„Es hat viel Freude gemacht“

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Da war der Senator noch vergleichsweise neu im Amt: Ralf Nagel mit Erntekrone im Rathaus, September 2007.

Von Thomas Kuzaj BREMEN - Wirtschafts- und Justizsenator Ralf Nagel (SPD) tut zu wenig – dieser Vorwurf war in den vergangenen Wochen sehr oft zu hören. Gestern aber machte er etwas, das gleich richtig für Aufregung und Betriebsamkeit sorgte. Er trat zurück.

Nagel erklärte, er werde in Zukunft als Hauptgeschäftsführer des Verbands deutscher Reeder in Hamburg arbeiten. Die Aufgabe sei ihm in der vergangenen Woche „angetragen“ worden. Nagel, 50, weiter: „Das Angebot kann ich auch deshalb annehmen, weil in den mehr als zweieinhalb Jahren meiner Amtszeit alle wesentlichen Vorhaben und Aufgaben aus der Koalitionsvereinbarung für meine beiden Ressorts Wirtschaft und Häfen sowie Justiz und Verfassung umgesetzt sind beziehungsweise sich in Umsetzung befinden.“

Als Senator war Nagel in den vergangenen Monaten stark angegriffen worden – von der Opposition und auch von den Grünen, dem Koalitionspartner der SPD. Es hieß, Nagel zeige sich zu selten im Senat und bei öffentlichen Terminen. Die Handelskammer kritisierte, Nagel setze zu wenig Akzente. Über seine mangelnde Präsenz wurde sogar bei der Eiswettprobe gespottet.

„Es hat sehr viel Freude gemacht, am Wirtschaftsleben in Bremen und Bremerhaven mitzuwirken. Durch meine neue Tätigkeit bleibe ich insbesondere der maritimen Wirtschaft im Land Bremen eng verbunden“, erklärte Nagel hingegen, ohne groß auf die massive Kritik einzugehen. Allenfalls soviel: In seiner Amtszeit seien „verschiedene unerwartete Themen zu bewältigen“ gewesen.

Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) sagte, er habe Nagels Rücktritt „mit Bedauern“ zur Kenntnis genommen. Der Präsident des Senats weiter: „Ich muss aber respektieren, dass Ralf Nagel eine neue Herausforderung in seiner beruflichen Entwicklung gesucht und gefunden hat. Die Zusammenarbeit im Senat mit Ralf Nagel war sehr gut, er hat in der Wirtschaftspolitik Akzente gesetzt. Ich denke an die Umstrukturierung der Wirtschaftsförderung hin zu Kreditvergaben statt Zuschüssen, ich denke an die klare Positionierung Bremens in der Windenergiewirtschaft.“

Nagel, einstiger Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, war nach der Bürgerschaftswahl 2007 in den rot-grünen Senat gekommen, nachdem der parteilose Bremerhavener Ulrich Nußbaum vor dem Hintergrund eines Streit mit SPD-Chef Uwe Beckmeyer verzichtet hatte. Nagel zog nach Bremerhaven, weil der SPD-interne Proporz es verlangt, dass ein Seestädter Senator wird.

Wen schicken die Bremerhavener Sozialdemokraten nun in den Senat? Gehandelt wurde gestern der Name des Hafenpolitikers Martin Günthner. Ebenfalls im Gespräch: Seestadt-Oberbürgermeister Jörg Schulz (SPD).

Die Nachfolgefrage soll heute auf einer Sitzung der SPD-Landesvorstände Thema sein. Auch der Koalitionspartner will eine schnelle Entscheidung. „Da dürfen wir uns keine Lücke leisten“, sagte der Grünen-Fraktionschef Matthias Güldner.

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