Arbeitnehmerkammer Bremen

Armuts-Studie vorgelegt: „Die soziale Spaltung wächst weiter“

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Hauptgeschäftsführer Ingo Schierenbeck (l.) und Referent Thomas Schwarzer von der Arbeitnehmerkammer.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Fast jeder fünfte Bremer ist auf staatliche Unterstützung angewiesen. Das zeigt eine Studie der Arbeitnehmerkammer. Demnach sinkt – rein statistisch – zwar das Armutsrisiko. Allerdings nimmt die soziale Spaltung in Bremen und Bremerhaven weiter zu, so Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer. „Die Armut hat sich weiter konzentriert.“

Die Studie basiert auf Zahlen aus dem Jahr 2016. Danach haben 122 500 Menschen zur Sicherung des Existenzminimums staatliche Unterstützung bekommen – unter ihnen waren 15 300 Senioren (über 65), die mit ihrer Rente nicht auskommen, 27.600 Kinder und 6200 Asylbewerber.

Hinzu kommen die „verdeckte Armut“, so Schierenbeck. So würden beispielsweise Ältere aus Scham staatliche Leistungen, die ihnen zustehen, nicht beantragen. Berücksichtige man die „verdeckte Armut“, dann lebten tatsächlich 154.000 – oder: 22,6 Prozent – der Menschen im Land Bremen unterhalb oder an der Armutsgrenze, so die Kammer. Nachdem die Quote in den vergangenen Jahren fast stetig auf 24,8 Prozent gestiegen war, gab es damit 2016 einen leichten Rückgang. Ein ähnlicher Rückgang lasse sich auch in den anderen Stadtstaaten und in den meisten Großstädten beobachten.

In Bremen aber setze sich die soziale Spaltung fort. „Trotz sinkender Armutsgefährdung besteht kein Anlass zur Entwarnung“, sagt denn auch Thomas Schwarzer, Referent für kommunale Sozialpolitik bei der Arbeitnehmerkammer. Im Gegenteil – die räumliche Verteilung der erwerbsfähigen Erwachsenen und der Kinder, die von Sozialleistungen leben, konzentriere sich immer stärker in einigen Stadtteilen. Schwarzer: „Aktuell vor allem im Bremer Westen und in Bremen-Nord.“

„Kaum vor Ort zu bewältigende Aufgabe“

Zum Beispiel habe in Gröpelingen und Blumenthal die Zahl der „Kinder im Leistungsbezug“ um mehr als 500 zugenommen. „Eine kaum noch vor Ort zu bewältigende Aufgabe“, sagt Schwarzer. Dadurch vergrößere sich noch einmal der Abstand zwischen den Stadtteilen, die durch niedrige Einkommen geprägt sind, und den besser situierten Quartieren der Stadt.

Familien, so die Kammervertreter, seien besonders von Armut betroffen. „Alleinerziehende und kinderreiche Familien haben das höchste Armutsrisiko“, sagt Schierenbeck. Umgekehrt hätten Haushalte mit zwei Erwachsenen ohne Kinder mit neun Prozent das mit Abstand geringste Armutsrisiko. Als Armutsgrenze gilt bei der Kammer, wenn weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung stehen – bei Singles 891 Euro im Monat, bei einer Familie mit zwei Kindern 1872 Euro monatlich.

Mit Blick auf die soziale Spaltung und das Auseinanderdriften von Stadtteilen fordert Schierenbeck schnell wirkende Maßnahmen. So sei das Wohnungsbauförderprogramm mit einer verpflichtenden (und nicht unumstrittenen) Sozialwohnungsquote von 25 Prozent zwar „richtig“, wirke aber – da es für Neubauten gilt – nur „sehr langsam“.

Kammer-Chef Schierenbeck: „Zu prüfen ist daher, ob ergänzend durch Ankäufe der kommunalen Wohnungsbaugesellschaften auch Haushalte mit niedrigem Einkommen in besser situierten Stadtteilen Wohnraum finden können, um so der Spaltung entgegenzuwirken.“

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