Rom und Requiem

Bremer Dom-Museum aufgefrischt und überarbeitet

Von den in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts aus Eichenholz geschnitzten Heiligenfiguren im Vordergrund fällt der Blick auf den „Schmerzensmann“ von Lucas Cranach. Das Gemälde stammt aus der Zeit nach 1537.
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Von den in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts aus Eichenholz geschnitzten Heiligenfiguren im Vordergrund fällt der Blick auf den „Schmerzensmann“ von Lucas Cranach. Das Gemälde stammt aus der Zeit nach 1537.

Bremen – Vom „Rom des Nordens“ bis in die Gegenwart. . . das Bremer Dom-Museum ist frisch renoviert, die Ausstellung in Teilen überarbeitet worden – finanziert durch „eine zweckgebundene Spende“, wie es heißt. Das passt gut, da im nächsten Jahr ein Jubiläum ansteht: Vor 500 Jahren war die Reformation nach Bremen gekommen.

In einer Seitenkapelle der St.-Ansgarii-Kirche hielt der Augustinermönch und Luther-Mitstreiter Heinrich von Zütphen (um 1488 bis 1524) am 9. November 1522 eine Predigt – und anschließend ging es ganz schnell mit der Reformation in Bremen. Das Dom-Museum aber ist natürlich kein Reformationsmuseum, sondern noch viel mehr. Es ist ein ökumenisches Museum für christliche Kunst und bremische Kirchengeschichte, es präsentiert Funde aus den mittelalterlichen Bischofsgräbern des Doms.

Thematisch reicht es zurück bis ins „Rom des Nordens“. Im Silberraum des Museums finden sich neu gestaltete Tafeln zur Missionsgeschichte, die auf Jahrhunderte hinaus das Verhältnis von Bremen und Skandinavien beeinflusst hat.

Päpstlicher Missionsauftrag für Bremen, das „Rom des Nordens“

Denn von der Weser aus sollte Skandinavien im Frühmittelalter missioniert werden. Als Erzbistum wurde Bremen mit päpstlichem Missionsauftrag für den Norden – „bis ans Eismeer“ – zum Dreh- und Angelpunkt eines massiven kulturellen und wirtschaftlichen Austauschs. Auf Handelswegen zogen die Missionare nach Norden. 2018 hatte das Dom-Museum eine Ausstellung zum Thema gezeigt („Bremen und Skandinavien – Geschichten über den Zauber des Anfangs“). Sie bildete nun die Basis für die neuen „Missionstafeln“, sagt Dr. Henrike Weyh, die Leiterin des Dom-Museums.

Museumsleiterin Henrike Weyh neben den neuen Tafeln zur Missionsgeschichte.

Im Silberraum ist zudem das Parkett aufgearbeitet worden, das Obergeschoss – das auch für Sonderausstellungen genutzt werden soll – hat erstmals überhaupt Parkettboden bekommen. Es ersetzt den undefinierbaren Nadelfilzteppich vergangener Zeiten. Neuer Boden, frische Farben – nun gibt es einen ganz neuen Raumeindruck, und das tut der Präsentation unter anderem des „Schmerzensmanns“ von Lucas Cranach d. Ä. (1472 bis 1553) wirklich gut.

Auch Hörstationen gibt es hier nun – zum Beispiel mit Musik. Schließlich war das „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms (1833 bis 1897) anno 1868 im Bremer Dom erstmals in Gänze aufgeführt worden, nur der fünfte Satz fehlte noch.

Hörstationen und bewegte Bilder für das Bremer Dom-Museum

Eine weitere Hörstation hat den Einzug der Reformation und das katholische Leben in Bremen in den darauf folgenden Jahrhunderten zum Thema. Denn fast 300 Jahre lang durften Katholiken kaum eine Rolle im öffentlichen Leben der Stadt spielen. Erst 1816 wurde die katholische Gemeinde in Bremen neu gegründet. Der Senat überließ ihr die frühere Franziskanerkirche St. Johann im Schnoor als Gotteshaus.

Seit 1807 galten Katholiken in Bremen nicht mehr als Fremde, sondern durften das Bürgerrecht erwerben. So konnten sie heiraten, Grund erwerben, Handel treiben. Und sie mussten ihre Gottesdienste nun nicht mehr heimlich im „Eschenhof“ an der Domsheide feiern.

Neben den Hörstationen hat noch mehr Medientechnologie Einzug gehalten ins Bremer Dom-Museum. Im Bereich vor der Schatzkammer steht nun ein Bildschirm, der einen Radio-Bremen-Film aus dem Jahr 1977 zeigt. Sein Thema sind die Ausgrabungen, die am Ende zur Einrichtung des Museums geführt hatten. Fast kurios, wie der Film nun ins Museum gekommen ist: „Ich habe ihn auf Facebook entdeckt“, berichtet Weyh – die dann Kontakt zum Archiv des Senders aufnahm.

Nicht bieten kann das Museum einen durch und durch barrierefreien Zugang, das ist bautechnisch nicht möglich. Nach Anmeldung und Terminabsprache gibt es jetzt aber eine Möglichkeit, mit dem Rollstuhl ins Obergeschoss zu kommen, so Weyh. Das Dom-Museum öffnet montags bis freitags in der Zeit von 10 bis 16.45 Uhr, sonnabends 10 bis 13.30 Uhr und sonntags von 14 bis 16.45 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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