Bremer Autor schreibt Geschichte der NDW

Wilde Mischung

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„Aus grauer Städte Mauern“: Burghard Rausch mit der ersten der beiden Doppel-CDs.

Von Thomas Kuzaj. Musik: Es war eine wilde Zeit, das darf man wohl sagen. Manches aus dieser Zeit blieb unvergessen. Manches aber ist im Lauf der Zeit aus der Erinnerung verschwunden – teils mit Recht, teils vollkommen zu Unrecht. Und wie immer in solchen Fällen lässt sich trefflich darüber streiten, was wohl in welche Kategorie gehört.

Musik: Es war eine wilde Zeit, das darf man wohl sagen. Manches aus dieser Zeit blieb unvergessen. Manches aber ist im Lauf der Zeit aus der Erinnerung verschwunden – teils mit Recht, teils vollkommen zu Unrecht. Und wie immer in solchen Fällen lässt sich trefflich darüber streiten, was wohl in welche Kategorie gehört.

Worum es hier geht? Um die Zeit der Neuen Deutschen Welle (NDW). Eine Zeit, die die Welt der deutschsprachigen Popmusik so stark (und dauerhaft) verändert hat wie seither nichts mehr.

Mammutprojekt

und Detailfülle

Jetzt – endlich – ist der Zeitabstand groß genug, um die NDW-Jahre mal so richtig gründlich aufzuarbeiten. Und wo könnte das besser gemacht werden als bei der auf so gründliche wie grundlegende Wiederveröffentlichungen spezialisierten Plattenfirma „Bear Family Records“ im Landkreis Osterholz nördlich von Bremen?

Dort sind jetzt unter dem Titel „Aus grauer Städte Mauern“ zwei liebevoll ausgestattete Doppel-CDs mit dicken, detailsatten Booklets erschienen. Die Zusammenstellungen vereinen 50 beziehungsweise 53 Songs der Jahre 1977 bis 1985. Zwei weitere Doppel-CDs dieser Reihe sollen in diesem Jahr noch folgen.

Ein Mammutprojekt, keine Frage. Entstanden ist es mit starker bremischer Beteiligung. Die Texte für die geradezu enzyklopädisch umfassenden, jeweils um die 150 Seiten starken CD-Booklets zum Beispiel lieferte der Schlagzeuger, Hörfunkmoderator und Musikfachmann Burghard Rausch. „Es hat wieder einen Riesenspaß gemacht“, sagt er.

Dabei macht es auch eine Riesenarbeit, von Musikern, die Ende der 70er mal eine Single auf einem Mini-Label veröffentlicht haben, Jahrzehnte später wahre Lebensdaten und echte bürgerliche Namen herauszufinden – um nur mal ein Beispiel zu nennen. Aber Rausch hat gute Verbindungen und zudem Erfahrung in solchen Dingen. Schließlich hat er auch schon Rocklexika geschrieben. „Ich habe mit vielen Leuten telefoniert“, sagt er mit sprichwörtlich hanseatischem Understatement.

Die CDs führen auch vor Augen (und Ohren, sozusagen), wie groß die musikalische Bandbreite zu NDW-Zeiten war. Die Zusammenstellungen spiegeln dies wider, indem sie gerade nicht nach Stilrichtungen geordnet sind. Die wilde Mischung, das wilde Durcheinander von Underground- und Chart-Acts lässt spüren, was damals alles gleichzeitig geschah – und wie aufregend das war. Bands wie „Seen links, Schlösser rechts“ zum Beispiel. Rausch: „Die waren ihrer Zeit sowas von voraus...“

Von DAF bis DÖF, von Markus und Nena bis „Fehlfarben“ und „Mythen in Tüten“, von „Abwärts“ bis „ZK“ (woraus später die „Toten Hosen“ wurden) – auf den neuen CDs fehlt nichts. Oder? Doch. Falco zum Beispiel. Der habe aber im Testament verfügt, dass seine Songs auf Zusammenstellungen nicht erscheinen sollen, sagt Rausch. Kann man nichts machen. Und dann gibt es noch Bands, die mit der NDW groß wurden, nun aber nicht mehr damit in Verbindung gebracht werden wollen. Sowas ärgert Rausch.

Sven Regeners

frühe Jahre

Was wiederum – jedenfalls in Bremen – für Freude sorgt, ist, wie viele Bremen-Spuren sich in der Musik von damals finden lassen. „Die Mimmi‘s“ zum Beispiel sind dabei – nicht mit ihrer Werder-Hymne, sondern mit ihrem Titel „Up‘n Land“. Die Band „Zatopek“ ist ebenfalls zu finden. Bei „Zatopek“ spielte 1982/83 ein junger Mann aus Bremen Trompete – Sven Regener, später mit „Element of Crime“ und als Bestsellerautor berühmt geworden. Der Rest ist, wie es immer so schön heißt, Geschichte. Und die wird ja bekanntlich gemacht. Hieß es in den wilden Jahren doch in einem „Fehlfarben“-Hit...

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