Bremer Billard-Szene klagt über Nachwuchsprobleme / Schnuppertage

Nervenkitzel am Tisch

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Frank Heine am Billard-Tisch.

Bremen - Von Lars Kattner. Wer kennt ihn nicht, diesen Nervenkitzel am Tisch, diesen Reiz, mit dem Queue den weißen Spielball so zu spielen, dass die farbigen Bälle in den Taschen landen. Stimmt die Hand-Auge-Koordination? Rollen die Kugeln so über den Tisch wie vorher berechnet? Bin ich besser als mein Gegner? Kaum eine Sportart kitzelt den menschlichen Spieltrieb ähnlich stark wie Poolbillard.

Und doch fristet das Konzentrations- und Geschicklichkeitsspiel ein echtes Schattendasein. Ein Zustand, den der Bremer Billard Club gerne ändern möchte – mit Aktionstagen am 2. und 3. Mai.

Der Blick auf die Bremer Poolbillard-Szene ist, man muss es so deutlich sagen, ein Trauerspiel. Weniger als 100 Personen sind in nur drei Vereinen organisiert. Neben dem Bremer Billard Club nehmen einzig Mannschaften der Billardfreunde Bremen und der Billardsparte von 1860 Bremen am offiziellen Ligabetrieb teil. Und das in einem Land wie Deutschland, das traditionell zu den stärksten Billard-Nationen in Europa zählt. Beziehungsweise: zählte. „Bis vor zehn Jahren spielten vielleicht sieben der besten zehn Europäer in Deutschland. Heute wohl eher keiner mehr“, sagt John Blacklaw, aktueller Zweitliga-Spieler beim PBC Lingen und Mitglied im Bremer Billard Club. „Österreich und besonders Polen haben uns zum Beispiel klar abgehängt. Gerade in Polen macht sich die gute Jugendarbeit bezahlt, bei uns geht es in die andere Richtung“, meint der ehemalige Erstliga-Akteur. Während die Luft auch in den USA immer dünner werde, erlebe Poolbillard im asiatischen Raum dagegen einen echten Boom. „Wer kennt hier schon den deutschen Ausnahmeprofi Ralf Souquet? Außer den 15 000 bis 20 000 Billardspielern wahrscheinlich niemand. Aber auf den Philippinen ist er ein richtiger Superstar.“

Aber warum ist das so? Warum verliert ein Spiel wie Billard, das eigentlich jeder kennt, dermaßen schnell an Attraktivität? „Unser größter Feind“, vermutet Blacklaw, „ist das Smartphone. Da kann jeder immer und überall rumdaddeln, und es geht ja auch viel einfacher.“ Ein zweites Problem sei aber auch die Organisation. „Es fehlt an fähigem Personal, um gerade Jugendliche zu betreuen. Dafür braucht es eine Mischung aus Pädagogik, sportlichem Knowhow und natürlich auch Interesse“, so der 44-Jährige. Die Abwesenheit nachhaltiger Kompetenz, so beschreibt er den derzeitigen Missstand in der Szene. Dazu komme, dass es für Randsportvereine im Allgemeinen zunehmend schwieriger werde, sich vom breiten Angebot abzuheben. „Der Nachwuchs muss immer mehr abgeholt werden.“

Und um genau das zu tun, veranstaltet die Deutsche Billard Union am Wochenende 2./3. Mai bundesweit Aktionstage. Keine Frage, dass auch der Bremer Billard Club mit dabei ist. „Von jeweils 14 bis 20 Uhr kann an beiden Tagen kostenlos und unter fachkundiger Anleitung Poolbillard und auch Snooker gespielt werden“, sagt der Vize-Vorsitzende Frank Heine. „Frauen, Männer, Kinder – jeder ist willkommen.“ Und er betont: „Wer unserem Verein beitritt, kann jederzeit an einem unserer sechs Tische spielen und üben. Und die Teilnahme an Wettbewerben ist selbstverständlich keine Pflicht. Die meisten bei uns spielen nur just for fun.“ Infos unter 0151/61497081 oder vor Ort an der Kattenturmer Heerstraße 28.

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