Bremer Biologen entdecken neuen Tumormarker

Kampf dem Hodenkrebs

Die Bremer Arbeitsgruppe mit Dr. Gazanfer Belge (v. l.), Dr. Arlo Radtke, Svea Küper und Beverly vom Bruch. - Foto: AG Belge

Bremen - Von Viviane Reineking. Bei Männern zwischen 20 und 40 Jahren gehören sie zu den häufigsten Krebserkrankungen: Hodentumoren. Bremer Forscher haben einen neuen Biomarker entdeckt und seine Anwendbarkeit nun endgültig belegt. Mit ihm könne Hodenkrebs zuverlässiger als bislang erkannt und zur Abschätzung des Behandlungserfolgs eingesetzt werden, so der Bremer der Biologe Dr. Arlo Radtke.

Mit rund 4000 erkrankten Männern tritt er vergleichsweise selten auf, doch die Häufigkeit von Hodenkrebs hat sich seit 1975 verdoppelt. Und sie steigt ständig an. Damit sei Hodenkrebs der häufigste bösartige Tumor bei jungen Männern dieser Altersgruppe, so Prof. Dr. Klaus-Peter Dieckmann vom Hamburger Albertinen-Krankenhaus.

Der Chefarzt der Urologie und gebürtige Bremer, der mit den Bremer Wissenschaftlern um den Humangenetiker Dr. Gazanfer Belge zusammenarbeitet, sagte dies bei der Vorstellung der Entdeckung des Markers 2012. Damals war den Wissenschaftlern nach eigenen Angaben ein „wichtiger Fortschritt im Kampf gegen Hodenkrebs gelungen“: Sie hatten einen „äußerst vielversprechenden“ Tumormarker entdeckt. 

Sehr genauer Wert

Dabei handelt es sich um kurze RNA-Moleküle (Ribonukleinsäure), sogenannte Mikro-RNAs, die von Tumorzellen in das Blut abgegeben werden und im Serum von Patienten mit Hodentumoren erhöht sind. Wurde die Anwendung der „microRNA-371a-3p“ als Biomarker 2012 erstmals vermutet, haben die Wissenschaftler sie nach eigenen Angaben nun endgültig belegt. „Bei einer großen Anzahl von Patienten konnte gezeigt werden, dass der Marker sehr genau ist“, so Radtke.

Umweltgifte, so vermuten Forscher, könnten der Grund sein, warum die Krebsart vor allem in nordeuropäischen Ländern immer öfter auftritt. Ist der Krebs erst einmal erkannt, lasse sich dieser dem Hamburger Mediziner zufolge mit einer Operation entfernen und mit Chemotherapie und Bestrahlung gut behandeln. Um ein mögliches Rezidiv, also ein Wiederauftreten des Tumors, rechtzeitig zu erkennen, folgt eine intensive und langjährige Nachsorge.

Bisher basiert die Behandlung auf der Bestimmung der Serum-Konzentrationen der bekannten Tumormarker AFP, beta-HCG und LDH sowie mit Röntgen- und Computertomographie-Untersuchungen (CT). Wie Dieckmann sagte, sei die Strahlung „nicht unerheblich“, dadurch könnten neue Probleme entstehen.

Weniger Fehlerquellen 

Ein weiterer Nachteil: Sie sind laut Radtke nur bei etwa 50 bis 60 Prozent der Patienten erhöht. „Außerdem sind die alten Marker auch immer mal wieder erhöht gewesen, obwohl kein Hodenkrebs vorlag“, so der Bremer Biologe. Das komme bei dem neuen Marker sehr viel seltener vor. Für eine Diagnose und zur Abschätzung des Behandlungserfolgs wird das Serum von den zellulären Bestandteilen des Blutes getrennt. Aus der RNA im Serum wird die Mikro-RNA isoliert und die Konzentration des neuen Markers bestimmt.

Mit der „microRNA-371a-3p“ könne Hodenkrebs nun zuverlässiger erkannt werden. Der Tumormarker sei bei 89 Prozent der Krebspatienten erhöht. Zudem konnten die Wissenschaftler zeigen, „dass der Marker bei Patienten ohne Metastasen nach der Entfernung des Tumors wieder abfällt“, so Radtke. „Bei Patienten mit Metastasen ist der Wert des Tumors normalerweise höher und fällt nach der operativen Entfernung des Tumors aufgrund der Metastasen nicht ab“, so der 36-jährige Wissenschaftler. Unterziehen sich diese Patienten einer Chemotherapie, sinke der Wert des neuen Markers im Verlauf der Therapie immer weiter. „Durch den Marker lässt sich also auch der Erfolg einer solchen Chemotherapie überwachen.“

Auch ist der neue Marker spezifischer: Er sei bei fast allen Hodentumortypen erhöht, nicht aber bei anderen Krebserkrankungen und anderen Hodenveränderungen wie etwa Entzündungen, heißt es. Durch einen Bluttest auf „microRNA-371a-3p“ könnte den Angaben zufolge die Therapie bei vielen Hodentumor-Patienten erleichtert werden, CT-Untersuchungen etwa ließen sich deutlich reduzieren.

In einer länderübergreifenden Studie soll der neue Biomarker nun noch einmal getestet werden. Hierfür arbeiten die Bremer Forscher mit 40 urologischen und onkologischen Instituten in Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien und Ungarn zusammen.

Bis der neue Test in der klinischen Diagnostik tatsächlich zum Einsatz kommt, könnten, so Radtke, noch etwa zwei Jahre vergehen.

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