Überraschung vor dem Landgericht

Bremer „Encrochat“-Prozess: Angeklagter will reden

Packt er aus? Der 30-jährige Angeklagte (vorne) wird womöglich am nächsten Prozesstag aussagen, kündigten seine Verteidiger Philip Martel (l.) und Armin von Döllen (r.) an.
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Packt er aus? Der 30-jährige Angeklagte (vorne) wird womöglich am nächsten Prozesstag aussagen, kündigten seine Verteidiger Philip Martel (l.) und Armin von Döllen (r.) an.

Bremen – Dass es Drogendealer und Waffenschieber meist nicht so genau nehmen mit dem Gesetz, ist bekannt. Einer eisernen Regel aber folgen Kriminelle meistens: Sie sprechen nicht mit Behörden, kein Wort an Polizei, Staatsanwaltschaft oder Gericht. Nun könnte es anders kommen. Im Prozess gegen einen 30-jährigen Mann, der sich seit Donnerstag vor dem Bremer Landgericht wegen Drogen- und Waffenhandels verantworten muss, erwägt der Angeklagte eine Aussage.

174 Kilo Marihuana, etwa 1,2 Kilo Kokain, neun Kilo Amphetamine und mehr als fünf Kilo Haschisch, dazu 100 Pistolen und Maschinengewehre – die Liste der „Waren“, die der 30 Jahre alte Albaner zwischen März und Mai 2020 über den verschlüsselten Handy-Anbieter „Encrochat“ verkauft haben soll, ist lang. Und könnte den Mann für bis zu zehn Jahre hinter Gitter bringen.

Womöglich ist es diese mehr als düstere Aussicht, die ihn dazu bewogen hat, im Verfahren auszusagen – und damit für ein Novum bei den hiesigen „Encrochat“-Prozessen zu sorgen. Bislang schwiegen die Angeklagten in den insgesamt zwölf Hauptverhandlungen, die vor dem Bremer Landgericht stattfanden oder noch immer laufen.

„Deal“ am Donnerstag denkbar

Sicher ist die Aussage bislang nicht. Doch nach Auskunft seines Verteidigers, Rechtsanwalt Armin von Döllen, bestehe „bei unserem Mandanten das Interesse, über den Sachverhalt zu reden“. Aber sehr wahrscheinlich nicht ohne Gegenleistung. In einem sogenannten Rechtsgespräch („Deal“) wollen die Verfahrensbeteiligten am Donnerstag, 11. November, vor der Aussage des Ermittlungsführers über ein solches Vorgehen beraten. Gibt es ein Geständnis, nennt der 30-Jährige womöglich Hintermänner und Abnehmer, so könnte die Staatsanwaltschaft einen geringeren Strafrahmen vorschlagen.

Vor dem Bremer Landgericht geht es um 16 Fälle

Und es dürfte einiges zu bereden geben. 16 Fälle sind angeklagt, den Großteil machen Drogengeschäfte aus, bei denen der Albaner Marihuana, Kokain und andere Betäubungsmittel verkauft haben soll. Und es geht um Waffen. Im April 2020 soll er einem „Encrochat“-User 80 Pistolen sowie 20 Maschinengewehre des Typs AK-47 samt Munition und Handgranaten angeboten haben. Fotos der Ware schickte der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft über den Krypto-Anbieter, der nach langen Ermittlungen der französischen und niederländischen Polizei geknackt wurde – durch deren Ergebnisse identifizierten die deutschen Behörden allein in Bremen 500 Nutzer.

745.300 Euro soll der Angeklagte mit den Geschäften verdient haben. Geld, das eingezogen werden soll. Insgesamt, so das Justizressort, wurden im Zusammenhang mit ähnlichen Verfahren bislang etwa 7,8 Millionen Euro eingezogen.

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