Das Lastenrad „Movr“ der Firma „Rytle“ ist in Europa, USA und bald in Asien im Einsatz

Ein Bremer Exportschlager

Probesitzen: Ein „Movr“-Lastenrad steht im Bremer Büro von „Rytle“ am Schwachhauser Ring. Firmengründer Arne Kruse hat auf dem Sattel Platz genommen. Foto: KOWALEWSKI

Bremen - Von Martin Kowalewski. Eine Bremer Entwicklung wird womöglich bald zum Exportschlager. Es handelt sich um das Lastenrad „Movr“ des Unternehmens „Rytle“. Das gründete der Elektrotechniker und Ökonom Arne Kruse, Jahrgang 1971, im Jahr 2017. Kurz darauf präsentierte er ein Lastenrad mit drei Rädern und zwei Hilfsmotoren, ausgestattet mit modernster Kommunikationstechnik und Software. „Movr“ soll zur ökologischen und verkehrsentlastenden Alternative auf der „letzten Meile des Transports“ werden.

„Movr“ wird mit einer auswechselbaren, 1,80 Meter hohen Box beladen. Neun solcher Boxen werden per Lkw in Depots, sogenannten Hubs angeliefert, deren Größe der Hälfte eines Lkw-Wechselladebehälters entspricht. Sie können mit speziellen Isolierungen ausgestattet werden. So lässt sich beispielsweise Pizza warm und Eis gefroren transportieren, überwacht durch Sensoren.

Dank eigener Hydraulik lassen sich die Hubs leicht auf Lastwagen laden. Die Boxen werden wiederum mit kleinen Transportbehältern, sogenannten Cubes gefüllt. Diese haben eine Größe von 2 400 (60 mal 40) oder 1 200 (40 mal 30) Quadratzentimetern.

Sie wurden in Singapur entwickelt, wo Rytle wie auch in Indien und den USA einen Außen-Standort hat. Ausgestattet mit Kältespeichern und speziell isoliert können die Cubes auch gefrorene Ware optimal transportieren – eine wichtige Eigenschaft im heißen Singapur.

Dank der zwei zusammen 250 Watt starken Elektromotoren fährt sich das Lastenrad Movr leicht. „Besonders stark unterstützen die Motoren beim Anfahren und bis sechs Kilometern pro Stunde“, sagt Kruse. „Sie unterstützen bis zu einem Tempo von 25 Sachen. Wenn man intelligent fährt, geht der Kraftaufwand gegen Null. Dann fährt man mit weniger Kraft als auf einem normalen Fahrrad.“ Der Job eignet sich auch für Menschen ohne Führerschein mit wenig Qualifikationen.

Der Fahrer bekommt zukünftig Routenangaben und wichtige Informationen über eine in den Fahrradhelm eingebaute Datenbrille gezeigt, die „Rytle“ in einem Forschungsprojekt mit der Bremer Firma Ubimax entwickelt. Dabei sind neben Navi-Funktionen auch Hinweise auf Gefahrenquellen geplant. Die Zentrale bekommt Informationen zur Position des Lieferanten. Die Sensoren des „Movr“ erheben Daten zu Erschütterungen und Temperatur. Die Hubs senden ebenfalls Daten, etwa die Temperatur im Inneren oder den Status der elektrischen Tore. Potenziell können alle Beteiligten alle Daten einsehen.

Bereits mehrere hundert dieser Fahrzeuge sind in Deutschland und Europa unterwegs. Sie fahren auch in Miami, Montreal und Los Angeles. Geplant wird der Einsatz unter anderem in New York.

„Man hat in New York keine Möglichkeit, einen Lkw zu parken. Dafür fehlt die Fläche“, sagt Kruse. Es gäbe dort Transportdienstleister, die aus ihren Garagen heraus agieren. „Die gehen mit Kipp-Karren los“, so Kruse weiter. Seine Vorstellung: „Lastwagen fahren die Hubs inklusive der Boxen mit der vorkonfektionierten Ware in die Tiefgaragen. Dort werden die Boxen auf die Lastenräder verteilt und los geht es.“

Auch in Asien werden etwa zehn Fahrzeuge zeitnah in Pilotprojekten eingesetzt, zunächst in Singapur, Japan, Vietnam und Indonesien.

70 Mitarbeiter beschäftigt „Rytle“ weltweit, davon 20 in Bremen und 35 in Zerbst bei Berlin bei der Rytle-Tochter Speedliner, die die Fahrzeuge und Boxen herstellt. Das Unternehmen baute auch schon Tausende von Trilinern unter anderem für die Deutsche Post. Diese ähneln dem Movr, tragen aber keinen Wechselbehälter.

Bisher wurden einige hundert „Movr“ gebaut, in drei bis vier Jahren soll ein hoher zweistelliger Tausenderbereich erreicht sein, sagt Kruse. Ein Lastenrad kostet etwa 14 000 Euro, ein Hub ab 16 000 Euro, eine Box 1500 Euro, die Cubes je nach Gestaltung einen dreistelligen Betrag.

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