„Bremer Frauen-Geschichten”

Aline von Kapff: Gönnerin der Bohème

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Selbstportrait in Öl von Aline von Kapff

Bremen - Von Nina Seegers. Sie war eine viel gereiste und gebildete Frau, eine begabte Malerin und eine in Bremen angesehene Kunstmäzenin. Ihre prächtige Villa an der Schwachhauser Chaussee befand sich auf dem heutigen Gelände des Kippenberg-Gymnasiums und war Treffpunkt für Intellektuelle, Künstler und Literaten. Aline Charlotte von Kapff (1842 bis 1936) ist eine Folge unserer Serie „Bremer FrauenGeschichten” gewidmet.

Ob Rainer Maria Rilke, Paula Modersohn-Becker oder Kunsthallendirektor Gustav Pauli – sie alle gehen im Haus von „Tante Aline“, wie sie von der jüngeren Generation liebevoll genannt wird, ein und aus. Die Gönnerin der Bremer Bohème, Aline von Kapff, lädt nicht nur regelmäßig zu Kostümbällen, Teenachmittagen, Musikabenden und Wohltä- tigkeitsveranstaltungen. Ihre Villa dient auch dem Künstlerkreis „Goldene Wolke” über viele Jahre als Treffpunkt: „...Was mit einem ‚Lesekränzchen‘ begonnen hatte, allerdings schon unter dem verwegenen Gedanken, ‚das geistige Niveau der Gesellschaft zu heben‘, hatte die ganze Atmosphäre einer Stadt mit frischem Atem erfüllt”, erinnert sich im Nachhinein Magdalene Pauli, die Autorin von „Sommer in Lesmona”, an jene Treffen im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. 

Aber alles auf Anfang: Als Tochter einer wohlhabenden Bremer Weinhändler-Familie wächst Aline von Kapff zwischen Weser und Marktplatz in der Wachtstraße 43 in besten Verhältnissen auf. Den Wunsch, eine Ausbildung zur Malerin zu absolvieren, erfüllen die liberal eingestellten Eltern ihrer an Kunst interessierten Tochter gern. So zieht es die junge Aline zunächst nach München, später nach Paris, um sich dem Malereistudium zu widmen. Tatsächlich entwickelt sich von Kapff zu einer angesehenen Genreund Stillleben-Malerin. In den 1880er Jahren hat sie einige Ausstellungen in Paris und München. Heute befinden sich viele ihrer Zeichnungen und Porträts in Privatbesitz, im Archiv der Bremer Kunsthalle und des FockeMuseums. Eines ihrer bekanntesten Bilder ist das Selbstbildnis als Fischverkäuferin aus dem Jahr 1887. 

Mittleren Alters kehrt von Kapff nach etlichen Reisen durch Europa und Nordafrika schließlich wieder nach Bremen zurück. Sie übernimmt das Landhaus der Eltern an der heutigen Schwachhauser Heerstraße und lässt es aufwendig umbauen. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 ist ihre prächtige Villa, wie zu Anfang erwähnt, also Treffpunkt der Bremer Bohème. Finanziell unabhängig fördert sie viele Bremer und Worpsweder Künstler. In ihrem Buch „Die goldene Wolke” aus dem Jahr 1954 erinnert sich Magdalene Pauli, dass von Kapff es meisterhaft verstand, als „große Gönnerin bremischen Zuschnitts (...) Kunst und Gesellschaft auf bezaubernde Art miteinander zu verbinden“. 

Die letzten 20 Jahre ihres Lebens lebt von Kapff hingegen eher zurückgezogen in einem vergleichsweise bescheidenen Haus. Der Erste Weltkrieg und die Inflation von 1923 haben das Familienvermögen dahinschmelzen lassen. Aline von Kapff stirbt 1936 im hohen Alter von 94 Jahren. Über ihrem Familiengrab auf dem Riensberger Friedhof zeigt ein etwa vier Meter hoher Obelisk das Familienwappen der von Kapffs.

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