Brebau prüft Vorwürfe

Bremer Baugesellschaft: Rassismus-Skandal bei Wohnungssuche

Geheime Papiere enthüllen in Bremen offenbar einen Rassismus-Skandal. Die Bremer Baugesellschaft vermietet scheinbar bewusst nicht an Menschen mit Migrationshintergrund.

Bremen – Geheime Dokumente decken einen brisanten Rassismus-Skandal in Bremen auf. Der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Brebau wird vorgeworfen, Wohnungssuchende mit Migrationshintergrund systematisch zu diskriminieren. Medienberichten zufolge liegen schriftliche Anweisungen vor, die Rassismus gegenüber „People of Color“ in mehreren Fällen bestätigen. Demzufolge wurden Menschen mit Migrationshintergrund offenbar bewusst abgelehnt – einzig und allein aufgrund ihrer Herkunft.

Stadt:Bremen
Fläche:326,7 km²
Einwohner:569.352 (Stand: 2019)
Bürgermeister:Andreas Bovenschulte

Bremer Baugesellschaft unterscheidet bei der Wohnungssuche nach rassistischen Kriterien

Dass eine Baugesellschaft vor Vertragsabschluss Auskunft über das Einkommen haben möchte, ist Gang und Gäbe. Welche Kriterien allerdings bei der Brebau eine Rolle spielen, übersteigt jegliche Makler-Regel – und auch die Vorstellungskraft.

Nach absurden wie rassistischen Merkmalen werden die Bewerber in Kategorien eingeteilt. Nur wer bestimmte Kriterien erfüllt, darf sich Hoffnung auf eine Wohnung machen: Staatsangehörigkeit, Sprachkenntnisse, Hautfarbe und eine „Nähe zur deutschen Kultur“ scheinen demnach für die Wohnungsvergabe die entscheidende Rolle zu spielen. Doch der Rassismus-Skandal in Bremen ist keineswegs ein Einzelfall– bereits 2019 berichtete merkur.de, wie stark Diskriminierung bei der Wohnungssuche verbreitet ist*.

Wohnungssuche in Bremen: „People of Color“ werden bei der Brebau abgelehnt

Eine Anweisung für die Wohnungsvergabe heißt offenbar: „Keine ‚People of Color‘“. Gemeint sind damit Menschen mit nicht weißer Hautfarbe. Der Begriff stammt aus der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre und macht auf den strukturellen rassistischen Ausschluss aufmerksam, der mancherorts gar von rassistischen Strukturen der Polizei befördert wird*.

Auch in Deutschland verwenden marginalisierte Communitys die Selbstbezeichnung, um Rassismus anzuprangern. Für die sogenannten „People of Colour“ nutzen Kundenbetreuer der Bremer Baugesellschaft die Kennung E40 – auch Sinti und Roma, Bulgaren, Rumänen fallen darunter.

Bremer Baugesellschaft: Geheime Dokumente enthüllen offenbar einen Rassismus-Skandal bei der Wohnungsvergabe.

Auch Bewerberinnen mit Kopftuch werden offenbar systematisch diskriminiert

Was die Brebau mit ihren Machenschaften bewirken möchte, ist offensichtlich: Die Wohnungen sollen nur an „Deutsche“ gehen*. Menschen scheinen für die Bremer Baugesellschaft grundsätzlich nur Codes zu sein, die im System der Kundenberater eingespeist sind. So wird für Bewerberinnen, die ein Kopftuch tragen, offenbar die Abkürzung „KT“ genutzt.

Ein weiteres Ausschlusskriterium versteckt sich hinter dem Kürzel „WE“. Bewerber, die laut der Bremer Baugesellschaft „westlich integriert“ sind, werden unter dieser Kategorie vermerkt. Eine entsprechende Notiz spricht davon, dass damit wohl Migranten bezeichnet werden, die mit der deutschen Kultur vertraut seien.

Brebau: Die Liste „Schlechte Adressen“ soll weitere Menschen ausschließen

Doch die Diskriminierung geht noch weiter. Unter der Liste „schlechte Adressen!!“ finden sich 20 soziale Einrichtungen wieder. Wie ein anonymer Informant verriet, werden Menschen, die dort gemeldet sind, schon im Vornherein ausgeschlossen. Sie erhalten keine Wohnungsangebote der Brebau.

Unter den Einrichtungen zählen etwa die Therapiehilfe für Suchtkranke, Obdachlosenheime, Rehabilitationseinrichtungen – und sogar Wohnadressen in sozialen Brennpunkten gelten für die Brebau als Ausschlusskriterium für ein Wohnungsangebot.

Nur Menschen mit deutschen Namen erhielten im ARD-Test ein Wohnungsangebot

Wie der Informant der brisanten Interna aus dem Hause Brebau Medienberichten zufolge Preis gab, hätten Menschen mit Kopftuch ohnehin kaum Chancen auf eine Wohnung. Ob sich die Anschuldigen real bewahrheiten zeigte das ARD-Format „Panorama“ mit einem Selbstversuch auf.

Für den investigativen Test fragten vier deutsche Männer im April bei der Brebau an. Alle vier Beteiligten hatten das gleiche Budget zur Verfügung, doch nur zwei Bewerber erhielten von der Baugesellschaft Wohnungsangebote. Während sich zwei Personen mit einem deutschen Namen Hoffnung auf ein neues Zuhause machen konnten, wurde die anderen Männer, die einen afrikanischen bzw. arabischen Namen haben, abgelehnt.

Rassismus-Skandal in Bremen: Brebau prüft die Vorwürfe

Eine konkrete Stellungnahme seitens der Brebau, die 2016 nach 15 Jahren wieder öffentlich geforderten Wohnraum in Bremen bauten*, soll in den kommenden Tagen erfolgen. „Wir nehmen das Thema sehr ernst und werden den Sachverhalt mit aller Konsequenz aufklären“, kündigte die Geschäftsführung am Donnerstag, dem 20. Mai an. Aktuell prüfe die Bremer Baugesellschaft die Vorwürfe. *kreiszeitung.de, 24hamburg.de, merkur.de und fr.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Paul Zinken/dpa

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