reiz – ausgelöst werden. Aktivierungen im Gehirn können den Stoffwechsel beeinflussen und so körperliche Reaktionen bewirken. Homöopathen aber seien gerade von der pharmakologischen Wirkung der sogenannten Hochpotenzen überzeugt, obwohl darin kein einziges Molekül nachweisbar sei. „Sie glauben tatsächlich daran, dass es möglich ist, mit Nichts zu heilen“, schreibt Schmacke im Buch.

Placebos unter diesen falschen Heilversprechen einzusetzen, sei illegitim, so Schmacke. Er kritisiert, dass Homöopathen sogar alleinige Heilerfolge auch bei schweren Krankheitsbildern wie Krebs und Schlaganfall versprechen. Der Gesetzgeber müsse die „überkommene Sonderbehandlung besonderer Therapieverfahren“ beenden. Alleine die Beliebtheit der alternativmedizinischen Behandlungsmethode könne kein Argument dagegen sein, so Schmacke.

Allerdings appelliert der Gesundheitsforscher an die Schulmedizin, sich stärker für subjektive Krankheitstheorien und Bewältigungsstrategien zu interessieren.

www.ipp.uni-bremen.de

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