Es fehlen 82 Millionen Euro

Bremer Airport mit Zukunft? Fragen und Antworten zum Sanierungsstau

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Der Bremer Flughafen in Nöten: An vielen Stellen muss saniert werden – der Investitionsstau hat sich auf rund 82 Millionen Euro summiert. Die Zukunft des Airports sieht das Häfenressort jedoch nicht gefährdet. Die klare Aussage: „Der Flughafen ist aus Bremen nicht wegzudenken.“

Bremen - Der Bremer Flughafen befindet sich in finanziellen Turbulenzen, aktuell wird der Sanierungs- und Investitionsstau auf mehr als 82 Millionen Euro beziffert. Die Gründe dafür sind vielfältig, die anzugehenden Maßnahmen umfangreich. Hat der Bremer Airport eine Zukunft? Dazu Fragen und Antworten.

Welche Bedeutung hat der Bremer Flughafen für Stadt und Region?

Rund 2,6 Millionen Fluggäste zählte der Hans-Koschnick-Airport zuletzt im Jahr. Der Flughafen, „ohne den die Übernachtungsrekorde nicht denkbar wären“, habe aber nicht nur aus touristischer Sicht eine „ganz herausragende Bedeutung“ für die Stadt, sondern sei auch „wichtiges Drehkreuz“ für die hiesige Industrie, sagt Tim Cordßen (SPD), Staatsrat im Häfenressort und Aufsichtsratvorsitzender des Flughafens. Insbesondere mit Blick auf Bremen als bedeutender Raum- und Luftfahrt-standort sei er enorm wichtig, sagt Cordßen.

Wie viel Menschen sind am Flughafen beschäftigt?

Von der Existenz des Flughafens seien direkt und indirekt etwa 25.000 Menschen abhängig, sagt Sebastian Rösener, Sprecher des Häfenressorts. Dies sei unter anderem auf die direkten Verbindungen des Flughafens zu Großkonzernen wie Airbus, Mercedes-Benz und OHB zurückzuführen. Am Airport selbst sind etwa 550 Menschen beschäftigt.

Wo liegen die Gründe für die finanzielle Schieflage?

Lange Zeit rühmte sich der Flughafen, der zu 100 Prozent der Stadt als Gesellschafterin gehört, finanziell gut aufgestellt zu sein. Der frühere Flughafenchef Jürgen Bula betonte stark, dass der Airport ohne Subventionen auskomme. Richtig, doch Investitionen kamen unter seiner Regie nicht voran. Der Aufsichtsrat sei nicht über den Investitionsstau informiert worden, hieß es später. Bula war im November 2017 aufgrund eines „gestörten Vertrauensverhältnisses“ abberufen worden. An vielen Stellen des Airports nagte der Zahn der Zeit – bis der Berg an Problemen letztlich zu groß wurde. Elmar Kleinert, seit Juli 2018 Geschäftsführer des Bremer Airports, leitete erste Schritte zur Sanierung des Flughafens ein. Klar war, dass Bremens Unterstützung gefragt sein wird. Doch dann kam im Frühjahr dieses Jahres die Pleite der Urlauber-Airline Germania. Rund ein Drittel der etwa 2,6 Millionen Passagiere (2018) war mit dem Fluganbieter unterwegs. Die Passagierzahlen brachen ein, allein im ersten Halbjahr 2019 um 13,2 Prozent auf gut eine Million Fluggäste. Bereits im Herbst 2018 hatte der Billigflieger Ryanair seine Basis in der Hansestadt geschlossen und seinen Flugplan ausgedünnt.

Wo muss der Flughafen konkret investieren?

Nach Angaben von Flughafen-Sprecherin Andrea Hartmann stehen in erster Linie Baumaßnahmen auf dem Plan. So müssten in Zukunft die sogenannte Anflug- sowie die Runwaybefeuerung auf LED-Technik umgebaut werden. Förderbänder müssten überholt, die Beleuchtung in Parkhaus 2 erneuert und Rollwege saniert werden. Auf ihnen sammeln zur Zeit Mitarbeiter mehrmals täglich kleine Steine weg, damit diese nicht in die Turbinen der Flugzeuge geraten. Viele Maßnahmen seien auf internationale Sicherheitsvorschriften zurückzuführen und hätten somit Priorität, so Hartmann.

Wie geht es weiter mit dem Bremer Flughafen?

Die Stadt Bremen, die als Gesellschafterin 100 Prozent des Flughafens hält, beschloss gerade, den Airport um die Kosten für den Brandschutz, sprich Feuerwehr, zu entlasten. Das ist laut Cordßen an anderen Flughäfen längst der Fall. Um dem Airport Luft zu verschaffen, bekommt er nun 12,6 Millionen Euro. Das sind die Kosten für die Feuerwehr für die kommenden drei Jahre.

Hat der Bremer Flughafen überhaupt eine Zukunft?

Ressortsprecher Rösener sagt: „Selbstverständlich wird es den Flughafen auch in Zukunft geben.“ Und Tim Cordßen betont: „Der Flughafen erfüllt ganz viele extrem wichtige Funktionen. Er ist aus Bremen nicht wegzudenken.“ Der Häfen-Staatsrat macht klar, dass er bei einem Besuch auf dem Airport eine „motivierte Mannschaft“ kennengelernt habe. Er sei zuversichtlich, dass man den Investitionsstau auflösen könne. Natürlich sei da auch der Flughafen selbst gefordert. Auf politischer Ebene müsste nun unter anderem der Haushalts- und Finanzausschuss über mögliche weitere finanzielle Mittel entscheiden, erläutert Ressortsprecher Rösener.

Müssen die Flughafen-Mitarbeiter um ihren Lohn fürchten?

Die Mitarbeitergehälter seien nicht in Gefahr, sagt Andrea Hartmann. „Die Gehälter werden gezahlt“, betont die Sprecherin.

Welche Folgen hat die Lage für Reisende?

Der Bremer Airport fliegt laut Webseite aktuell rund 30 Ziele in Europa, Asien und Nordafrika an. Dafür stehen zwölf Airlines zur Verfügung. In erster Linie erstellen die einzelnen Fluganbieter ihre Routen und entscheiden über diese. Dass bestimmte Ziele durch die finanzielle Lage des Flughafens wegfallen könnten, schloss Andrea Hartmann aus. „Das hat auf den Flugplan keinen Einfluss.“

Sanierung vor 30 Jahren 

Fast 30 Jahre ist es her, dass umfangreiche Sanierungsarbeiten am Bremer Flughafen in Angriff genommen wurden. Im Rahmen des Konzepts „Flughafen 2000” begannen 1991 gleich an mehreren Stellen grundlegende Arbeiten auf dem Airport-Gelände am Neuenlander Feld. Mehr als 13 Millionen Euro wurden investiert – etwa die Hälfte des Geldes stammte aus EU-Fördermitteln. 

Bis 1999 wurden ein neues Terminal und ein Frachtzentrum gebaut, hinzu kamen umfangreiche Baumaßnahmen im Außenbereich des Flughafens. 

Mit der Schaffung des Gewerbegebiets „Airportstadt“ gingen zudem zahlreiche Straßen-, Kanal- und Gleisführungsarbeiten einher, zusätzlich wurden Freiflächen von Altlasten befreit. 1998 wurde das neue Terminal offiziell eingeweiht. 

Damit hatte sich der veraltete Flughafen in einen modernen Airport gewandelt. Aber das ist nun 21 Jahre her. Die fälligen Investitionen summieren sich auf rund 82 Millionen Euro. (ko)

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