Serie „Verschwunden“:

Bremer Freimarkt wurde mal in der Neustadt gefeiert

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Der Bremer Freimarkt auf einer Postkartendarstellung aus der Zeit nach 1900. In jenen Tagen wurde ein Teil des Volksfests schon in der Bremer Neustadt gefeiert. 

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Domshof, Liebfrauenkirchhof, Wallanlagen – wo der Freimarkt nicht schon überall gefeiert worden ist! Heute liegt das Zentrum des Volksfest-Wahnsinns ja auf der Bürgerweide. Vor einigen Jahrzehnten noch schlug das Herz des Bremer Freimarkts aber in der Neustadt – auf dem Grünenkamp und am Hohentor, dieses Mal Thema unserer Serie „Verschwunden“.

Einst hatten Bremer (und Bremen-Besucher) den Freimarkt mitten in der Altstadt gefeiert. Auf dem Domshof, auf der Domsheide, auf dem Marktplatz. Als Bremen im Wirtschaftsboom der Gründerzeit wuchs und wuchs, wurde es für das Volksfest langsam zu eng. Nicht nur, weil es mehr Besucher gab – die Einwohnerzahl stieg rasant. Auch die Karussells wuchsen. Die zunehmende Industrialisierung nämlich eröffnete dem Jahrmarktstreiben auch neue technische Möglichkeiten. Für die aber brauchten die Schausteller mehr Platz als für herkömmliche Karussells – für die ersten Riesenräder („Russische Schaukeln“) zum Beispiel.

So kam der Grünenkamp 1890 als Erweiterungsfläche zum Freimarkt hinzu. Das Volksfest zog sich damit praktisch von der Alt- bis in die Neustadt. Ab 1909 reichte der Trubel bis zum Hohentorsplatz. Beim Publikum kamen sie gut an, die neuen Flächen. Das Gedränge war nicht mehr ganz so groß – und es gab Platz für die allerneuesten Attraktionen, für Menagerien, wilde Tiere und neuartige elektrische Belustigungsapparate.

Diskussion um Verlegung

Anno 1913 beschloss die Bürgerschaft nach langen und ernsthaften Diskussionen dann, den nach wie vor wachsenden Freimarkt in Zukunft ganz zu verlegen. Im Blick hatte man das große Areal an der Gustav-Deetjen-Allee, für das sich erst Jahrzehnte später der Name Bürgerweide durchsetzen sollte.

In Zeitungsannoncen beweinten traditionsbewusste Bremer das Ende des Freimarkts in der Altstadt. Doch dann kam der Erste Weltkrieg. 1914 gab es keinen Freimarkt, nicht in der Altstadt, nicht in der Neustadt, nicht an der Gustav-Deetjen-Allee. Das Volksfest fiel mehrere Jahre lang aus, bis 1919.

Und als das Volksfesttreiben dann im Jahr 1919 wieder begann, da geschah das nicht etwa in der Altstadt. Die war nun außen vor. Ab 1919 bauten die Schausteller ihre Buden und Karussells ausschließlich in der Neustadt auf. Klar, in den Lokalen der Altstadt – und auch im altehrwürdigen Ratskeller – gab es natürlich Freimarktsfeiern. Aber der Freimarkt an sich, der war nun komplett links der Weser zu finden. Das ist in Bremen ja schon eine bedeutsame Grenzüberschreitung. Schiffsschaukeln, Holzachterbahnen und erste Kettenkarussells boten manche Ablenkung von den Härten des Alltags.

Freimarkt wächst weiter

Dabei wuchs der Freimarkt weiter, der Platzbedarf stieg und stieg. So sehr, dass die Schaustellerverbände 1927 forderten, das Volksfest erneut zu verlegen – nicht zuletzt auch wegen des Zustroms „aus der Umgegend“ Bremens, wie es in einer „Denkschrift“ hieß.

Die Weltwirtschaftskrise kam, das Platzproblem blieb. 1934, inzwischen herrschten die Nationalsozialisten, wurde der Freimarkt nach jahrelanger Vorplanung tatsächlich verlegt – auf die Bürgerweide, auf der es noch heute ausreichend Platz für das Volksfest gibt.

Und der Grünenkamp in der Neustadt? Er diente als Parkplatz – und er war ein beliebter Ort für Zirkusgastspiele. 1988, 1991, 1994 und 1997 etwa trat „Roncalli“ hier auf. Später wurde das Areal verkauft. Die angrenzende Brauerei, die das Bier in den grünen Flaschen braut, brauchte es für eine Erweiterung. Als Ausgleich dafür wurde der Lucie-Flechtmann-Platz angelegt.

Alle Infos zum heutigen Freimarkt gibt's auf freimarktlife.de

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