„Bremer Frauen-Geschichten”: Magdalene Pauli, Autorin von „Sommer in Lesmona”

Eine zum Scheitern verurteilte Liebe

Unterhalb der Villa Lesmona im Knoops Park in St. Magnus befindet sich das Magdalene-Pauli-Denkmal. Die Bronzebüste steht auf einem Natursteinsockel und wurde von dem Bildhauer Claus Homfeld erschaffen. - Foto: Regina Contzen/Bremer Frauenmuseum

Bremen - Von Nina Seegers. Als Tochter einer erfolgreichen Bremer Kaufmannsfamilie wächst Magdalene Pauli (geborene Melchers) in überaus wohlhabenden Verhältnissen auf. Sie ist 17 Jahre jung, als sie sich im Sommer 1893 in ihren Vetter aus London unsterblich verliebt. Mit dieser Liebesgeschichte ohne Happy End geht sie 55 Jahre später an die Öffentlichkeit. Mit Magdalene Pauli beginnen wir unsere neue Serie „Bremer Frauen-Geschichten”´.

Dass sie mit „Sommer in Lesmona” solch große Erfolge feiern würde, damit hätte Magdalene Pauli damals, kurz vor der Veröffentlichung des Briefromans 1951, wohl nicht gerechnet. Das Buch gewährt einen so wunderbar unverfälschten Einblick in die Verhältnisse des damaligen Bremer Großbürgertums, dass bis heute mehr als 200 000 Exemplare verkauft worden sind. 1986 wird das Werk schließlich mit Katja Riemann in der Hauptrolle verfilmt. Und am Handlungsort des Romans – in Knoops Park – gedenkt seit mehr als 20 Jahren das beliebte Klassik-Open-Air „Sommer in Lesmona” jener wahren Liebesgeschichte.

Zurück zur Autorin: 1875 wird Magdalene Pauli (damals noch Melchers) in Bremen geboren und wächst in einer herrschaftlichen Villa an der Contrescarpe 111 auf. Das gleichaltrige Nachbarsmädchen, Bertha Schellhass, ist Magdalenes Halbcousine und beste Freundin. Zusammen besuchen sie die Höhere Töchterschule an der Rembertikirche und verbringen fast jede freie Minute miteinander. Das geht aus dem von Magdalene Pauli 1957 veröffentlichten Buch „Aus meiner Kindheit – Bremer Erinnerungen” hervor.

Die Sommermonate verbringt Magdalene gern auf dem Landsitz ihres Onkels in St. Magnus an der Lesum (lat.: Lesmona). Im Juni 1893 trifft die 17-Jährige dort auf den nur zwei Jahre älteren Vetter Gustav Rösing. Beide verlieben sich heftig und verbringen heimlich eine intensive, unvergessliche Zeit miteinander. Die zum Scheitern verurteilte Liebesgeschichte hält Magdalene damals in ihren Briefen an ihre engste Freundin Bertha fest.

Es sind jene Briefe, die 55 Jahre später unter dem Titel „Sommer in Lesmona” als Briefroman veröffentlicht werden. Magdalene Pauli ändert zwar die Namen der Protagonisten und verwendet als Autorin das Pseudonym „Marga Berck”. Zeitliche Abläufe und Handlungsorte bleiben aber unverändert, so dass es nach der Buchveröffentlichung zumindest für die Bremer leicht zu erraten ist, wer die Briefe tatsächlich geschrieben hat.

Magdalene Pauli verzichtet als junge Frau auf die große Liebe mit Gustav Rösing und heiratet stattdessen 1896 den sozial besser gestellten und zehn Jahre älteren Gustav Pauli. Dieser ist ein angesehener Kunsthistoriker, Sohn des Bremer Bürgermeisters Alfred Pauli, und leitet ab 1899 die Bremer Kunsthalle sowie später ab 1914 die Hamburger Kunsthalle. Magdalene Pauli gebärt ihm vier Kinder, die sie alle um Längen überlebt. Ab 1938 verwitwet, stirbt sie selbst im stolzen Alter von 94 Jahren 1970 in Hamburg. Begraben ist sie auf dem Riensberger Friedhof.

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