Die Geschichte einer Flucht

Bremer Focke-Museum erhält bedeutenden Foto-Nachlass

Ein Selbstporträt von Julius Frank, aufgenommen 1936 nach der Ankunft in Amerika.
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Ein Selbstporträt von Julius Frank, aufgenommen 1936 nach der Ankunft in Amerika.

Bremen – Ein „ungeahnter Schatz“, so eine Sprecherin, hat das Focke-Museum in Schwachhausen erreicht. Es geht um den Nachlass des jüdischen Fotografen Julius Frank, der 1936 sein Atelier in Lilienthal aufgeben musste, um aus dem nationalsozialistischen Deutschland zu flüchten – in die USA.

Damit endete eine Fotodynastie in Lilienthal, die mit dem Großvater 1872 begonnen hatte und von Sohn und Enkel weitergeführt worden war. Mit im Gepäck hatte der Enkel Julius Frank den Familiennachlass, darunter national und international prämierte Fotografien.

2019 entschlossen sich seine Kinder Mike und Barbara Frank, diese Dokumente der Fotografiegeschichte dem Focke-Museum und dem Heimatverein Lilienthal zu überlassen. „Durch die Pandemie verzögerte sich das Verpacken der Schenkung“, so die Museumssprecherin.

Ein zwei Kubikmeter großer Schatz

Im Herbst vorigen Jahres kam die zwei Kubikmeter große Kiste dann im Museum an. Kuratorin Dr. Karin Walter sichtete den Inhalt. „Dank der großzügigen Übergabe des gesamten Nachlasses der Fotodynastie Frank, deren Mitglieder nicht nur in Deutschland, sondern später auch in Amerika sehr erfolgreich waren, wird es erstmals möglich sein, ihr Wirken umfassend zu erforschen und in einer Ausstellung zu würdigen“, so Walter.

Neben etwa 1 000 Originalabzügen in unterschiedlichen Formaten, Negativen und Dias fanden sich auch etliche private Familienunterlagen in der Kiste. „Diese zeigen das Schicksal der Familie Frank in Deutschland und Amerika und belegen ihre erfolglosen Bemühungen um Wiedergutmachung im Nachkriegsdeutschland“, so die Sprecherin.

Norddeutsche Landschaft und US-Industrie

Der fotografische Nachlass mit „vintage prints“ (qualitätsvolle Originalabzüge aus der Hand des Fotografen) biete zudem die Möglichkeit, das vielschichtige Werk von Julius Frank zu erforschen, dessen Motivspektrum von Menschen- und Landschaftsaufnahmen aus seiner deutschen Herkunft über Bilder aus dem Arbeitsleben in der US-Autoindustrie bis hin zu Werbe- und Architekturfotografien reicht. Ein Schatz, wie schon erwähnt. Julius Frank ist ein virtuoser Meister der Lichtsetzung.

Das Focke-Museum plant eine Ausstellung und ein Buch zu Franks fotografischem Wirken – und zur Familiengeschichte. In Amerika wurde Julius Frank mit vielen Auszeichnungen geehrt. Einen Monat vor seinem tödlichen Herzinfarkt im Jahr 1959 erhielt er den Titel „Master“, eine Auszeichnung, die – wie es in einem Zeitungsartikel dazu heißt – zu dem Zeitpunkt erst 375 der etwa 25 000 Fotografen in Amerika zuteil geworden war.

Heimatverein stellt Kontakt zur Familie her

Der frühe Tod des Fotografen trug dazu bei, dass sein Wirken in Vergessenheit geriet. Erst die Spurensuche des Heimatvereins Lilienthal änderte dies. Der Verein nahm 2004 mit der Witwe und den Kindern Franks in Amerika Kontakt auf. 2005 publizierten die Autoren Peter Richter und Harald Kühn das Schicksal der Familie und einige Aufnahmen in dem Buch „Als die Hoffnung starb“.

Der Verein brachte die Familie auch mit dem Focke-Museum in Kontakt, das eine renommierte Foto-Sammlung besitzt – und seit 1985 auch Bestände aus dem Lilienthaler Fotoatelier. Frank hatte sein Geschäft 1936 unter Zeitdruck an den Bremer Kollegen Fritz Hahn verkauft. Hahn betrieb das Atelier noch bis 1968. Seine Tochter überließ die Bestände aus dem Atelier dem Museum 1985 als Schenkung – darunter war auch einiges, das noch aus der Zeit der Familie Frank stammte.

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