Warnstreik im öffentlichen Dienst

„Es ist genug für alle da“

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Mit Schirm, Transparent und Umhang: Verdi-Kundgebung auf dem Bremer Marktplatz. Etliche Streikende waren aus dem Umland nach Bremen gekommen, um hier zu protestieren.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Brüder (und Schwestern), zur Sonne, zur Freiheit? Nicht bei diesen Temperaturen, nicht bei diesem Wetter! Im Regen standen sie am Dienstagmittag bei ihrer Kundgebung auf dem Bremer Marktplatz, die Warnstreik-Teilnehmer des öffentlichen Diensts. 3000 waren es nach Gewerkschaftsangaben – darunter viele aus dem Bremer Umland.

Es geht um mehr Geld. Sechs Prozent mehr Gehalt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten fordern die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die Gewerkschaft der Polizei und die in der GEW organisierten Lehrer. 100 Euro mehr soll es für die Auszubildenden geben. „Es ist genug für alle da“, klang es aufmunternd von der Kundgebungs-Bühne auf dem Marktplatz – gesungen. Erwärmende Live-Musik für in der Kälte schlotternde Gewerkschafter. Dazu wurden Schilder mit der Aufschrift „6 %“ hochgehalten. Manchmal allerdings auch umgedreht – „%9“ stand da dann. Auch eine Forderung.

Späßchen, über die nicht alle entspannt lachen konnten. Weil auch Beschäftigte von Kita Bremen ihr Grundrecht auf Streik in Anspruchnahmen, hakte es am Morgen in manch einer Kindertagesstätte bei der Versorgung. Es musste mit Notbesetzungen gearbeitet werden.

Am Bremer Flughafen wurden mehrere Flüge gestrichen, darunter Lufthansa-Flüge nach Frankfurt und München. Insgesamt acht Flüge wurden gestrichen – und zwei nach Paderborn umgeleitet. In Bremen beteiligten sich das Bodenpersonal und die Flughafenfeuerwehr am Warnstreik. Am Nachmittag normalisierte sich die Lage wieder.

Der Demo-Zug hatte zuvor vom Kulturzentrum Schlachthof (Bürgerweide) über die Hochstraße zum Marktplatz geführt. Dort wurden die Streik-Teilnehmer mit Jubel empfangen – nicht von Passanten, sondern von den anderen Streikenden. „Tarmstedt, Schwanewede, Grasberg!“ Von der Bühne begrüßten die Organisatoren die Teilnehmer wie beim Einmarsch der Gladiatoren. Verwaltungsmitarbeiter aus Stuhr, Weyhe, Syke erschienen ebenso wie Warnstreik-Teilnehmer aus Bassum und Bruchhausen-Vilsen, Verden (vom Wasser- und Schifffahrtsamt Verden) und Sulingen, Rotenburg, Nienburg und Diepholz. Ja, auch die Fliegerhorststaffel Diepholz wurde unter den Augen des Bremer Rolands begrüßt.

Im kalten Regen waren hier fast ebenso viele Schirme wie Transparente zu sehen. Die Gewerkschafts-Capes aus Kunstsstoff, die viele Streikende sich umgehängt hatten, dienten zugleich als willkommener Regenschutz. Aufschrift: „Wir sind es wert.“

Aus Bremen waren auch Beschäftigte des Umweltbetriebs sowie der Kliniken Ost, Nord und Mitte dabei. Aus Bremerhaven kamen Streikende von der Klinik Reinkenheide und vom Alfred-Wegener-Institut.

Einschränkungen gab es wegen der Protestaktionen auch bei der Müllabfuhr in Bremen. Mehrere Recycling-Stationen blieben geschlossen. Die Hallenbäder der Gesellschaft Bremer Bäder wurden derweil am Dienstag nicht bestreikt, betonte eine Sprecherin.

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