Bau des Containerterminals startet

Vor 50 Jahren: Siegeszug mit der Blechkiste beginnt

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Vor 50 Jahren begann der Bau des Containerterminals in Bremerhaven. „Schwieriger Start zu langanhaltendem Erfolg“, überschreibt die Hafenmanagementgesellschaft Bremenports ihren Rückblick auf das „Projekt am offenen Gezeitenstrom“.

Bremerhaven - Mit einem Umschlag von rund 5,5 Millionen Container pro Jahr ist Bremerhaven weltweit der viertgrößte europäische Containerhafen – hinter Rotterdam, Antwerpen und Hamburg. Das geht aus einer Aufstellung von „Lloyds List“ hervor. Die Erfolgsgeschichte begann vor 50 Jahren – am 10.  Februar 1968 mit einem Raupenbagger und „Container-Schorsch“ an Bord.

„Container-Schorsch“ – das war der Spitzname von Häfensenator Georg Borttscheller. Der FDP-Politiker fuhr an jenem Februartag nördlich der Nordschleuse mit besagtem Raupenbagger vor, um so symbolisch den Bau des Containerterminals Bremerhaven zu starten. Knapp zwei Jahre zuvor war der erste Container im Bremer Überseehafen angeladen worden. Mit dem Hafenbau in der Seestadt reagierte das Land Bremen auf „die Revolution im Transportwesen“ und den „Siegeszug der Blechkiste“.

Hafensenator Borttscheller, seit 1959 im Amt, hatte die rasante Veränderung im Seetransportwesen frühzeitig erkannt, konstatieren Chronisten. Die Nähe des Hafens zum offenen Meer sollte ein wesentliches Kriterium für den Erfolg eines Hafens sein. Die herkömmlichen Hafenanlagen waren für den Containerumschlag nicht geeignet. 1967 entschied die Hafendeputation, den Schwerpunkt der Investitionen von Bremen nach Bremerhaven zu legen und eine 750 Meter lange Seekaje nördlich der Nordschleuse zu bauen.

„Ein solches Projekt am offenen Gezeitenstrom war in der Welt ohne Vorbild“, heißt es rückblickend bei der Hafenmanagementgesellschaft Bremenports. Das Land entschied sich für eine von Professor Dr. Walter Hansen vom Franziskus-Institut in Hannover entworfene Konstruktion. Diese sah eine überbaute Böschung in der Höhe des Landschutzdeiches vor, sodass Sturmfluten das benachbarte Gelände nicht überschwemmen würden. Unter der auf mehr als 40 Meter langen Stelzen stehende Kajenkante wurden zur Wasserseite Wellenklammern ausgebildet. Doch größte Probleme bereitete der schlickige Boden. Ende 1969 stand fest, dass 13 Millionen Deutsche Mark buchstäblich im Schlick versackt waren. Er war nicht gelungen, die langen Pfähle im Untergrund festzubekommen.

Gesamtleitung für Prof. Dr. Arnold Agatz

Der Senat mobilisierte zusätzliche Millionen, übertrug dem damals fast 80-jährigen Erbauer der Nordschleuse, Prof. Dr. Arnold Agatz, die Gesamtleitung. Mit der Neuaufstellung wurden die bautechnischen Probleme gelöst, das Pech aber blieb: Das Premierenschiff, die „Encounter Bay“, knickte der Hubinsel, die an der Baustelle vor dem zweiten Liegeplatz platziert war, am 23. April 1970 die Beine ab. Trotzdem gelang es, die Anlage fristgerecht fertigzustellen.

Knapp anderthalb Jahre später, am 14. September 1971, übergab Bremens Bürgermeister Hans Koschnick (SPD) das „Containerkreuz Bremerhaven“ seiner Bestimmung. Die Anlage umfasste die 750 Meter lange Stromkaje mit den entsprechenden Umschlagseinrichtungen. Zwischen Strom- und Hafenkaje ergab sich eine Aufstellfläche von mehr als 750.000  Quadratmetern für die Behälter. Für die Fertigstellung des Container-Terminals waren erhebliche Investitionen nötig. Der Senat finanzierte den Bau mit 208 Millionen DM, die Bremer Lagerhaus-Gesellschaft als Betreiberin beteiligte sich mit knapp 69 Millionen DM.

„Mit der Entscheidung für den Bau eines Containerterminals wurde der Grundstock für eine bis heute anhaltende Erfolgsgeschichte gelegt“, sagt ein Sprecher von Bremenports. Nach sechs Ausbaustufen ist die Hafenanlage auf rund fünf Kilometer Kajenlänge und mehr als drei Millionen Quadratmeter Aufstell- und Verkehrsfläche gewachsen. Sie bietet 14 Liegeplätze für Großcontainerschiffe und 90 Anschlüsse für Kühlcontainer.

je

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