„Theaters Interaktiwo“: Sanfter Horror für die Familie

Die Bremer Gespenstertour geht in die zweite Runde

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Wigberdus alias Christine Renken lädt ein zur Bremer Gespensterführung. In der Hand hält er Kollege Flippsi Flippsella, eine Fledermaus aus dem Dom.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Eine unheimliche Gestalt nähert sich dem Taxifahrerbrunnen an der Liebfrauenkirche: Wigberdus, in Szene gesetzt von Christine Renken vom „Theater Interaktiwo“. „Kirchhof bedeutet auch Friedhof. Wir haben uns auf einem Friedhof getroffen“, sagt Wigberdus im Tonfall eines ganz alten Märchenerzählers. Das gibt den Besuchern gleich die richtige Stimmung, um sich auf die Themen der „Bremer Gespensterführung“ des Theaters einzulassen.

Diese geht mit neuen gruseligen Erzählungen in die zweite Runde. Eine Gruppe aus Grundschulkindern mit erwachsener Begleitung wartet bereits.

Ängstliche Fledermaus kommentiert die Führung

Wigberdus trägt einen schwarzen Umhang, der an Vampirfilme erinnert. Darunter sitzt gemütlich ein Mitarbeiter: Flippsi Flippsella, eine Fledermaus, die im Dom wohnt. Die Handpuppe kommentiert die Führung gelegentlich mit quietschigen Lauten und krabbelt unter den Umhang, wenn es zu unheimlich wird.

Es sind nur einige wenige Meter zu laufen, bis ein für seichten Horror bedeutsamer Ort erreicht ist: einmal quer über den Platz bis kurz vor die Obernstraße. Die Erzählung „Die weiße Frau von St. Stephani“ beginnt. „Früher stand hier das Rathaus. Es gab hier einen Bürgermeister, der hatte eine besonders mutige Magd“, erzählt Wigberdus. Der Bürgermeister bot ihr modische Kleidung aus seinem Familienfundus an, wenn sie vor die Stadtmauern zur Stephanikirche geht und die Mütze eines geräderten Mörders holt.

Gruselig, aber familientauglich

Vor der Stadt beobachtete die Magd, wie ein Ritter Nonnen anlockte und ihnen dann das Genick brach. Nachdem sie drei Morde gesehen hatte, stahl sie das Pferd des Ritters, ritt in die Stadt und berichtete alles dem Bürgermeister. Dieser stellte das Pferd aus, der Ritter wollte es zurück, wurde verhaftet und verurteilt. „Bei der dritten Nonne dauerte es leider etwas, bis der Tod eintrat“, erzählt Wigberdus. „Sie wurde manchmal nachts als weiße Frau gesehen. Man sah immer nur ihre Hinterseite.“ Die Blicke der Kinder sind starr auf Wigberdus gerichtet.

Gespenstisch, aber weniger brutal, ist die Geschichte von den „Zwergen von Farge“. Klein und für Menschen nicht zu sehen, müssen diese die Weserseite wechseln, als rücksichtslose Fremde in ihr Gebiet kommen. Ein angeheuerter Fährmann folgt ihren Anweisungen. Sein Lohn nach getaner Arbeit: wertlose Klumpen, die aussehen wie Pferdeäpfel. Im Zorn wirft er neun davon in die Weser. Als er noch zwei übrig hat, merkt er, es handelt sich um dreckig gewordene Goldkügelchen. „Die Geschichte sagt uns, gehe nie nach dem Äußeren“, mahnt Wigberdus.

Die einstündige Führung, die unter anderem auch zum Wohnort der Giftmörderin Gesche Gottfried führt, ist unheimlich, aber dennoch familientauglich. In den Sommermonaten findet die Bremer Gespensterführung des „Theater Interaktiwo“ jeden Freitag um 20 Uhr ab Taxifahrerbrunnen auf dem Liebfrauenkirchhof statt.

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