Bremer Armutskonferenz fordert mehr Ausbildungsplätze

Jugend ohne Perspektive

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Die Gefahr, schon in jungen Jahren in Armut zu geraten, ist besonders groß, wenn Jugendliche keinen Beruf erlernt haben, sagt ein Armutsexperte von der Arbeitnehmerkammer. 12 000 Jugendliche im Alter von 15 bis 25 Jahren sind im Land Bremen auf Hartz IV angewiesen, heißt es im Vorfeld der heute stattfindenden Armutskonferenz. Archivfoto: dpa

Bremen - Die Organisatoren der zweiten Bremer Armutskonferenz haben die hohe Zahl von Jugendlichen im Land Bremen ohne eine berufliche Perspektive kritisiert. „Bremen und Bremerhaven brauchen mehr Ausbildungsplätze“, forderte gestern Gerd Wenzel vom Paritätischen Wohlfahrtsverband.

Im Land lebten allein 7 000 junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren, die weder einen Berufsabschluss hätten noch an einem Bildungsangebot beteiligt seien. „Das ist alarmierend.“ „Was aus einem jungen Menschen wird, hängt davon ab, welche Möglichkeiten, Fähigkeiten und Kompetenzen ihm durch Familie, Schule und Nachbarschaft mitgegeben werden“, betonte Wenzel. Die beruflichen Perspektiven Jugendlicher sind das Schwerpunktthema der zweiten Bremer Armutskonferenz, die heute, Dienstag, zusammenkommt.

Sie wird von einem Bündnis aus 15 Institutionen organisiert. Dazu gehören neben Wohlfahrtsverbänden und Kirchen die Arbeitnehmerkammer, der Bremer Rat für Integration sowie Gewerkschaften und Kinderschutzbund. Die Konferenz will Forderungen an die Politik formulieren, um die Situation zu verbessern. Ohne einen Berufsabschluss sei die Gefahr programmiert, schon in jungen Jahren in Armut zu geraten, warnte der Armutsexperte der Bremer Arbeitnehmerkammer, Thomas Schwarzer. 12 000 Jugendliche im Alter zwischen 15 und unter 25 Jahren seien im kleinsten Bundesland auf Hartz IV angewiesen. „Für jeden Zehnten beginnen die ersten Schritte in die Arbeitswelt mit Arbeitslosigkeit.“ Eine Berufsausbildung sei aber zentral, um Lebensperspektiven entwickeln zu können.

Aus Sicht der Wohlfahrtsverbände muss die Bremer Wirtschaft mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen, auch, um jungen Asylbewerbern einen Berufsabschluss zu ermöglichen. Die Landesregierung müsse mit ihrem Versprechen einer Ausbildungsgarantie gegenüber allen Jugendlichen Wort halten, forderte Gewerkschafterin Daniela Teppich (DGB). „Dazu gehört, dass sie mehr Betriebe dazu bewegt, sich bei der Berufsausbildung zu engagieren.“ Nicht einmal jeder vierte Betrieb im Land bilde aus. Auch die zur Vermittlung gegründete Jugendberufsagentur laufe noch nicht gut. Erforderlich seien außerdem ausreichende Angebote im Bereich der offenen Jugendarbeit und mehr Stellen für die Schulsozialarbeit, um junge Leute zu stabilisieren, hieß es. Das Budget für die offene Jugendarbeit sei aber bei steigenden Kosten seit mehr als zehn Jahren eingefroren.

Jugendarbeit sei Beziehungsarbeit, die stabile Strukturen benötige, mahnte Quartiersmanager Aykut Tasan: „Sonst kann sie für die Jugendlichen nicht als Unterstützung wirken und soziale Teilhabe sichern.“

Die Bremer Armutskonferenz unter dem Titel „Alle Jugendlichen befähigen“ findet heute, Dienstag, von 9 bis 17 Uhr im Bürgerzentrum Vahr statt.

epd

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